Zum vierten Mal hat am Freitag das Schweizer Reporter-Forum stattgefunden. Rund 180 Reporterinnen und Reporter aller Mediengattungen trafen sich in Zürich, um an ihrem journalistischen Handwerk zu feilen, neue digitale Erzählformen kennen zu lernen und den Medienwandel zu diskutieren.
Zur Eröffnung sprach die ehemalige Politikerin und Netzaktivistin Jolanda Spiess-Hegglin. In ihrer Rede legte sie dar, wie sich die Berichterstattung der Medien über ihren «Fall» auf ihr Leben auswirkte. Sie erinnerte die anwesenden Journalisten an ihre Sorgfaltspflicht: «Zu lange haben mir Ihre Kolleginnen und Kollegen nicht zugehört.»
Schweizer Recherchen im Fokus
Die dreizehn Panels und vier Workshops waren gut besucht und es kam zu lebhaften Diskussionen, wie es in einer Mitteilung der Organisatoren heisst. Ein Fokus waren die Schweizer Recherchen: Lukas Hässig von «Inside Paradeplatz» erzählte über den «Fall Vinzenz» und andere Recherchen: «Die einzigen, die mich noch zum Weihnachtsessen einladen, sind Swiss Life und die Nationalbank», hielt er fest.
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Jolanda Spiess-Hegglin bei der Eröffnungsrede. (Bilder: zVg.)
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Teilnehmer vor dem Volkshaus in Zürich.
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Vox.com-Videojournalist Johnny Harris präsentierte sein Projekt «Vox Borders».
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Abschlusspanel (v.l.): Claudia Blumer, Ronnie Grob, Min Li Marti und Kaspar Surber.
Gion-Mattias Durband und Anja Conzett von der «Republik» erklärten ihr Vorgehen beim Bündner Baukartell. Conzett sagte dazu: «Mich hat die Recherche über das Bündner Baukartell entschlossener gemacht, wütender, und Wut kann ein guter Kraftstoff sein.» NZZ-Journalistin Heidi Gmür befragte Daniel Ryser von der «Republik» zu seiner Biografie über Roger Köppel. «Eine Biografie als ‹Ich-Erzählung› ist ein handwerklicher Trick, um Zweifel in der Story stattfinden zu lassen», sagte Ryser.
Ein vielseitiges Programm
Bei einem sogenannten «Failfest» erzählten die Gründer der Schweizer Medien-Start-ups «Reportagen», «Higgs», Tsüri.ch und «Republik», was anfangs alles schieflief – und was man daraus lernen kann. Die Bestseller-Autorin Susanna Schwager gab Tipps, wie man Menschen dazu bringt, sich zu öffnen. Dominique Strebel vom MAZ klärte drängende Fragen zum neuen Mediengesetz.
Auch Radiomacher kamen auf ihre Kosten. Das Podcast-Duo Stefan Beuting und Sven Preger liessen sich in die Karten vom erfolgreichen Podcast «Der Anhalter» blicken. Und bei einem Live-Telefonat mit Norbert Kieper, dem Chefredakteur der einzigen unzensierten Gefängniszeitung Deutschlands, erfuhren die Anwesenden von einem ungewöhnlichen Jobangebot: «Wir suchen noch einen Redakteur, am liebsten mit lebenslänglich.»
Eine Schlussdiskussion zum Mediengesetz
Zum Schluss diskutierten Kaspar Surber von der WOZ, Min Li Marti von «P.S.» und Ronnie Grob vom «Schweizer Monat» unter der Leitung von «Tages-Anzeiger»-Journalistin Claudia Blumer über Chancen und Risiken einer staatlichen Finanzierung des Journalismus. Dabei wurde auch das neue Mediengesetz kritisiert. «Das Wort ‹fernmeldetechnisch› ist ein Wort aus dem letzten Jahrhundert», sagte Surber zu Artikel 93 der Bundesverfassung und dem neuen Mediengesetz.
Für Marti waren nicht die Kanäle entscheidend, sondern die Inhalte und deren Vielfalt: «Wir stimmen so oft ab in diesem Land. Da sind viele unabhängige Meinungen wichtig.» Und Grob sah die Gefahr der staatlichen Finanzierung unter anderem darin, dass «freie Journalisten zu Beamtenjournalisten werden.»
Das 5-Jahr-Jubiläum des Reporter-Forums findet am 20. September 2019 statt. (pd/as)

