01.03.2018

SRF

Ombudsmann verteidigt Jonas Projer

In der «Arena» zu «No Billag» habe sich Jonas Projer einseitig und arrogant verhalten, beanstandeten einige Zuschauer. Das könne er so nicht feststellen, urteilte Roger Blum. Es gebe niemanden, der an Projers Stelle diese Sendung hätte moderieren können.
SRF: Ombudsmann verteidigt Jonas Projer
Jonas Projer (links) habe Bundesrätin Doris Leuthard mehr kritische Fragen gestellt als Olivier Kessler (rechts), stellt der Ombudsmann fest. (Bild: Videostill «Arena»)

40 Beschwerden gab es bei der Ombudsstelle gegen SRF wegen «No Billag», die meisten davon gingen nach der Abstimmungs-«Arena» vom 2. Februar ein (persoenlich.com berichtete). Nun, wenige Tage vor der Abstimmung, nimmt Roger Blum Stellung.

Er hat 28 Beschwerden analysiert, zusammengefasst, eine Stellungnahme der «Arena»-Redaktion eingeholt und kommt zu Schluss, dass der Sendung kein Vorwurf zu machen sei. Es habe keine Falschinformationen seitens der Redaktion gegeben. Einzig Olivier Kessler habe in dieser Sendung gelogen. Und Nationalrat Gregor Rutz habe sich über seine frühere Aussage «hinweggemogelt», schreibt Blum. Auch sei die Sendung nicht als Teil einer «regelrechten Kampagne gegen No Billag» zu werten, wie es Zuschauer in ihrer Beanstandung formuliert hatten. Abschliessend beurteilen könne er das jedoch nicht, da dies den Rahmen seiner Arbeit sprengen würde. Das könnte allenfalls die Wissenschaft tun. Sein Eindruck: «SRF hat über diese Initiative ganz einfach intensiv und nach journalistischen Kriterien berichtet».

Unterbrechungen gezählt

Ganz genau analysiert hat Blum die Ausgewogenheit und die Rolle des Moderators. Es seien an den Pulten gleich viele Befürworter wie Gegner anwesend gewesen, die Redezeit sei gleichmässig verteilt gewesen. Blum hat sogar die Anzahl Unterbrechungen durch den Moderator Projer ausgezählt, wie folgende Abbildung zeigt.

Bildschirmfoto 2018-03-01 um 14.44.48_1


Laut Blum hat sich Projer neutral verhalten. Auch die Forderung, wonach bei dieser Initiative ein externer Moderator eingesetzt hätte werden sollen, sei unrealistisch. Jemanden zu finden, der in der Lage dazu wäre, eine «Arena» zu moderieren, sei unmöglich.

«Moderatorinnen aus Deutschland wie Anne Will, Sandra Maischberger oder Maybrit Illner hätten zweifellos das Format und die Fernseherfahrung, aber sie wären ebenfalls voreingenommen, weil sie selbstverständlich alle davon überzeugt sind, dass öffentlich-rechtliches Fernsehen mit Gebühren finanziert werden muss», schreibt Blum. Jemand aus einem Schweizer Printmedium käme deshalb nicht in Frage, weil die Fernseherfahrung fehlt; zudem seien auch die Zeitungsjournalisten fast durchweg Gegner der Initiative.

«Jonas Projer war der Richtige»

Ebenfalls befangen wären Moderatorinnen und Moderatoren von privaten Radio- und Fernsehsendern der Schweiz. Selbst Markus Gilli von TeleZüri, dessen Sender keine Gebühren bezieht, ist seit 2014 Chefredaktor der Senderfamilie der AZ Medien, zu der auch die Sender TeleBärn und Tele M1 gehören, die beide Gebührengelder beziehen, so Blum. Somit sei auch Gilli befangen. «Man muss sich also von der Idee verabschieden, dass man einen externen Moderator einfliegen könnte», folgert Blum.

Darüber hinaus gehöre es zur Pflicht und Schuldigkeit von SRF-Journalistinnen und Journalisten, alle Themen behandeln zu können. «Sie müssen also in der Lage sein, eine Diskussionssendung zu moderieren, in der es um die SRG selber geht. Und Jonas Projer hat alle Voraussetzungen dazu».

Unter anderen hatte Ex-SRF-Chefredaktor Filippo Leutenegger kritisiert, dass SRF für diese «Arena» keinen externen Moderator engagiert hatte. Es gehe hier ganz grundsätzlich um die Befangenheit. Leutenegger sagte gegenüber persoenlich.com: «Die SRG sollte die Gesprächsleitung von Sendungen zu «No Billag» an einen externen Moderator vergeben. Das wäre für die Glaubwürdigkeit der SRG wertvoll». (eh)


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Hansruedi Külling
03.03.2018 17:23 Uhr
Ich möchte auch einmal pingelig sein und anstelle von Befangenheiten den Satzbau "ich habe kein Gespräch geführt" (alle führen Gespräche, weil es offenbar besser tönt) in Deutscher Sprache auch heissen darf "ich habe mit diesem Herrn nicht gesprochen". So einfach ist das Leben.
Markus Gilli
02.03.2018 16:23 Uhr
"Somit sei auch Gilli befangen", stellt der SRG-Anstandsapostel also in seiner Ferndiagnose fest. Ein Gespräch mit mir hat Herr Blum dazu nicht geführt. Da Tele M1 und TeleBärn Gebühren beziehen, muss der Chefredaktor von AZ Medien TV automatisch befangen sein - die handgestrickte Argumentation des Ombudsmanns. Da fehlt doch noch was, Herr Blum. Mir ist auch TeleZüri unterstellt, das seit 23 Jahren keinen Rappen aus dem Honigtopf der Gebühren bezogen hat. Trotz unzähliger Anfragen habe ich mich im hysterischen Abstimmungskampf um No Billag nie zu dieser Initiative geäussert und auf den Sendern von AZ Medien TV vier Sendungen zum Thema moderiert - ohne theatralische Selbstdarstellung und zur grössten Zufriedenheit beider Lager. Die Leistung meines geschätzten Kollegen Jonas Projer beurteile ich nicht. Es ist aber eine krasse Fehlleistung, wenn der SRG-Ombudsmann zur Absolution und Seligsprechung des Arena-Moderators dem Chefredaktor von AZ Medien TV Befangenheit unterstellt. Und noch was Herr Blum: Nur drei Tage vor der Abstimmung könnte mit dem Timing ihres Urteils der Verdacht aufkommen, dass sie in dieser Sache nicht ganz unbefangen sind. Im süddeutschen Raum würde man wohl von einem "Gschmäckle" sprechen. PS: Natürlich hätte ich bei einer entsprechenden Anfrage die SRF-Arena nicht moderiert. Ich verstehe mich nicht als politisches Feigenblatt der SRG und auch nicht als Ersatz für fehlende Unabhängigkeit in diesem Medienunternehmen.
Kommentarfunktion wurde geschlossen
Neue Podcast-Folge: Jetzt reinhören