16.02.2018

No Billag

Medien berichten eher negativ über Initiative

Ob «Südostschweiz», «Blick», Tagi oder SRF – der Tonfall gegenüber «No Billag» ist laut einer fög-Analyse eher ablehnend. Die Vorlage findet nur bei der «Weltwoche» Zustimmung. Dort und bei SRF erhalten Pro-Akteure auch die grösste Bühne.
No Billag: Medien berichten eher negativ über Initiative
Die No-Billag-Initiative, über die am 4. März abgestimmt wird, hat in den Medien – wie bei Volksinitiativen üblich – einen schweren Stand. (Bild: Keystone: Christian Beutler)

Die No-Billag-Initiative wird in den Medien überdurchschnittlich stark beachtet und ist damit ein Sonderfall. Dabei überwiegt die Kritik gegenüber der Initiative, heisst es im zweiten Zwischenbericht zum Abstimmungsmonitor, der am Donnerstag vom Forschungsinstitut Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Uni Zürich veröffentlicht wurde. Jedoch sei die Ablehnung der Vorlage typisch, da Volksinitiativen in der Regel wenig Zustimmung in den Medien erhalten würden.

Aus dem Zwischenbericht geht hervor, dass «No Billag» die stärkste Ablehnung in den Abozeitungen der Westschweiz, der «Südostschweiz», im «Blick», der «Luzerner Zeitung» und im «Tages-Anzeiger» erfährt. Immer noch klar, aber etwas schwächer ist die Ablehnung bei «20 Minuten», der NZZ, AZ, BaZ und der «SonntagsZeitung». Mehr Zustimmung als Ablehnung findet «No Billag» nur in der «Weltwoche».

foeg

Auch SRF und RTS berichten eher ablehnend über «No Billag». Die negative Tonalität entspräche aber dem Durchschnitt aller Medien, schreibt das fög. Bei der SRG wurden insgesamt 50 Beiträge von «Tagesschau», «10vor10» und «Le Journal» sowie auf srf.ch/news und rts.ch/info ausgewertet.

Mehr Platz für Pro-Akteure

Bei SRF erhalten Pro-Akteure mit eigenen Statements mit 36 Prozent überdurchschnittlich viel Resonanz. Der Anteil ist mit 50 Prozent nur in der «Weltwoche» höher. «SRF verdreht die Fakten nicht, aber die Agenda der Gegner bestimmt die Berichterstattung», sagt Markus Horst, Co-Präsident vom No-Billag-Initiativkomittee, gegenüber «20 Minuten». So würden bestimmte Argumente der Initianten nicht ausgestrahlt, kritisiert er.

akteure

Die Analyse des fög sei eine Momentaufnahme während eines definierten Zeitrahmens, nicht aber eine abschliessende Bilanz zur Berichterstattung über die Vorlage, heisst es in einer Stellungnahme von SRF. Für die Berichterstattung zur Volksinitiative «No Billag» würden für alle Sendungen von SRF die publizistischen Leitlinien gelten – wie bei jeder anderen Vorlage auch. Das bedeute, dass SRF die Folgen einer Annahme aufzeige. «Das tut sie methodisch, sachgerecht, transparent und ausgewogen», heisst es.

Gerade auch die fög-Studie halte fest, dass die Befürworter von «No Billag» mit eigenen Statements überdurchschnittlich viel Resonanz bei SRF erhalten würden und den Vertretern des Pro-Komitees viel Platz eingeräumt werde, schreibt SRF weiter. Und weist darauf hin, dass bei SRF nur Beiträge von drei Gefässen Gegenstand der Studie waren. Sämtliche Diskussionssendungen, in denen Befürworter prominent ihre Argumente vorbringen konnten, seien für die Untersuchung nicht berücksichtigt worden.

Service-public-Medien machen klüger

Interessante Punkte beleuchten Mark Eisenegger und Linards Udris vom fög in einem Beitrag in der «Republik». Sie haben diverse Studien unter die Lupe genommen und kommen zum Schluss: «Service-public-Medien machen uns messbar klüger.» Wer öffentliche Medien nutze, habe ein höheres Wissen bei einer Vielzahl von gesellschaftspolitisch relevanten Themen.

Und, so die Autoren weiter, würden Service-public-Medien das Vertrauen ins Mediensystem fördern – und in die gesellschaftlichen Institutionen insgesamt. «Davon profitieren letztlich alle: nicht nur die Viel- und die Gelegenheitsnutzer, sondern auch die Nichtnutzerinnen», schreiben die Autoren. Ohne eine SRG würden «Leuchttürme von Qualität» wie das «Echo der Zeit» verschwinden. Dadurch würde auch die Qualität der anderen Anbieter leiden, weil Benchmarks verloren gingen, an denen sich auch die Privatmedien orientieren würden. (cbe)

 

 


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