11.08.2023

Medienethik

Presserat heisst Beschwerden gut

Gerügt wurden die Redaktionen von La Regione, Nebelspalter, kath.ch und Gipfel Zytig. Sie hatten unter anderem gegen die Wahrheitspflicht verstossen und die Menschenwürde verletzt.
Medienethik: Presserat heisst Beschwerden gut
Rüge für La Regione: die Tessiner Zeitung hatte zum zweiten Mal schwere Falschaussagen gegen einen Unschuldigen veröffentlicht. (Bild: Keystone/Ti-Press/Pablo Gianinazzi)

Die Tessiner Zeitung La Regione hat sich vom Pressrat wegen bereits zum zweiten Mal abgedruckten schweren Falschaussagen gegen einen Unschuldigen in einem Mordfall eine Rüge eingefangen. Sie hatte anlässlich ihres 30-Jahre-Jubiläums ein Faksimile der ersten Titelseite mit dem Fehler darauf erneut abgedruckt.

Der Presserat kam zum Schluss, dass die Wiederveröffentlichung des Artikels erneut gegen die Wahrheitspflicht verstossen hat, wie das Gremium am Freitag mitteilte. Die Person sei erneut ungerechtfertigt identifiziert worden. Der Presserat hiess deswegen eine Beschwerde gegen die Zeitung gut.

Gerichte hatte Zeitung verurteilt

Die Titelseite enthielt unter anderem einen Artikel über ein Verbrechen und erwähnte eine Person namentlich, die wegen des Delikts verhaftet worden sei. Die Information war allerdings falsch. Ein Gericht hatte die Zeitung deswegen bereits verurteilt. Schon bei der ersten Publikation war es demnach nicht gerechtfertigt gewesen, den Namen der unschuldigen Person zu nennen.

Teilweise gerügt vom Presserat wurde auch das satirische Politikmagazin Nebelspalter, weil es in einem Beitrag die Menschenwürde der Berner SP-Nationalrätin Tamara Funiciello verletzt habe. Gemäss dem Presserat ging das Medium bei der Satire zu weit. Das Magazin hatte mit abwertenden Äusserungen zu Funiciellos Grösse, ihrem Gewicht und ihrem Körperbau insinuiert, sie sei als Torhüterin allein wegen ihrer Statur erfolgreich gewesen.

Gesprächspartner nicht informiert

Ebenfalls eine Rüge setzte es gegen das katholische Onlineportal kath.ch ab nach der Publikation eines Interviews mit David Constantin, dem Autor, Regisseur und Hauptdarsteller der Fernsehserie «Tschugger». Zum einen war ihm nicht gesagt worden, dass das zum Teil kirchenkritische Gespräch nicht nur wie vereinbart in einem deutschen Film-Fachmagazin erschien sondern auch in dem Schweizer Onlinemedium mit religiöser Ausrichtung. Zum anderen kritisierte der Presserat, dass das Gespräch trotz Wunsch des Interviewten nicht gelöscht wurde.

Zwei schwarze Menschen ungerechtfertigt als Lügner dargestellt hat nach Ansicht des Presserats zudem das Bündner Tourismusblatt Gipfel Zytig mit einer «perfiden Assoziation» auf seiner Witzeseite. Dort hatte es oben zwei schwarze Menschen abgedruckt, die je einen deutschen Pass vor die Kamera hielten, und ins Bild den Kommentar eingefügt: «Wir sind Deutsche.» Darunter waren Köpfe zweier Löwen abgebildet mit dem Satz: «Und wir sind Vegetarier.» (sda/nil)


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