15.10.2020

Schweizer Monat

Milosz Matuschek hat gekündigt

Der stellvertretende Chefredaktor verlässt die Autoren- und Debattenzeitschrift per Ende Jahr. «Ich bin nützlicher als Teil von etwas Neuem», sagt der 40-Jährige. Er will nun den «verengten Meinungskorridor» erweitern.
Schweizer Monat: Milosz Matuschek hat gekündigt
Will die Krise der freien Urteilsbildung aufarbeiten und analysieren: Milosz Matuschek. (Bild: Enno Kapitza)
von Christian Beck

Milosz Matuschek, seit September 2019 stellvertretender Chefredaktor beim Schweizer Monat, hat per Ende 2020 gekündigt. «Ich glaube, dass im Journalismus gerade viel im Umbruch ist, das betrifft alle Medien. Die Leute wollen einen anderen Journalismus», so Matuschek auf Anfrage von persoenlich.com. «Veränderung geht meines Erachtens aber nur von aussen, da sollte man dann konsequent sein. Ich denke, ich bin nützlicher als Teil von etwas Neuem.» Differenzen habe es aber auch gegeben: «Ich kann zum Beispiel nicht kreativ in einer Büroatmosphäre arbeiten.» Chefredaktor Ronnie Grob bedauert Matuscheks Abgang: «Milosz ist ein kluger Kopf und verfasst hervorragende Texte.»

«Ich hatte eine gute Zeit beim ‹Monat›, in der ich mich vielfältig einbringen konnte: Ein exklusiver Essay von Nils Melzer zum Fall Assange bleibt mir in Erinnerung, Dossiers zum Thema Moralismus, im November zu Bitcoin und im Dezember zum Thema Überwachung. Themen also, die mir am Herzen liegen», so Matuschek weiter. Er habe ausserdem neue Serien gestartet, den neuen Kulturteil mitkonstruiert und auch marketingtechnisch etwas experimentiert. «Zudem hatte ich einen höchst angenehmen Austausch mit vielen interessanten Autoren, die ja das Herzstück einer Zeitschrift sind.»

«Krise der freien Urteilsbildung»

Matuschek will sich nun verstärkt «um das Thema des verengten Meinungskorridors, den ich erweitern will», kümmern. Es gebe momentan einige Baustellen. «Dazu haben der YouTuber Gunnar Kaiser und ich einen erfolgreichen ‹Appell für freie Debattenräume› mit inzwischen über 20'000 Unterzeichnern gestartet, der viel Freude, aber auch etwas Arbeit macht.» Ein grosses Thema sei für ihn auch die Krise der freien Urteilsbildung. «Die will ich gründlich aufarbeiten und analysieren.»

Der 40-jährige Matuschek, promovierter Jurist, unterrichtete mehrere Jahre deutsches Recht und Rechtsvergleichung an der Pariser Sorbonne. Zudem schreibt er seit über 15 Jahren für deutschsprachige Publikationen (unter anderem Cicero, Brandeins, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Süddeutsche Zeitung). Hingegen verlor Matuschek diesen September sein langjähriges Engagement als Kolumnist der Neuen Zürcher Zeitung. Die Trennung hatte «mit unterschiedlichen Vorstellungen» zur Weiterverbreitung der von ihm in der NZZ veröffentlichten Kolumnen und Texte zu tun, hiess es damals. Zuvor erschien eine NZZ-Kolumne von Matuschek auch bei Ken Jebsens Portal KenFM (persoenlich.com berichtete). «Meine NZZ-Kolumnen und sonstigen Texte erscheinen jetzt in meiner eigenen Publikation ‹Freischwebende Intelligenz›», so Matuschek.

Matuscheks Nachfolgeregelung beim Schweizer Monat ist am Laufen, wie Grob auf Anfrage bestätigt. Anfang Oktober erschien eine Stellenanzeige, momentan würden erste Gespräche durchgeführt. In der Schweizer-Monat-Kernredaktion arbeiten derzeit nebst Matuschek und Grob auch Lukas Leuzinger und Jannik Belser. Seit 1. Oktober ist Nicolas A. Rimoldi für das Marketing zuständig, er betreut die sozialen Medien und die Website.



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