19.10.2020

Wegen Corona

Medienhäuser setzen verstärkt auf Homeoffice

Die Corona-Fallzahlen steigen weiterhin stark an. Der Bundesrat weitet ab Montag die Maskenpflicht aus und spricht eine Homeoffice-Empfehlung aus. Welche Regeln gelten in Schweizer Redaktionsstuben? Werden nun alle nach Hause geschickt? Eine Übersicht.
Wegen Corona: Medienhäuser setzen verstärkt auf Homeoffice
Wo herrscht Maskenpflicht – und welche Journalistinnen und Journalisten arbeiten von zu Hause aus? persoenlich.com hat nachgefragt. (Bild: Pixabay, Collage: cbe)
von Christian Beck

3105 neue Coronavirus-Ansteckungen hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) am Freitag vermeldet – dies entspricht einer Positivitätsrate von 14,4 Prozent. Der Bundesrat hat am Sonntag mehrere, schweizweit gültige Massnahmen gegen den starken Anstieg der Infektionen mit dem Coronavirus ergriffen. So muss ab Montag in öffentlich zugänglichen Innenräumen eine Maske getragen werden. Für Büros und Arbeitsorte, die nicht öffentlich zugänglich sind, empfiehlt das BAG das Maskentragen, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann. Auch hat der Bundesrat eine Homeoffice-Empfehlung ausgesprochen. Es besteht jedoch keine Pflicht zum Homeoffice.

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Derweil haben die Medienhäuser das Zepter bereits selbst in die Hand genommen, noch bevor der Bundesrat am Sonntag informierte, wie eine Umfrage von persoenlich.com zeigt.

So darf bei Ringier seit Freitag maximal ein Drittel der Belegschaft vor Ort arbeiten. Nach wie vor gilt der Teamsplit – bisher 50 Prozent und seit Freitag 33 Prozent. «Wo immer möglich werden die Mitarbeitenden von zu Hause aus arbeiten. Ausnahmen bilden Mitarbeitende, die aus produktionstechnischen Gründen nicht von zu Hause arbeiten können», sagt Johanna Walser, Head of Public Relations bei Ringier, auf Anfrage. Bei Ringier Axel Springer Schweiz (Rasch) werde seit Juni in einem 50:50-Teamsplit gearbeitet. Ab Montag darf auch bei Rasch maximal ein Drittel der Belegschaft vor Ort arbeiten. Und wie sieht es aus mit der Maskenpflicht? «Wo der Abstand von zwei Metern nicht eingehalten werden kann, wird eine Maske getragen», so die Regelung bei Ringier. Und bei Rasch: «Immer dann, wenn man sich nicht am Arbeitsplatz aufhält.» Ringier und Rasch haben laut Walser schon seit März 2020 damit begonnen, weitreichende Massnahmen zu treffen, die dem Schutz der Mitarbeitenden dienen.

Auch bei CH Media gilt infolge der steigenden Fallzahlen seit Freitag folgende Regelung: «Alle Mitarbeitenden, die unkritisch von zu Hause arbeiten können, arbeiten wenn möglich im Homeoffice. Wo Homeoffice nicht möglich ist, wird weiterhin sichergestellt, dass die Abstands- und Hygieneregeln des BAG eingehalten werden können», so CH-Media-Sprecherin Alena Kress gegenüber persoenlich.com. Zudem gelte neu eine Maskenpflicht in öffentlich zugänglichen Bereichen sowie immer dann, wenn der Abstand nicht eingehalten werden könne.

Anders sind die Regelungen bei Nau.ch: Seit Anfang Juni sind alle Mitarbeitenden zurück aus dem Homeoffice. «Auch bei steigender Fallzahl ist Homeoffice für uns aktuell keine Option», so Kommunikationsleiterin Nina Meyer. Nur für Personen, die in Quarantäne müssen, gelte Homeoffice. Bereits seit rund einer Woche herrsche dafür in den Büroräumlichkeiten von Livesystems und in der Nau-Redaktion Maskenpflicht. «Am eigenen Arbeitsplatz darf die Maske abgelegt werden, da die 1,5 Meter Abstand zum Pultnachbarn eingehalten werden können. An Sitzungen, auf dem Weg zur Kaffeemaschine oder zum WC ist ‹Oben mit› Pflicht», so Meyer.


«Oben mit» gilt auch beim Zürcher Sender Radio 1. «Wir haben die Maskenpflicht bereits am 13. Oktober eingeführt. Zum richtigen Zeitpunkt, wie sich jetzt zeigt», sagt Moderationsleiter Marc Jäggi. «Die Arbeitsplätze der Programmschaffenden sind so eingerichtet, dass Mindestabstände problemlos eingehalten werden können.» Wo und wann immer möglich würden die Mitarbeitenden jedoch aus dem Backoffice von zu Hause aus arbeiten. Jäggi: «Dies halten wir seit dem Lockdown so.»

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Schon seit dem Start «sehr digital und flexibel aufgestellt» ist das Onlinemagazin Republik, sagt Geschäftsführerin Miriam Walther zu persoenlich.com. Mitarbeitende hätten bereits vor dem Corona-Lockdown im März Homeoffice machen können. Walther geht aufgrund der aktuellen Entwicklung davon aus, dass künftig vermehrt von zu Hause aus gearbeitet wird. «Dabei geht es unter anderem darum, dass wir die Kontinuität und Qualität unseres Journalismus in Zeiten von Corona gewährleisten müssen. Wir haben damals im Lockdown zuverlässig brauchbaren Journalismus geliefert und werden das auch jetzt tun.» Die Crew organisiere sich so, dass nicht alle gleichzeitig physisch vor Ort seien, die Mitarbeitenden würden sich abwechselnd digital in die Sitzungen einklinken. Wer vor Ort ist, trage immer eine Maske – «ausser wenn wir an unserem Arbeitsplatz sitzen und im Abstand von 1,5 Meter niemand ist», so Walther.

Bei SRF ein grosser Teil im Homeoffice

Bei SRF müssen gewisse Mitarbeitende zwingend vor Ort in den Studios und den Newsrooms arbeiten. «Von den übrigen sind derzeit circa 30 Prozent jeweils vor Ort tätig, der Rest im Homeoffice», sagt SRF-Sprecher Stefan Wyss. Dieser Anteil könnte sich in den kommenden Tagen erhöhen: «Die aktuelle Empfehlung der Sicherheitskoordination SRF und des Pandemie-Teams SRG an die Teamleitungen ist tatsächlich, den Homeoffice-Anteil in den Teams – wenn betrieblich möglich – wieder etwas hochzufahren.» Bei SRF herrsche keine allgemeine Maskenpflicht. «In den Newsrooms und an weiteren Örtlichkeiten, an denen betrieblich die Abstände nicht einzuhalten sind, haben wir schon seit Monaten eine Maskenpflicht», so Wyss.

Bei Tamedia arbeiteten bis Sonntag bereits mehr Personen im Homeoffice als am Arbeitsplatz. Dabei wechselten sich die Mitarbeitenden in den Teams ab («Split-Work»). Daneben gibt es auch Bereiche, etwa die Druckzentren, wo aufgrund der Tätigkeit die Präsenz vor Ort notwendig ist. «Die Sicherheit und Gesundheit unserer Mitarbeitenden hat oberste Priorität. Wir haben ein betriebliches Schutzkonzept und halten uns an die Anweisungen des BAG und der Kantone», sagt Tamedia-Sprecherin Nicole Bänninger. Und so kommt es, dass bereits ab Montag gilt: Wo möglich, wird im Homeoffice gearbeitet. Die Mitarbeitenden, die vor Ort arbeiten, tragen neu eine Maske. Beim Sitzen am Arbeitsplatz selbst können die Masken abgenommen werden, solange die Abstandsregeln eingehalten werden. Es gelten zudem immer die allgemeinen Hygienevorschriften.

Anders als bei Tamedia arbeiteten bei 20 Minuten in der Redaktion bislang mehr Mitarbeitende im Büro, nur rund 20 Prozent waren im Homeoffice. «Bei der Redaktion ist ein schneller und unkomplizierter Austausch im Büro wichtig und effizienter. Bei den Mitarbeitenden im Verlag war der Prozentsatz derjenigen, die im Homeoffice arbeiteten, wesentlich höher», sagt Sprecherin Eliane Loum-Gräser. Ab Montag gilt nun auch bei 20 Minuten: Wer kann, geht ins Homeoffice. In Sachen Maskenpflicht gelten ab Montag dieselben Regeln wie bei Tamedia.

Die NZZ-Mediengruppe setzte bislang auf eine Kombination aus Präsenzarbeit und Homeoffice. Dabei wurden Homeoffice-Einsätze individuell in Abstimmung mit dem Vorgesetzten festgelegt. «Aufgrund der aktuellen Entwicklung wird der Anteil Homeoffice tendenziell wieder erhöht», so NZZ-Sprecherin Karin Heim. «Am Arbeitsplatz halten wir uns an die Vorgaben des Bundesamtes für Gesundheit. Wir verzichten, wenn immer möglich, auf physische Meetings. Wo diese notwendig sind, ist das Tragen einer Maske Pflicht, sofern der Abstand nicht eingehalten werden kann. Grundsätzlich nehmen wir die Lage sehr ernst und beobachten und beurteilen die Situation laufend neu.»



In eigener Sache: Der persönlich-Verlag ist seit dem Lockdown im März vorwiegend im Homeoffice. Wer ins Büro muss, kündigt dies vorher in einer WhatsApp-Gruppe an, um so zu grosse Ansammlungen zu vermeiden. Dementsprechend gibt es keine Maskenpflicht.



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