07.11.2017

No Billag

Promis kritisieren die Sonntagspresse

Sowohl die «SonntagsZeitung» wie auch der «SonntagsBlick» prangern Stars an, SRF im Stich zu lassen. Mehrere davon nehmen nun auf Facebook Stellung. Pikant: Einige der Prominenten sagen, sie seien von den Journalisten gar nie angefragt worden.
No Billag: Promis kritisieren die Sonntagspresse
Schiesst auf Facebook zurück: Komiker Marco Rima. (Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller)
von Christian Beck

«Schweizer Popmusiker lassen SRG im Stich», so titelte die «SonntagsZeitung». Ähnlich die Story gleichentags im «SonntagsBlick»: «TV-Lieblinge lassen SRF im Stich». In beiden Artikeln werden Künstler genannt, die sich (bislang) nicht zur No-Billag-Initiative geäussert haben (persoenlich.com berichtete).

Gar nicht angefragt worden

«Oesch's die Dritten ducken sich weg. Man wolle sich politisch nicht äussern, lassen die Volksmusikanten wissen», hiess es beispielsweise im «SonntagsBlick». Ziemlich genervt reagiert Musikerin Melanie Oesch. Sie kontert auf Facebook: «Fakt ist, dass wir gar nie zu dem Thema befragt wurden. Wir wussten also weder von dieser Umfrage, noch konnten wir uns dazu äussern. Uns auf diese Art und Weise sogar politisch in eine Ecke zu stellen, finden wir ganz schön frech.»


Ähnlich wie den Oesch's ist es auch Komiker Marco Rima ergangen: «Ja, man hat auch mich, obwohl mich die Anfrage vom ‹SonntagsBlick› nicht persönlich erreichte, einfach mal in den Topf zu den ‹ich äussere mich nicht dazu Promis› geworfen», beschwert er sich auf Facebook bei den «lieben Freunden der ‹Fake News›». Dabei habe er bereits vor zwei Wochen in der SRF-Radiosendung «Nachtexpress» ganz klar Stellung zur No-Billag-Initiative bezogen: «Ich persönlich, und ich spreche jetzt von mir als Privatperson, würde ein Ja sehr bedauern.»


Was ist passiert? «Wir klären zurzeit ab, ob und was da schief gelaufen ist, und haben mit den Managements der beiden Künstler Kontakt aufgenommen», sagt Ringier-Sprecherin Manuela Diethelm gegenüber persoenlich.com.

Für die Oesch's ist die Sache gegessen, auf eine Beschwerde beim Schweizer Presserat verzichten sie. «Wir haben uns intern auf ein alternatives Vorgehen geeinigt», heisst es beim Management auf Anfrage – gemeint ist damit der Facebook-Post.

Übrigens – zum eigentlichen Thema, der No-Billag-Initiative: Oesch’s die Dritten seien sechs Personen und zwei Generationen, schreibt Melanie Oesch in ihrem Post weiter. «Dass da wohl hie und da die Meinungen auseinandergehen, ist so klar wie der Oeschinensee. Ich persönlich werde mit ‹Nein› stimmen.»

«Das nervt»

Auch Musiker Adrian Stern ist wenig erfreut über die Sonntagspresse: «Als einer, welcher im ‹SonntagsZeitungs›-Artikel erwähnt wird, aber gar nie dazu befragt worden ist, muss ich sagen ‹naja›, dies zeugt nicht gerade von journalistischer Kompetenz, und das nervt.» Und natürlich werde er ein Nein zur No-Billag-Initiative in die Urne legen, schreibt der Sänger auf Facebook.

Baschi hätte sich zuerst nicht äussern wollen, hätte sich danach aber doch noch mit einem zaghaften Statement gemeldet, so die «SonntagsZeitung» – und resümierte: «Wahres Engagement klingt anders». Der Musiker reagierte darauf und schrieb zu seinen Fans: «Ich will nochmals klarstellen, dass ich klar gegen die Initiative bin.»

Gerade für die Schweizer Kulturschaffenden sei das SRF ein sehr wichtiger Bestandteil, welche Kultur in der Schweiz immer wieder fördere.

«Zu einer Äusserung gezwungen»

Schauspielerin Sabina Schneebeli, bekannt aus SRF-Produktionen wie «Lüthi und Blanc» oder «Tatort», war laut «SonntagsBlick» zu beschäftigt für ein Statement. Auf Facebook wehrte sie sich dagegen, nun deshalb in das Lager der SRG-Gegner geworfen zu werden (persoenlich.com berichtete).

Oder Fabienne Louves: «Als ich am Sonntag mein Foto riesengross in dem ‹Beitrag› zur No-Billag-Initiative entdeckt habe, war ich etwas überrascht.» Da sie aktuell mit den Endproben für zwei Theaterstücke vollkommen ausgelastet sei, habe sie mit ihrem Management vereinbart, deswegen momentan keine Anfragen zu beantworten, schreibt sie auf Facebook als Reaktion auf die Berichterstattung des «SonntagsBlicks». «Jetzt fühle ich mich aber genau wegen diesem Bericht in einem Boulevard-Medium zu einer Äusserung gezwungen … Das zeigt eigentlich schon ganz klar auf, dass wir unbedingt unabhängige Medien mit kompetenten Journalisten brauchen!» Damit deutet Louves an, dass sie gegen die No-Billag-Initiative sei. Und meint abschliessend: «So, ich geh dann mal wieder arbeiten… auf der ‹richtigen› Theater-Bühne…»

Pranger statt Argumente

Moderatorin Sandra Studer, obwohl nicht auf der Liste der Schweigenden, ergreift auf Facebook Partei: «Der ‹SonntagsBlick› stellt Prominente an den Pranger, die sich nicht zur No-Billag-Initiative äussern wollen. Das ist offenbar die interessantere Geschichte als sich die Argumente derjenigen anzuhören, die etwas dazu sagen wollten», schreibt sie. Und liefert ausführlich «meine Antworten auf die gestellten Fragen» nach. Sie schreibt unter anderem, dass mit Annahme der Initiative «ein System zerschlagen würde, das ein wichtiges Statement unserer Kultur ist: der Service public».


In der Kommentarspalte zu Studers Beitrag meldeten sich gleich weitere Promis zu Wort, so unter anderem «Swiss Lady»-Sänger Pino Gasparini: «Die SRG muss bleiben!!! Basta!!!»

«Hat die Redaktion geärgert»

Und noch etwas verwundert in dieser ganzen Berichterstattung: Wie kommt es eigentlich, dass gleich zwei Sonntagsblätter am gleichen Wochenende eine fast identische Geschichte bringen?

Die «SonntagsZeitung» habe Anfang letzter Woche «aus eigenen Antrieb» mit den Recherchen begonnen, sagt Tamedia-Sprecher Christoph Zimmer auf Anfrage. «Dass am Wochenende dann auch der ‹SonntagsBlick› die Frage aufgriff, wie es um die Unterstützung der Stars für die SRG steht, hat uns auch überrascht und die Redaktion geärgert, weil es einen falschen Eindruck erweckt.» Das könne aber natürlich reiner Zufall sein, so Zimmer.

So ähnlich die Storys, so ähnlich sind nun auch die Stellungnahmen. «Die Redaktion hat das Thema Anfang Woche an der Wochensitzung besprochen», so Ringier-Sprecherin Manuela Diethelm. «No Billag» sei zurzeit eine Trendgeschichte, die Journalisten sehr viel Stoff biete. «Da eine Exklusivität zu gewährleisten, ist schwierig. Diese Exklusivität hätten wir uns – so wie sicher auch die ‹SonntagsZeitung› – natürlich gewünscht», so Diethelm weiter.



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Kommentare

  • Monique Saulnier, 08.11.2017 09:55 Uhr
    Gerne wiederhole ich an dieser Stelle meine Meinung: Ich bin dezidiert gegen die Initiative, aber dieser reisserische "Niemand liebt mich, dabei habe ich so viel für euch getan"–Jammerartikel und andere zum gleichen Thema nerven. Genau so wie das unerträgliche Selbstmitleid von srf. Das ist nur kontraproduktiv. Werdet sachlich, selbstbewusst. Eine Idee dazu wäre: Verkauft euch besser, tauscht die ätzenden "Schweiz im Herzen"–Macher gegen wirklich gute Leute aus. Schon mal überlegt, dass ein Musiker sich diesbezüglich verhalten kann wie er will, es ist immer falsch? Ist er gegen die Initiative, ist er käuflich, ist er dafür, ist er undankbar. Die Zurückhaltung ist meines Erachtens nur verständlich und geht bei der grossen Mehrheit der Künstler bestimmt nicht gegen das srf. Also nix da mit im Stich lassen.
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