22.11.2006

Journalismus

Outsourcing gefährdet Pressefreiheit

Auslagerungen in der Schweiz rückgängig gemacht.

Outsourcing-Methoden im Journalismus haben globale Ausmasse angenommen. Um Kosten und Steuern zu sparen, bedienen sich nun nicht mehr nur Wirtschafts- und Finanzunternehmen sondern auch Nachrichtenunternehmen des Offshore-Konzepts. Dabei lagern britische und US-Zeitungen komplette Redaktionen ins Ausland, vorzugsweise nach Indien, aus, wie die International Herald Tribune berichtet.

Auch in Deutschland ist das Outsourcen von Redaktionen kein Einzelfall mehr. Deutsche Verlage wenden unterschiedliche Strategien an, um die Tarifbindungen zu umgehen. Dazu gehören neben dem Outsourcen der Redakteure in nicht tarifgebundene Gesellschaften der wachsende Einsatz von Leiharbeitnehmern.

In der Allgemeinen Zeitung Mainz etwa erfolgen seit diesem Jahr Neueinstellungen über die Leiharbeitsfirma Topas, an der die Verlagsgruppe Rhein-Main - Herausgeberin der Allgemeinen Zeitung Mainz - zu 25 Prozent beteiligt ist. Das Gehalt der Leihredakteure ist geringer. Ausserdem entfallen Urlaubs- und Weihnachstgeld.

Neben der Allgemeinen Zeitung Mainz beschäftigen laut einer Liste des Deutschen Journalisten-Verbandes DJV mindestens acht weitere Tageszeitungen Leiharbeiter. 15 weitere deutsche, meist Lokal- und Regionalzeitungen, gliedern Mitarbeiter oder ganze Redaktionen an nicht tarifgebundene Gesellschaften aus, um die Löhne der Journalisten zu drücken. Eine weitere Methode der Verlage, Tarife zu umgehen, die der DJV aufgedeckt hat, sei Volontäre nicht im Verlag anzustellen sondern über hauseigene Journalistenschulen.

Outsourcing in der Schweiz rückläufig

"Outsourcing von redaktionellen Einheiten ist insbesondere dann negativ, wenn es aus Spargründen erfolgt", bewertet Stephanie Vonarburg, Zentralsekretärin bei der Mediengewerkschaft comedia, diesen Trend im Ausland gegenüber "persoenlich.com". Die Folge seien eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen, und das unternehmerische Risiko werde auf die Journalisten abgewälzt. "Zudem ist die Qualität gefährdet, weil kleinere, externe Redaktionen von Dritten viel mehr unter Druck gesetzt werden können, da sie nicht die Grösse und Strukturen haben, ihre Unabhängigkeit uneingeschränkt zu bewahren", so Vonarburg.


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