03.02.2020

Ringier AG

Mobiliar steigt beim Ringier-Verlag ein

Nun ist die Partnerschaft von beiden Unternehmen bestätigt: Markus Hongler und Marc Walder zeigen sich in bester Laune. «Ringier braucht sehr viel Kapital», sagt Walder. Ringier sei versiert in zielgruppengerechtem digitalen Marketing, sagt Hongler.
Ringier AG: Mobiliar steigt beim Ringier-Verlag ein
Gratulieren sich gegenseitig: Markus Hongler, CEO der Mobiliar, und Marc Walder, CEO von Ringier. (Bilder: zVg.)

Über die Beteiligung informierten Ringier und die Mobiliar am Montag an einem gemeinsamen Mediengespräch in Zürich. Die beiden Unternehmen spannen bereits seit vier Jahren im Joint-Venture Scout24 zusammen. Nun wollen sie noch enger zusammenarbeiten und eine langfristige Kooperation eingehen.

Was das konkret bedeutet, erläuterten die beiden Konzernchefs – Marc Walder von Ringier und Markus Hongler von der Mobiliar – vor Medienvertretern. Ringier hat sich in den vergangenen zwölf Jahren von einem klassischen Verlagshaus weg entwickelt: Der Konzern kaufte digitale Marktplätze wie Scout24 und JobCloud und investierte in neue Technologien. Diese Transformation erfordert jedoch hohe Investitionen, wie Walder sagte: «Ringier braucht sehr viel Kapital.»

Ringier hat sieben Jahre Vorsprung

Hier kommt die Mobiliar als Investorin ins Spiel, die ebenfalls auf Digitalisierung setzt, in der Entwicklung aber weniger weit fortgeschritten ist. «Mit Ringier haben wir einen Partner gefunden, der sieben Jahre Vorsprung hat», sagte Hongler. Die Mobiliar hat in den vergangenen Jahren in den Aufbau ihrer Ökosysteme zu Themen wie Wohnen und KMU sowie in digitale Marktplätze investiert.

Die Versicherung erhält nun einen Anteil von 25 Prozent der Ringier-Aktien. Ferner werden Verwaltungsratspräsident Urs Berger und CEO Markus Hongler im Verwaltungsrat von Ringier Einsitz nehmen.

Zwei ungleiche Partner

Mit einem Medienhaus und einer Versicherung haben sich zwei ungleiche Partner gefunden. Doch in der Plattform-Ökonomie – in der Welt der digitalen Marktplätze und Plattformen – spiele es keine Rolle, woher ein Unternehmen komme, sagte Walder. Hier sei die Situation für jede Industrie ähnlich.

Beide Unternehmen seien fundamental anders, doch der Austausch sei «sehr befruchtend», sagte Hongler: «Wir können viel voneinander lernen.» Ringier sei ein idealer Partner, um die digitale Transformation zu beschleunigen. Das Medienhaus sei versiert in Plattform-Ökonomie und zielgruppengerechtem digitalen Marketing: «Dieses Know-how interessiert uns, hier kann uns Ringier helfen.»

Walder sprach von der Mobiliar als «fantastischem Partner» und bestem Player. Für ihn gelte das Motto «Team up with the best» – da passe die Mobiliar bestens. Vertrauen, Langfristigkeit und Integrität im Umgang mit den Kunden seien Ringier als Familienunternehmen wichtig. Diese Werte vertrete auch die Mobiliar.

Für Ringier bedeute die Öffnung nach aussen einen «historischen Schritt». Ein Börsengang habe indes nie zur Diskussion gestanden. Die beiden Unternehmen hätten sich einen Probezeithorizont von zehn Jahren gegeben. Diese Dauer war laut Walder ein wichtiges Kriterium für die Kooperation.

Keine Beisshemmung für Journalisten

Laut Walder werden sich nun zwei gemischte Arbeitsgruppen zusammensetzen und «im Business-Development-Modus» eruieren, an welchen neuen Lösungen und Produkten gearbeitet werden soll. «Es gibt kein Rollenmodell für diese Zusammenarbeit», sagte Walder, «man muss fantasievoll sein». Hongler erhofft sich letztlich für die Kunden bessere und schnellere Lösungen, mehr Komfort und mehr Transparenz.

Auf die Berichterstattung der Ringier-Medien über den Versicherer soll die Kooperation keinen Einfluss haben. «Medien müssen komplett unabhängig sein von Einflüssen von Mitbesitzern und von Inserenten», sagte Walder. «Die Unabhängigkeit unserer Medien ist absolut unantastbar.»

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Der Journalistenverband Impressum begrüsste die Stabilisierung der wirtschaftlichen Basis von Ringier durch den Einstieg der Mobiliar. Gleichzeitig pochte er in einem Communiqué vom Montag auf Garantien für die redaktionelle Unabhängigkeit.

Der Verband erwarte, dass in einer Charta festgeschrieben werde, dass die neue Investorin diese Grundsätze garantiere. Diese seien nicht nur für die öffentliche Aufgabe der Medien grundlegend, sondern auch für die Glaubwürdigkeit des Unternehmens.

Im Vorfeld hatte es bereits entsprechende Berichte gegeben. Die Tamedia-Zeitungen schrieben am Sonntagabend unter Berufung auf Insider, dass die Mobiliar einen Anteil von 25 Prozent an Ringier übernehmen werde (persoenlich.com berichtete). (sda/eh/ma)

 



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Kommentare

  • Pierre Rothschild, 03.02.2020 16:25 Uhr
    Sicherlich eine ideale Lösung. Zwei grosse Schweizer Namen finden sich, kein Abenteuer wie Springer es mit KKR macht. Eine Verbindung für jetzt und für die Zukunft, die stabil und seriös ist. Für die Medienschaffenden bei Ringier eine gute Nachricht und auch für alle, die digitale Projekte haben. Zwei Firmen auf Augenhöhe, das kann nur erfolgreich sein. Und: die Mobiliar bringt zwei gute Mitglieder in den Ringier-Verwaltungsrat, der das sehr gut brauchen kann.
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