13.10.2016

AZ Medien

«Meine Kinder sollen nicht zu kurz kommen»

Patrik Müller übernimmt zusätzlich zu seiner Funktion als Chefredaktor der «Schweiz am Sonntag» den Job von Christian Dorer. Verdient er deshalb auch doppelt oder wollen die AZ Medien so sparen? Gegenüber persoenlich.com erklärte der jüngste Schweizer Doppelchefredaktor, wo seine Prioritäten liegen und wie er sich künftig organisieren will.
AZ Medien: «Meine Kinder sollen nicht zu kurz kommen»
Mit 41 Jahren wird er Doppelchefredaktor: Patrik Müller am Swiss Media Forum 2015. (Bild: zVg.)

Herr Müller, «Doppelchefredaktor» tönt vor allem nach viel Arbeit. Freuen Sie sich überhaupt?
Ja, ich freue mich sehr. Ich habe 13 Jahre bei den AZ Medien gearbeitet, kenne daher sowohl das Unternehmen mit den 150 Journalisten als auch Peter Wanner sehr gut. Ich weiss, worauf ich mich einlasse… (lacht). Oder glaube es zumindest zu wissen.

Warum lachen Sie so vielsagend?
In den letzten Jahren hat sich sehr viel verändert bei AZ Medien. Peter Wanner setzt stark auf Innovation. Daher weiss ich, dass sich in den nächsten Jahren sehr viel verändern wird im Bestreben darum, die Digitalisierung zu bewältigen. Ich lachte darum, weil es einfacher ist, grosse Schritte zu machen, wenn man sich kennt.  

Aber eben: Diese Doppelchefredaktoren-Rolle bedeutet zwar einiges an Prestige, aber vor allem viel mehr Arbeit.
Ja. Ich werde mich anders organisieren müssen, so dass mich da und dort Leute entlasten. Auch mein Tag hat nur 24 Stunden und ich habe eine Familie mit kleinen Kindern, diese sollen nicht zu kurz kommen.

Genau: Sie haben Kinder im Alter von drei, fünf und sieben. Wären Sie eine Frau, würde man Sie jetzt fragen, wie genau Sie das alles schaffen.
Ich finde diese Frage berechtigt, auch an einen Mann. Denn meine Generation will nicht einfach nur arbeiten und sich komplett von der Kinderbetreuung ausnehmen. Ich handhabte das immer anders. Meine Frau und ich haben eine gute Arbeitsteilung, diese will ich beibehalten. Aber klar, ich muss einen neuen Weg finden, denn nun bin ich nicht mehr «nur» für eine Sonntagszeitung verantwortlich, sondern auch noch für eine Tageszeitung und ein Onlinemedium. Das ist organisatorisch eine andere Ausgangslage.

Bislang hatten sie ja wenigstens am Sonntag und Montag frei.
Was Online betrifft, habe ich mit Rolf Cavalli einen ausgezeichneten Profi an meiner Seite, der in seiner Zeit hier bei AZ Medien schon viel bewirkt hat. Auf ihn kann ich mich verlassen, genauso wie ich mich auch auf Beat Schmid, meinen Stellvertreter bei der «Schweiz am Sonntag», verlassen kann. Und nach dem Abgang von Christian Dorer haben wir bei der Aargauer Zeitung jetzt die Möglichkeit, diese redaktionell zu verstärken. Sie sehen: Diese Lösung mit dem Doppelchefredaktor ist keine Sparmassnahme.

Tatsächlich? Es sieht aber ganz klar danach aus. 
Wir sparen Christian Dorers Lohn nicht ein, sondern investieren ihn wieder. Wo genau, weiss ich jetzt noch nicht.

Sie selber müssten diesen Lohn zusätzlich erhalten: doppelte Funktion, doppelter Lohn.
(lacht) Peter Wanner sagte, ich müsste eigentlich auch noch einen Helikopter erhalten, um zwischen den beiden Redaktionen in Aarau und Baden hin und her zu pendeln (lacht). Natürlich war das nicht ernst gemeint. Das Geld wird in die Redaktionen investiert und in die Verstärkung der Führung.

Sie verdienen aber wenigstens ein bisschen mehr?
Das steht sicher nicht im Vordergrund. Ein Lohn widerspiegelt immer auch die Verantwortung. Ich hatte bisher schon sehr viel Verantwortung, daher war dieses Thema hierbei keine Überlegung. 

Der Presserat rügte Sie unlängst. Sie hätten die Intimsphäre von Geri Müller in schwerer Weise verletzt. Das hat Ihnen jedoch alles andere als geschadet, im Gegenteil: Peter Wanner gibt Ihnen zusätzliche Verantwortung. Wie erklären Sie sich das?
Der Fall Geri Müller war im ganzen Verfahren um die neue Chefredaktion nie ein Thema. Peter Wanner äusserte sich damals zum Entscheid des Presserates. Er beurteilt diesen Entscheid anders.

Für welche Zeitung werden Sie selber am meisten schreiben? 
Ich werde in beiden Zeitungen selber schreiben. Das Editorial der «Schweiz am Sonntag» mache ich weiterhin, zudem will ich unter der Woche ab und zu kommentieren. Das ist mir wichtig. Ich organisiere und führe gerne, doch ich bin immer noch gerne Journalist.

Wie machen Sie das organisatorisch: Die beiden Redaktionen sind ja in Aarau und in Baden.
Ich werde an beiden Orten präsent sein und ich will auch erreichbar sein für die Leute. Wann genau ich wo sein werde, habe ich noch nicht bestimmt. Der Weg von Baden nach Aarau ist keine Weltreise, sondern dauert 20 Minuten. Da ich in Baden wohne, sollte das nicht so ein Problem sein.

Und wann legen Sie die beiden Redaktionen zusammen?
Momentan ist das kein Thema, aber angesichts der vielen Veränderungen es ist auch klar, dass wir ungefähr im Halbjahresrhythmus verschiedene Dinge unter die Lupe nehmen: Abläufe, Organisationsstrukturen, Standorte.

Der Schritt wäre ja nicht mehr gross.
Stimmt, die Hälfte der Redaktion arbeitet bereits konvergent. Sport, Kultur, Wissen und die Regionen werden für «Schweiz am Sonntag» und «Aargauer Zeitung» von den selben Ressorts gemacht.

Peter Wanner sprach kürzlich von der Option, auf die Montagsausgabe der «Aargauer Zeitung» zu verzichten. Wie realistisch ist das?
Tageszeitungen werden früher oder später nicht mehr jeden Tag auf Papier erscheinen. Ich weiss nicht wie schnell es gehen wird und wie viele Printausgaben es trotzdem noch braucht. Wir werden das prüfen müssen. Bei AZ Medien sind wir oftmals schneller und experimentierfreudiger als andere, daher: Wir prüfen Modelle, aber es ist Zukunftsmusik – vorerst.

 

 

 


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KOMMENTARE

Ercolani angelo
14.10.2016 12:03 Uhr
Ein top Mann an der richtigen Position lg angelo
Roger Doelly
14.10.2016 02:03 Uhr
«Peter Wanner setzt stark auf Innovation». Zum Lachen.
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