07.12.2014

Türkei

Orhan Pamuk kritisiert Einschränkung der Pressefreiheit

Nobelpreisträger spricht von einer "Atmosphäre der Angst".

Der türkische Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk hat eine Einschränkung der Pressefreiheit in seinem Land kritisiert und von einer Atmosphäre der "Angst" gesprochen. "Das Schlimmste ist die Angst. Ich sehe, dass alle Angst haben, das ist nicht normal", sagte Pamuk der Zeitung "Hürriyet" vom Sonntag.

"Die Meinungsfreiheit ist auf ein sehr niedriges Niveau gefallen." Der Schriftsteller kritisierte den zunehmenden Druck auf die Medien, der zur Entlassung kritischer Journalisten führe.

"Viele Freunde sagen mir, dieser oder jener Journalist hat seine Arbeit verloren. Inzwischen werden selbst Journalisten im unmittelbaren Umfeld der Regierung geschasst. Ich habe dergleichen niemals irgendwo gesehen", sagte Pamuk weiter.

Der 62-jährige Autor kritisierte auch jüngste Äusserungen des islamisch-konservativen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, wonach die Gleichstellung von Frauen und Männern "gegen die menschliche Natur" sei. Die Äusserung hatte auch im Ausland zu heftiger Kritik geführt.

"Unsere Politiker machen unüberlegte Bemerkungen zu diesem Punkt, als ob sie eine Schlägerei provozieren wollten", sagte Pamuk in kaum verhohlener Anspielung auf Erdogan.

Sein jüngster Roman, der gerade auf den Markt gekommen ist, thematisiere die Lage der Frauen, sagte der Schriftsteller, der in seinen Büchern und Interviews wiederholt kontroverse Themen wie den Einfluss des Militärs und die Massaker an den Armeniern zur Sprache gebracht hat. Die Stellung der Frauen in der Gesellschaft sei eines der grossen Probleme in der Türkei. (sda)


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