11.08.2026

VSM

Menschen und KI im Zentrum der 5. Soirée Médias

Am Rande des Filmfestivals Locarno diskutierten auf Einladung des Verlegerverbands Vertreter aus Film, Musik und Journalismus über die Auswirkungen von KI – und forderten raschen Schutz des Urheberrechts. Das sind die Bilder.
VSM: Menschen und KI im Zentrum der 5. Soirée Médias
Auch die Spitze des medialen Service public war anwesend: SRG-Generaldirektorin Susanne Wille (2. v.l.) umarmt VSM-Präsident Andrea Masüger. (Bilder: Keystone/Pablo Gianinazzi)

Im Garten des Teatro Paravento fand am Samstag im Rahmen des 79. Locarno Film Festivals die 5. Soirée Médias des Verlegerverbands Schweizer Medien (VSM) statt. Auf dem Podium diskutierten Schauspieler Anatole Taubman, Tamedia-Bundeshausredaktionsleiterin Larissa Rhyn und Gotthard-Bassist Marc Lynn über den Einfluss Künstlicher Intelligenz auf Kunst, Kultur und Journalismus.

VSM-Direktorin Pia Guggenbühl eröffnete den Abend mit dem Hinweis, Film und Medien verbinde, dass Menschen mit ihrer Kreativität Geschichten erzählten und die Gesellschaft mitgestalteten, heisst es in einer Mitteilung. Künstliche Intelligenz eröffne enorme Chancen, die Kreative und Medienschaffende nutzen wollten und sollten, zugleich brauche es klare Regeln, so Guggenbühl.

Der VSM hat gemeinsam mit Akteuren der Schweizer Medienbranche einen KI-Kodex erarbeitet. Dieser hält fest, dass die publizistische Verantwortung beim Einsatz von KI beim Menschen bleibe. Gefordert wird zudem ein wirksamer Schutz des geistigen Eigentums, unter anderem mit Verweis auf die Motion der Ständerätin Petra Gössi, angesichts der laut VSM ungefragten und unbezahlten Verwendung von Inhalten durch Anbieter von KI-Anwendungen.

Menschliches Element im Zentrum

Die Paneldiskussion zeigte laut Mitteilung auf, was sich nicht automatisieren lasse: menschliche Kreativität, Emotion und Erleben. Schauspieler Anatole Taubman betonte die Bedeutung des menschlichen Elements für sein Metier; Technologie könne zwar neue Möglichkeiten eröffnen, Schauspiel lebe aber davon, bei anderen Menschen etwas auszulösen.

Auch für Gotthard-Bassist Marc Lynn steht das menschliche Element im Zentrum. Musik entstehe aus Persönlichkeit und Emotion. Menschen wollten keine KI-generierte Musik hören, es brauche Transparenzpflichten, sagte Lynn laut Mitteilung. Für ihn müsse erkennbar sein, ob ein Werk von Menschen oder durch Künstliche Intelligenz geschaffen worden sei.

Journalistin Larissa Rhyn zeigte auf, wie KI bereits heute pragmatisch im journalistischen Alltag eingesetzt werden könne. Der KI-Kodex der Schweizer Medienbranche halte dabei fest, dass die publizistische Verantwortung auch beim Einsatz von KI beim Menschen verbleibe.

VSM-Präsident Andrea Masüger sieht dringenden Handlungsbedarf. Eine Lösung dürfe nicht zehn Jahre auf sich warten lassen, bis dahin gingen zahlreiche Jobs in der Medienbranche verloren, wird er in der Mitteilung zitiert. Für Medien- und Kreativschaffende brauche es zeitnah verlässliche Rahmenbedingungen: Geistiges Eigentum müsse wirksam geschützt, die Nutzung von Inhalten durch KI-Systeme transparent gemacht und fair vergütet werden. Die Motion von Gössi gehe laut VSM einher mit internationalen Bestrebungen, die KI-Entwicklung zu fördern und gleichzeitig einen fairen Interessenausgleich zwischen KI-Anbietern und Rechteinhabern zu schaffen.

Junge Menschen wünschen mehr Regulierung

Im Rahmen der Soirée wurde zudem auf die «Trendstudie 2026» der Marketingagentur Jim & Jim von Farner verwiesen, die diese gemeinsam mit CH Media Mind veröffentlicht hat. Demnach zeigen sich junge Menschen zwischen 12 und 30 Jahren ambivalent gegenüber KI: Zwar sei diese für viele im Alltag selbstverständlich geworden, gleichzeitig befürchteten fast drei Viertel der Befragten einen Verlust menschlicher Kompetenzen. 85 Prozent der Befragten sprachen sich für mehr Regulierung aus.

Die Mitteilung verweist zudem auf die VOX-Nachwahlbefragungen, wonach Zeitungsartikel neben dem Abstimmungsbüchlein mit 80 Prozent oder mehr Nutzung weiterhin die wichtigste Informationsquelle für Stimmberechtigte seien, vor Nachrichten in TV und online. Auf soziale Medien wie Facebook, X oder Instagram entfielen demnach 42 Prozent.

Im Anschluss an die Paneldiskussion trafen sich die Gäste zu einer Tavolata Ticinese und einer gemeinsamen Filmvorführung von «The Invite» auf der Piazza Grande. (pd/spo)


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