Die deutschen Bildungsminister haben am Donnerstagabend einen neuen "Rat für deutsche Rechtschreibung" beschlossen. Ihm gehören neben Sprachwissenschaftlern auch Praktiker wie Journalisten, Lehrer, Autoren und Verleger an. Das Expertengremium soll die Entwicklung der Rechtschreibung nach der Reform weiter beobachten und auch Änderungsvorschläge machen.
Wie die Kultusministerkonferenz-Präsidentin Doris Ahnen nach der Sitzung im saarländischen Mettlach mitteilte, sei das Expertengremium auch als Angebot an die Reformgegner zu verstehen, bei der Weiterentwicklung der deutschen Rechtschreibung künftig mitzuarbeiten.
'Versachlichung der Debatte'
Ahnen sagte: "Nach dem heftigen Streit um die Reform ist jetzt eine Versachlichung der Debatte erstes Ziel." Es gebe in der Bildungspolitik wie in der gesamten Gesellschaft "wichtigere Probleme." Sie sei zuversichtlich, dass der Rat zur Lösung der besonders strittigen Problemfälle alsbald Vorschläge machen werde.
Das Gremium soll möglichst noch vor dem dem 1. August 2005 Änderungen bei der Getrennt- und Zusammenschreibung, der Eindeutschung bestimmter Fremdwörter sowie der Zeichensetzung und Silbentrennung prüfen. An diesem Tag wird die Rechtschreibreform in Schulen und Behörden offiziell verbindlich.Lehrer müssen dann die alten Schreibweisen als Fehler werten. Bisher werden sie nur im Rahmen einer Übergangsregelung als überholt gekennzeichnet. Die neue Rechtschreibung wird an den Schulen bereits seit 1998 unterrichtet.
9 Schweizer Vertreter
Dem Rat gehören von deutscher Seite 18 Vertreter an. Je 9 weitere werden von Österreich und der Schweiz benannt. Ihre Regierungen haben der Einsetzung des Rates bereits zugestimmt. Das Gremium soll noch in diesem Jahr die bisherige "Zwischenstaatliche Kommission" ablösen. Deutschland hatte dafür anders als die beiden Nachbarländer bisher nur Sprachwissenschaftler entsandt, keine Praktiker. Für den Rat wird noch ein Vorsitzender gesucht, der "eine ausgewiesene Persönlichkeit des öffentlichen Lebens" sein soll.
Der Streit um die Rechtschreibreform war Anfang August durch die Ankündigung verschiedener Verlage, zur alten Rechtschreibung zurückzukehren, neu entfacht worden. Als einziger hat dies bisher jedoch nur der Axel-Springer-Verlag in seinen Zeitungen vollzogen.
Süddeutsche prüft, Spiegel wartet

