24.02.2025

Onlineforschung

Ohne SRG nur noch ein Duell an der Spitze

Mit dem Ende der Onlineforschung von Mediapulse hat sich die SRG von der öffentlichen Traffic-Messung verabschiedet. Beim Nachfolgeprojekt der Verleger wird die Reichweite von Websites und Apps von SRF & Co. nicht mehr erfasst. Der Rückzug ist eine Sparmassnahme. Aber nicht nur.
Onlineforschung: Ohne SRG nur noch ein Duell an der Spitze
Die blauen Kurven in der Mitte zeigen den starken Online-Traffic von SRF im vergangenen Sommer mit Fussball-Euro und den Olympischen Spielen. (Bild: Screenshot Mediapulse)

Die drei spielten in einer eigenen Liga. Gemessen an ihrem Online-Traffic bewegten sich 20 Minuten, Blick und SRF in den letzten Jahren mit grossem Abstand vor allen anderen schweizerischen Onlinemedien. Bei Sportereignissen, wie Fussballweltmeisterschaften oder Olympischen Spielen, schnellte die SRF-Kurve jeweils hoch und überflügelte jene der Konkurrenz. Dies konnte man hernach in den Messergebnissen deutlich sehen. Aber auch ohne Grossveranstaltungen kam es immer wieder zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem öffentlichen Sender und den beiden privaten Anbietern. Wobei die Meteo-App ihren Anteil zum starken Abschneiden von SRF beigetragen hat.

Bis Ende Jahr konnte man die Traffic-Entwicklung der Onlinemedien, so auch jene von Schweizer Radio und Fernsehen (SRF), auf der Plattform von Mediapulse verfolgen. Das unabhängige Forschungsunternehmen erhebt die offiziellen Einschaltquoten für Radio und Fernsehen in der Schweiz und hatte ab 2021 auch die Onlineforschung betrieben. Im vergangenen September hat Mediapulse entschieden, die Reichweitenmessung von Websites und Apps per Ende 2024 einzustellen (persoenlich.com berichtete). Offenbar konnten sich Mediapulse und die Medienunternehmen nicht über die Kosten einigen.

Zwei Gründe für Rückzug

In der Folge entschieden sich die drei Grossverlage TX Group, CH Media und Ringier, die Onlineforschung als Arbeitsgemeinschaft auf eigene Faust weiterzubetreiben. Am 17. Februar legte nun Online Data Switzerland, wie sich der Zusammenschluss nennt, erstmals Daten vor. Was dabei auffiel: Die SRG macht nicht mehr mit. Ohne deren Zahlen lässt sich an der Spitze der Reichweitenrangliste nur noch ein Duell zwischen 20 Minuten und Blick beobachten.

Auf Anfrage nennt die SRG zwei Gründe für ihren Abschied von der gemeinsamen Onlineforschung mit den Verlagen. Zum einen sei die neue Onlineforschung «auf die Vermarktung ausgelegt». Weil Websites und Apps der SRG gesetzlich gewollt werbefrei bleiben müssen, könne «die SRG auf Daten mit diesem Fokus verzichten». Zum anderen kommt der SRG aktuell jede mögliche Einsparung gelegen.

Bei Online Data Switzerland lässt man derweil die Tür offen für eine Rückkehr der SRG. «Eine offizielle Absage von der SRG hat Online Data Switzerland bis jetzt nicht erhalten, daher bleibt eine zukünftige Beteiligung weiterhin eine Option», teilt ein Sprecher mit. Auf die finanzielle Stabilität der Traffic-Messung habe die Absenz der SRG keinen Einfluss. «Die Kalkulation der Kosten basiert auf den Beiträgen der drei Gründungsmitglieder von Online Data Switzerland, was eine solide Grundlage bietet», heisst es auf Anfrage.

Politisch relevante Zahlen

Die Arbeitsgemeinschaft wäre indes weniger wegen des Geldes an einer Teilnahme der SRG an der Traffic-Messung interessiert als wegen der Vollständigkeit der Zahlen. «Wir verfolgen das Ziel, die Vielfalt der Schweizer Medienlandschaft so umfassend wie möglich abzubilden», sagt der Sprecher dazu.

Auch wenn Websites und Apps der SRG werbefrei sind, sind deren Traffic-Zahlen für die politische Diskussion relevant, zumal Umfang und Inhalt des Onlineangebots immer wieder kontrovers diskutiert werden. Der Rückzug aus der Reichweitenmessung könnte auch den Eindruck erwecken, als komme es der SRG gerade gelegen. Nun sieht man nicht mehr so genau, wie stark ihre Angebote performen.

Schweizer Radio und Fernsehen (SRF) als grösste Unternehmenseinheit der SRG mit den stärksten Onlineangeboten veröffentlicht seine Nutzungszahlen nicht regelmässig, wie die Medienstelle mitteilt. Nur in den halbjährlich publizierten Nutzungsbilanzen sind auch Onlinezahlen enthalten.


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