02.02.2007

Studie

Neue Medien sind Entwicklungshelfer in Afrika

Internet und Handy steigern Demokratisierung

Die Verbreitung neuer Medien in Afrika ist weiter vorangeschritten als allgemein angenommen wird. Diesen Schluss zieht das Zentrum für Entwicklungsforschung der Universität Bonn aus einer aktuellen Studie mit dem Titel "Informations- und Kommunikationstechnologie für Nichtregierungsorganisationen in Sub-Sahara Afrika". Mittlerweile haben zwischen zehn und 15 Prozent der Bevölkerung in Afrika Zugang zu Handys. Aufgrund der hohen Anzahl an sekundärer Nutzung seien aber bereits rund 60 Prozent der Afrikaner über ein Mobiltelefon erreichbar. "Die Verbreitung von Handys ist deshalb so gross, weil das Festnetz in diesen Ländern schlichtweg zu teuer ist", erklärt Hartmut Ihne, ZEF-Dirketor und Studienleiter, im Gespräch mit pressetext.

Glaubt man der Studie, sind Computer, Internet und Handys in den Regionen südlich der Sahara inzwischen sehr weit verbreitet, ihre Bedeutung in der Entwicklungszusammenarbeit wird aber noch deutlich unterschätzt. Ein überraschendes Ergebnis sei, dass die meisten befragten Organisationen der Förderung von Informationstechnologien einen ähnlich hohen Stellenwert geben wie der Förderung von Grundbedürfnissen, so Ihne. Es zeige sich auch, dass die neuen Medien eine wichtige Vermittlerrolle in Prozessen des gesellschaftlichen Wandels sowie der demokratischen Entwicklung spielen. "Natürlich ist das Handy auch ein wichtiges Statussymbol und jene, die eines besitzen, verdeutlichen damit ihren Zugang zur Welt und zu Informationen", fügt Ihne hinzu.

Die Studie zeigt ausserdem, dass Internet und Mobiltelefonie in den Entwicklungsländern für Nichtregierungsorganisationen die wichtigsten Informationsquellen und Informationstechnologien sind. Ihr Stellenwert überschreitet sogar jenen von Fernsehen und Printmedien. Insgesamt wurden im Zuge der Studie rund 200 Nichtregierungsorganisationen in Südafrika, Kenia und Äthiopien zu dem Thema befragt. "Wir hatten auch überlegt, die Bevölkerung direkt zu befragen, aber das wäre für uns nicht operationalisierbar gewesen", sagt Ihne auf Nachfrage von pressetext. Die Organisationen seien einfacher erfassbar und repräsentierten die Zivilgesellschaft der betreffenden Staaten.


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