30.11.2018

Die 300 Reichsten

Public Eye schleust Inserat in «Bilanz»

Ein kapitalismuskritisches Inserat hat es in die «Bilanz» geschafft – ausgerechnet in die Ausgabe mit den Super-Reichen. «Bilanz»-Chefredaktor Dirk Schütz sagt, er habe nichts davon gewusst.

Das Bilanz-Ranking der «300 reichsten Schweizer» macht am Freitag wiederum medial die Runde. Nachdem wie in den Vorjahren das Nachrichtenmagazin «10 vor 10» am Donnerstagabend als erstes über die Auf- und Absteiger berichtete, endete die von der Herausgeberin verordnete Sperrfrist, sodass bald auch auf allen Newsportalen davon zu lesen war. So war unter anderem zu lesen, dass die Familie Blocher Geld verloren hat, aber auch die Tamedia-Verleger-Familie Coninx (persoenlich.com berichtete).

In der am Freitag erschienenen «Bilanz»-Printausgabe, der Gold-Ausgabe mit dem Ranking der Reichen, überrascht ein Inserat von Public Eye. Mitten unter den zahlreichen Seiten, wo im Detail beschrieben ist, wie die Reichen ihr Vermögen angehäuft haben, wirbt die Nichtregierungsorganisation um Spender. «Dann suchen wir Sie!», steht in roten, auffälligen Lettern. Angesprochen sind Leute mit «Flair für Finanzakrobatik» oder mit «untrüglichem Gespür für agrarwirtschaftliche Effizient und gesundheitstechnische Gesetzeslücken».  

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Vor Erscheinen der Anzeige waren sich die Verantwortlichen bei Public Eye unsicher, ob die «Bilanz» das Inserat überhaupt drucken wird. Die Anzeige wurde extra für die aktuelle Ausgabe angefertigt, sagt Sprecher Oliver Classen gegenüber 20min.ch: «Sie soll zum Nachdenken über den Zusammenhang von Schweizer Geld und globaler Gerechtigkeit anregen.»

Chefredaktor wusste nichts davon

Etwas weniger gross sei die Freude bei der «Bilanz» selbst. Chefredaktor Dirk Schütz wusste nichts vom genauen Inhalt des Inserats von Public Eye. Er nehme das Inserat mit Humor und empfinde es als nicht problematisch, sagt Schütz zu 20min.ch. «Inhaltlich enthält es nichts, was eine Veröffentlichung unterbinden würde.»

Dem antikapitalistischen Unterton steht der Chefredaktor zwar kritisch gegenüber – genauso wie den verbalen Spitzen, die im Inserat gegen die Reichen ausgeteilt werden. Aber alles bewege sich im vertretbaren Spektrum. (eh)



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