09.11.2025

UKW

«Meine Ratschläge sind dort nicht gefragt»

Roger Schawinski hat einen weiteren Sieg im Kampf um UKW errungen: Nach dem Nationalrat will nun auch die ständerätliche Kommission die Frequenzen verlängern. Der Radio-1-Chef bleibt dennoch vorsichtig.
UKW: «Meine Ratschläge sind dort nicht gefragt»
«Wir haben jetzt dreimal gesiegt», so Roger Schawinski, hier im September nach der Abstimmung im Nationalrat. (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

Herr Schawinski, die ständerätliche Fernmeldekommission stellt sich hinter Ihre Idee, die UKW-Frequenzen beizubehalten. Das ganze Geschäft wird aber noch in der Wintersession von der kleinen Kammer behandelt werden. Feiern Sie bereits?
Es ist ein weiterer Etappenerfolg. Mehr nicht.

Das Resultat in der Kommission war sehr knapp, es gibt also immer noch Befürworter einer UKW-Abschaltung. Könnte es rein theoretisch noch eine Überraschung geben?
Nicht nur theoretisch, auch praktisch. Allerdings haben wir jetzt dreimal gesiegt: in der Nationalratskommission sehr knapp, im Nationalrat ganz deutlich und jetzt in der Ständeratskommission.

Wie waren die Reaktionen auf den Entscheid der ständerätlichen Kommission?
Sehr viel Zustimmung – wie überhaupt seit Wochen in unserem Kampf gegen dieses unsinnige UKW-Verbot.

Sie sind am Donnerstag mit SRG-Generaldirektorin Wille vor der Kommission aufgetreten. Wie war die Stimmung?
Locker.

Haben Sie sich mit Frau Wille unterhalten?
Ja, und ich habe sie zum x-ten Mal aufgefordert, sich einem Interview zu stellen, was sie bisher seit einem Jahr immer mit fadenscheinigen Gründen abgelehnt hat. Es geht doch nicht, dass sie nur Fragen von eigenen Mitarbeitern am eigenen Sender beantwortet. Als Chefin der SRG muss sie offen kommunizieren.

Wie war der Austausch mit Medienminister Rösti, der sich offiziell für eine Abschaltung einsetzt?
Ich hatte keinen Kontakt mit ihm.

«Ich habe ja fast schon beschwörend vor dem gewaltigen Shitstorm gewarnt»

Vorausgesetzt, der Ständerat stimmt für eine Beibehaltung der UKW-Frequenzen. Was passiert dann?
Dann werden die UKW-Frequenzen neu ausgeschrieben. Alle können sich bewerben, auch die heutigen UKW-Gegner.

In diesem Fall haben wir die «kuriose» Situation, dass viele Privatradios weiterhin auf UKW senden werden, die SRG aber nicht. Vorausgesetzt, Sie wären Generaldirektor, wie würden Sie auf diese Situation reagieren?
Meine Ratschläge sind dort nicht gefragt. Ich habe ja fast schon beschwörend vor dem gewaltigen Shitstorm gewarnt, den die SRG mit diesem irren Abschaltentscheid auslösen würde, der dann ja auch eingetreten ist. Hörerverluste von 25 bis 45 Prozent bei ihren wichtigsten Sendern – das ist dramatisch und absolut beispiellos! Und missachtet die Aufgabe als Service-public-Institution. Doch eine gute Seite hat diese kopflose Aktion: Jetzt erkennt man gerade noch rechtzeitig, dass man durch das Ausknipsen der UKW-Sender die Bedürfnisse von weiten Teilen der Bevölkerung missachtet. Deshalb kann nun das Schlimmste verhindert werden, nämlich ein nationales UKW-Verbot. Ich hoffe, dass sich auch der Ständerat den vielen glasklaren Argumenten nicht verschliesst.


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