01.04.2020

TX Group

Petition fordert Dividendenverzicht

Der Antrag auf Kurzarbeit der TX Group sorgt weiter für Unmut. 2500 Personen haben eine Onlinepetition unterschrieben. Sie protestieren dagegen, dass ein «hochprofitables Unternehmen in der Krise Hilfesgelder vom Staat verlangt».
TX Group: Petition fordert Dividendenverzicht
TX-Group-Verwaltungsratspräsident Pietro Supino an einer Medienkonferenz in Basel im Jahr 2018. (Bild: Keystone/Georgios Kefalas)
von Michèle Widmer

Nach dem Antrag auf Kurzarbeit der TX Group in der Coronakrise ist eine Onlinepetition lanciert worden, die breite Unterstützung findet. Zu den Erstunterzeichnenden zählen 22 Personen hauptsächlich aus dem Journalismus und der Politik – darunter der Journalist Richard Aschinger, Presseratspräsident Peter Studer, die ehemalige SP-Ständerätin Anita Fetz sowie der Schriftsteller Franz Hohler.

Sie fordern die TX Group und namentlich den Verwaltungsratspäsidenten Pietro Supino darin auf, «staats- und demokratische Verantwortung zu zeigen und anderen Unternehmen ein Zeichen zu setzen, wie die Coronakrise solidarisch bewältigt werden kann».

Über 2500 Unterschriften

Nach wenigen Tagen hat die Petition über 2500 Unterstützer gefunden – knapp 2200 in der Deutsch- und weitere 380 in der Westschweiz. Die Unterzeichnenden verlangen vom Verlag, die journalistische Kapazität nicht abzubauen, «in einer Zeit, in der die Bevölkerung dringend Informationen und glaubwürdige Einschätzungen braucht».

Zudem wird dagegen protestiert, dass ein jahrzehntelang hochprofitables Unternehmen in den ersten Tagen einer Krise Hilfsgelder vom Staat verlangt. Hinter dem Konflikt stehe die Tatsache, dass die Kosten der Corona-Katastrophe in unserem Wirtschaftssystem sichtbar ungerecht verteilt würden, schreibt Mitinitiant Richard Aschinger. Staatliche Hilfeleistungen dürften jetzt nicht an Grosskonzerne mit vollen Kassen fliessen, sondern an die, deren Existenz bedroht ist, an KMU oder Selbstständige.

Kurzarbeit-Bewilligung in den nächsten Tagen

Auf Anfrage kommentiert Kommunikationschef Patrick Matthey das Schreiben nicht. Er sagt: «Die Kurzarbeit wurde entsprechend den unterschiedlichen Situationen der TX Group und aller vier Unternehmen Tamedia, 20 Minuten, Goldbach und TX Markets beantragt und wird auf der jeweiligen Ebene behandelt», fügt er an. Der Verlag erwartet die Bewilligung Ende dieser oder spätestens nächste Woche.

Matthey erinnert daran, dass der Verlag bis vorerst Ende Juni bei Kurzarbeit 100 Prozent Lohnausgleich und nach bisheriger UL-Gewinnbeteiligung keine Boni auf das laufende Jahr 2020 bezahlt.

Die Ankündigung auf den Boni-Verzicht der Geschäftsleitung werten die Initianten der Petition als «Zeichen von Vernunft». Fraglich sei, wie viel Dividendengewinn ein Unternehmen seinen Aktionären zahlen darf, im Moment, wo es Anspruch auf Entschädigung für Kurzarbeit anmeldet. Bei der TX Group heisst es dazu: «Die Dividenden, welche voraussichtlich im April 2020 ausgezahlt werden, betrifft das Geschäftsjahr 2019 und hat deshalb keinen direkten Zusammenhang mit Covid-19 und dem laufenden Geschäftsjahr, für welches aller Voraussicht nach auch keine Dividende ausbezahlt werden wird.»




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Kommentare

  • Rudolf Bolli, 02.04.2020 23:46 Uhr
    Eine schwache Ausrede, dass die jetzt vorgesehenen Dividenden das Geschäftsjahr 2019 betreffen. Wenn auf diese Dividenden verzichtet wird, verbessert das auf jeden Fall die Finanzlage des Unternehmens im Geschäftsjahr 2020. Und um die geht es ja.
  • René Lüchinger, 01.04.2020 14:55 Uhr
    Ich bin Aktionär der TXGroup seit dem Börsengang - damals als Facts-Chefredaktor. Und für mich ist klar: während der Cornona-Krise Dividenden oder Boni auszuzahlen ist geradezu obszön, während der Staat milliardenschwere Hilfsprogramme auflegen muss. Dass die Firma Kurzarbeit beantragt, ist ihr gutes Recht. Vergessen wir aber all jene Selbständigen nicht, die niemandem auf der Tasche liegen, ihre Aufträge selber organisieren, ihre Steuern zahlen und nun unverschuldet ohne Fallnetz dastehen. Ihnen muss während dem Stillstand, und nur so lange dieser andauert, geholfen werden. Denn es sind die, die unter normalen Umständen das leben, was ein liberaler Staat wie die Schweiz vorgibt: Selbstverantwortung. Nun ist dies vorübergehend nicht mehr möglich, aus Gründen, die nicht selbstverschuldet sind - deshalb braucht es Hilfe.
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