13.01.2019

Republik

Positive Bilanz trotz roter Zahlen

Mehr als die Hälfte der ursprünglichen Leser haben ihr Abo erneuert. Dennoch schrieb das Onlinemagazin im ersten Jahr ein Minus von 2,85 Millionen Franken, nicht zuletzt wegen der hohen Personalkosten.
Republik: Positive Bilanz trotz roter Zahlen
«Wir werden jetzt mehr in das Marketing investieren und etwa zehn Prozent der Kosten einsparen», sagte Gründungsmitglied der «Republik» Christof Moser gegenüber der DPA. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Ein Jahr nach dem Start ziehen die Macher des Schweizer Onlinemagazins «Republik» eine positive Bilanz. Mehr als die Hälfte der rund 16'000 ursprünglichen Abonnenten haben ihr Abo inzwischen verlängert, wie das Magazin auf seiner Website dokumentiert.

«Sonst wäre es eng geworden», sagte Mitgründer Christof Moser der Nachrichtenagentur DPA. Die «Republik» war am 14. Januar 2018 als werbefreies Magazin mit etwa drei Artikeln pro Tag an den Start gegangen (persoenlich.com berichtete). Mehr als 6000 weitere Leser hatten im Laufe des Jahres Abos abgeschlossen.

Die «Republik»-Gründer hatten bei der Crowdfunding-Kampagne 2017 rund 3,4 Millionen Franken eingenommen, vier Mal so viel wie erhofft. Insgesamt verfügte das Projekt beim Start über 7,7 Millionen Franken, dank Beiträgen von Investoren. Damit sei der Betrieb für mindestens zwei Jahre gesichert, hiess es damals.

Redaktion schnell gewachsen

Finanziell lief es der «Republik» im ersten Jahr wie erwartet: Sie schrieb ein Minus. Der Konzernverlust beträgt 2,85 Millionen Franken, wie es im Herbst veröffentlichten Geschäftsbericht hiess. Grösster Ausgabenposten war mit 3,5 Millionen Franken der Personalaufwand.

Im Januar 2018 startete die «Republik» mit einer Redaktion von zehn Personen. Mittlerweile hat sich der Personalbestand massiv erhöht: Das Onlinemagazin verfügt über 50 Mitarbeitende, die sich 36 Vollzeitstellen teilen, wie das Führungsteam an einer Standortbestimmung am Montag in Zürich mitteilte. Somit sind die Kosten stark gewachsen. Rund 540'000 Franken gibt die «Republik» monatlich aus, die Einnahmen sind um einiges tiefer.

Investoren gesucht

Darum suche das Führungsteam nach einem Geldgeber, der bis Sommer 2019 eine Million Franken einschiesse, schreibt die «NZZ am Sonntag» (Artikel kostenpflichtig). Die Brüder Meili, die sich an der Startfinanzierung der «Republik» stark beteiligten, werden gemäss NZZaS in der neuen Finanzierungsrunde kaum mehr involviert sein. «Wir werden jetzt mehr in das Marketing investieren und etwa zehn Prozent der Kosten einsparen», sagte Moser der DPA. Und: «Es ist ein schwieriger, steiniger Weg, den wir vor uns haben.»

Steinig ist der Weg auch, weil die «Republik» nicht nur Abos erneuert, sondern gleichzeitig Leserinnen und Leser verliert. Bei der gegenwärtigen Kostenstruktur braucht das Onlinemagazin 27'000 Abonnenten, um selbsttragend zu sein. Ab Februar sind es aber nur noch ungefähr 17’000: rund 9500, die im laufenden Monat einzahlen, plus die Kunden, die von Februar bis Dezember 2018 dazugestossen sind, so die NZZaS.

Kritische Worte in der «NZZ am Sonntag»

Um mehr Leserinnen und Leser zu gewinnen, wäre es hilfreich, wenn die «Republik» publizistisch überzeugte, schreibt die NZZaS und fügt an: «Das tut sie aber nicht. Es ist ruhig um sie geworden.» Mitgründer Constantin Seibt habe 2018 folgendes Programm angekündigt: 50 Prozent «Erklärartikel», in denen Ereignisse in einen grösseren Zusammenhang gestellt würden. 20 Prozent Texte über gesellschaftliche Themen. Und 30 Prozent Primeurs, also Eigenrecherchen mit Nachrichtenwert. Hier blieb das Magazin gemäss NZZaS weit hinter den Erwartungen zurück.

«Die ‹Republik› publiziert viele lange Analysen; der Ausstoss an überraschenden oder brisanten Recherchen ist hingegen gering», kritisiert die NZZaS. Und: «Die zum Teil namhaften Journalisten, welche die ‹Republik› verpflichtete, scheinen ihre eigenen Vorlieben gegenüber dem Leserinteresse zu stark zu gewichten», heisst es weiter.

Abgänge im Gründerteam

Gleich vier Leitungsmitglieder haben die «Republik» im Herbst verlassen: Vom ursprünglichen Gründerteam sind künftig nur noch Constantin Seibt, Christof Moser und Clara Vuillemin an Bord.

Die Abgänge hätten simple Gründe, schrieb die «Republik» damals. Die Herkulesaufgabe des Aufbaus sei erledigt, und nun brauche es einen Generationenwechsel. Kurz: Weniger Gründerzeitromantik und weniger Pioniergeist, dafür mehr Tagesgeschäft und bessere Organisation.

Das Onlinemagazin könnte sich auch eine Expansion ins Ausland vorstellen. «Wir würden gerne nach Deutschland expandieren», sagte Moser gegenüber der DPA. Konkrete Pläne gebe es aber nicht. In Deutschland sei die Medienlandschaft anders als in der Schweiz. Während praktisch drei grosse Häuser den Schweizer Markt beherrschten, seien in Deutschland mehr Verleger mit Qualitätsprodukten am Markt. (sda/dpa/as)



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Kommentare

  • Victor Brunner, 13.01.2019 17:54 Uhr
    REPUBLIK in der gegenwärtigen Aufmachung braucht es nicht! Alles sehr schön und wortreich geschrieben, aber letztendlich fad, kein richtiges Engagaement spürbar, kein wirklicher Positionsbezug. Bestens personifiziert in der Person des Teilzeitmitarbeiters de Weck. Intelligent, sprachgewandt und doch langweilig und Gähnmuskel strapazierend.
  • Andreas Konrad, 14.01.2019 10:41 Uhr
    Trotz allem ein grosses Kompliment für den Mut der Gründer und Mitarbeiter! Ein Tipp vom Laien: Vielleicht auch einmal Leute wie Henryk Broder als Gastautoren verpflichten. Egal, was man von ihm hält, der Herr schreibt einfach gut. So erhält die «Republik» vielleicht auch ein wenig mehr Pfeffer.
  • Fredy Haffner, 14.01.2019 17:06 Uhr
    Zum Vergleich: Unsere Quartierzeitung «Höngger» (Auflage 12'500, alle zwei Wochen gratis in alle Haushaltungen von 8049 Zürich verteilt) wäre mit den 540'000 Fr., welche die «Republik» monatlich an Fixkosten hat, ein ganzes Jahr werbefrei und voll finanziert. Und wir publizieren doch auch «hin und wieder» relevante Artikel und Dossier- bzw. Fokusthemen.

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