Die Luganeser Polizei hat die letzte Ausgabe der Satire-Zeitschrift Il Diavolo aus den Auslagen der Kioske von Lugano entfernen lassen. Sie handelte dabei eigenmächtig. Grund ist eine gewagte Karikatur der Tessiner Regierungsrätin Marina Masoni. Die Polizei war von einer empörten Leserin auf die Karikatur aufmerksam gemacht worden. Am Karfreitag reagierte sie. Die Polizei habe die Kioske aufgefordert, Il Diavolo aus den Schaufenstern zu entfernen, so dass Passanten die Zeichnung nicht sehen könnten, sagte ein Polizeisprecher am Dienstag gegenüber der Nachrichtenagentur SDA.
Der Sprecher bestätigte Berichte der Tessiner Medien, wonach die Polizei eigenmächtig handelte. Den Entscheid habe Roberto Torrente getroffen, der Kommandant der Luganeser Polizei. Es habe sich um eine "persönliche Initiative" gehandelt, sagte er. Torrente selbst weilt derzeit in den Ferien.
Il Diavolo verlangt Erklärung
Die Verantwortlichen der Satire-Zeitschrift, Sergio Savoia und Corrado Mardasini, zeigen sich von der Massnahme irritiert. Sie entbehre einer legalen Basis, sagte Corrado Mordasini, Urheber der umstrittenen Karikatur. Sergio Savoia, Journalist und Vertreter der SP im Tessiner Grossrat, verlangt eine schriftliche Erklärung von der Stadt Lugano. Er wolle wissen, warum die Polizei ohne entsprechenden Befehl gehandelt habe, sagte er.
Dass eine Karikatur zensuriert werde, sei lächerlich, insbesondere angesichts des Angebots an pornographischen Zeitschriften. Polizeivorsteher Erasmo Pelli, der ebenfalls in den Ferien weilt, konnte am Dienstag für eine Stellungnahme nicht erreicht werden. Die Karikatur zeigt FDP-Regierungsrätin Marina Masoni in eindeutiger Pose auf allen Vieren und mit nacktem Hinterteil. Dazu die Bildlegende "Steh auf und geh!". Die Zeichnung illustriert einen Artikel über die gesundheitlichen und politischen Probleme der Regierungsrätin.

