Nach dem Abgang von Jonas Projer bei der NZZ am Sonntag berichtet die Republik in einem ausführlichen Artikel über die Hintergründe zum Knall im Medienhaus an der Zürcher Falkenstrasse. Medienjournalist Dennis Bühler schreibt in Bezug auf die Beziehung zwischen Projer und der Belegschaft über Gräben, die innert zwei Jahren zu regelrechten Schluchten wurden. Am Schluss sei das Zerwürfnis nicht mehr zu kitten gewesen.
Letzte Woche kam es «zum Eklat, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte», wie die Republik schreibt. Die Mehrheit der Redaktionsmitglieder habe einen Protestbrief zuhanden des Verwaltungsrats unterzeichnet, in dem – wenn auch verklausuliert – Projers Absetzung gefordert worden sei.
Dazu kam wohl, dass Projers wichtigstes Projekt, das NZZ Magazin, seine Erwartungen im Jahr 2022 verfehlt hat. Diese Information zieht die Republik aus einem internen Management Report vom Februar 2023. Das digitale Magazin der NZZ war im Februar 2022 gestartet (persoenlich.com berichtete). «Wenn wir die digitale Form von Journalismus nicht auch auf diesem Weg an die Leserinnen verkaufen, verschwindet sie irgendwann», sagte er damals im Interview.
Hinter der Entlassung von Projer stehe ein Aufflackern eines Richtungsstreits, schreibt die Republik. Mächtige Personen wollten den Kurs der NZZ am Sonntag jenem der NZZ angleichen. Genannt werden NZZ-Chefredaktor Eric Gujer, Verwaltungsratsmitglied Christoph Schmid, die neue Verwaltungsratspräsidentin Isabelle Welton sowie der ehemalige Feuilleton-Chef und Präsident des publizistischen Beirats der NZZ, Martin Meyer. Dieses Quartett würde in den kommenden Monaten versuchen, die Idee «Seesicht» zu reaktivieren, prophezeit das Onlinemagazin und bezieht sich dabei auf Insiderquellen. Das Projekt sah vor, die Kernressorts NZZ am Sonntag mit den Kernressorts der NZZ zusammenzulegen. (wid)

