In der Schweizer Medienbranche ist momentan Feuer im Dach. Liegt es am Referendum gegen das Mediengesetz, das heute eingereicht wurde? Die Stimmung zwischen den einzelnen Verlagshäusern ist jedenfalls auffallend gehässig. Am Dienstag attackierte der frischgekürte NZZ-Feuilletonchef Benedict Neff die TX Group wegen der geplanten Unterstützungsgelder, am Mittwoch nimmt sein Kollege Lucien Scherrer auf nzz.ch nochmals den fälschlicherweise vermeldeten Rücktritt von Bundesrat Ueli Maurer ins Visier, der bekanntlich nicht stattfand.
Während sich die Aargauer Zeitung zu ihrer Fehlleistung bekannt habe («Nehmen wir’s sportlich: Ueli Maurer ist immer noch im Amt»), so Scherrer, herrsche «offiziell vor allem beredtes Schweigen». Dabei zielt der NZZ-Journalist vor allem auf den Tagi, der auf einer ganzen Seite bereits mögliche Maurer-Nachfolger präsentierte. Sein Fazit: «Ueli, der Rentner» sei «ein eher missglückter Werbespot für die grossen und kleinen Schweizer Medienhäuser, die derzeit bei den Stimmbürgern um zusätzliche Subventionsmillionen buhlen – mit dem Argument, dass man relevanten, qualitativ hochstehenden Journalismus staatlich fördern müsse».
«Extreme Form von High-Risk-Journalismus»
In der Sendung «Roger gegen Markus» auf Radio 1 bezeichnete Radiopionier Roger Schawinski die Geschichte als «extreme Form von High-Risk-Journalismus», die «einen riesigen Tolggen» im Heft des Schweizer Journalismus hinterlasse. Schawinski bemängelte vor allem die fehlende Entschuldigung des Tages-Anzeigers. In das gleiche Horn blies Markus Somm, dessen Nebelspalter, die Maurer-Story als «Zeitungsente des Jahres» bezeichnete. Die Superlative aber auch die Gehässigkeit zeigen aber vor allem eines: Entgegen allen Befürchtungen gibt es immer noch Konkurrenz zwischen den Medienhäusern. (ma)

