Herr Vencato, der Innovationsfonds für multimedialen Journalismus wurde jüngst mit einer weiteren Million Franken ausgestattet, darunter auch mit Geld der Gebert Rüf Stiftung. Was bezwecken Sie damit?
Wir wollen den multimedialen Journalismus in der Schweiz nachhaltig stärken. Neue Storytelling-Formate entstehen nicht von selbst – sie brauchen Zeit, Know-how und die Zusammenarbeit von Journalist:innen, Designer:innen und IT-Spezialist:innen. Genau dafür fehlen im hektischen News-Alltag die Ressourcen. Mit dem Fonds schliessen wir eine Förderlücke mit grossem Potenzial: Multimediale Beiträge sorgen nachweislich für mehr Aufmerksamkeit und Interaktion – und können so neue Abonnements generieren. Damit investieren wir nicht nur in die Qualität des Journalismus, sondern auch in die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle, die für die Zukunft der Medien entscheidend sind.
Welche Projekte können sich dabei bewerben?
Alle Medienschaffenden in der Schweiz – ob freischaffend oder in einer Redaktion –, die gesellschaftsrelevante Themen multimedial umsetzen wollen. Voraussetzung ist die Zusammenarbeit mit Design- und Programmierexpert:innen sowie die Open-Access-Publikation in einem Schweizer Medium, das eine breite Öffentlichkeit erreicht. Wichtig ist ausserdem, dass die Redaktionen selbst «Skin in the Game» haben: Sie sollen sich nicht nur finanziell beteiligen, sondern auch strategisch dafür einstehen, die Kooperation zwischen Journalist:innen, Webdesigner:innen und IT-Spezialist:innen dauerhaft zu verankern und die dafür nötige Technologie zu implementieren.
«Am Ende geht es darum, mit starken Inhalten die Menschen zu erreichen»
Was erwarten Sie von den Eingaben?
Wir suchen interdisziplinäre Teams, die neue Formate entwickeln und Redaktionen zeigen, dass sich Investitionen in Multimedia lohnen. Themen mit breitem Publikumspotenzial sind besonders gefragt. Am Ende geht es darum, mit starken Inhalten die Menschen zu erreichen – idealerweise auch neue, junge Leser:innen. Wir fördern in zwei Phasen: bis 20'000 Franken für Pilotprojekte und bis 100'000 Franken für erfolgreich erprobte Formate, die skalierbar und nachhaltig einsetzbar sind.
Wer steckt hinter dem Innovationsfonds für multimedialen Journalismus?
Vier starke Partnerstiftungen: die Ernst Göhner Stiftung, die Fondation Aventinus, die Fondation Leenaards und die Gebert Rüf Stiftung. Gemeinsam wollen wir die Medien in der Transformationskrise gezielt unterstützen. Während die Fondation Aventinus und die Fondation Leenaards ausschliesslich Westschweizer Journalismusprojekte unterstützen, engagieren sich die Ernst Göhner Stiftung und die Gebert Rüf Stiftung schweizweit für Medieninnovationen. Damit wird der Innovationsfonds auch zu einem Modell für gesamtschweizerische Förderinitiativen, in dem regionale Schwerpunkte sinnvoll nebeneinander bestehen können.
Seit der Lancierung Ihres Fonds haben Sie bereits 16 Projekte mit knapp 400'000 Franken unterstützt. Worum handelt es sich beispielsweise?
Ein Highlight ist die Multimedia-Reportage von Le Temps über die Folgen des Klimawandels in Grönland, die mit dem Prix MultiMédia der Schweizer Akademien ausgezeichnet wurde. Oder die Scrollstory-Serie von Yvonne Vahlensieck zum Thema «Solar Geoengineering» auf watson.ch – mit über 15'000 Zugriffen in der ersten Woche, einer Verweildauer von 4,5 Minuten und intensiver Diskussion in den Kommentarspalten. Solche Erfolge zeigen, wie stark multimediale Formate Leser:innen binden.
Wer durfte schon von Ihrer Unterstützung profitieren?
Die geförderten Projekte stammen aus der ganzen Schweiz: von Le Temps, Le Nouvelliste und L’Agefi aus der Romandie über NZZ, CH Media und Republik bis hin zu kleineren Redaktionen wie den Schaffhauser Nachrichten, Reflekt oder WAV. Das Interesse wächst spürbar – was auch unsere Netzwerkveranstaltungen in Zürich und Lausanne eindrücklich bestätigt haben.

