Noch sind die drei grössten Schweizer Vermarktungsunternehmen im Rennen um den SRP dabei. Nach einer ersten Offertrunde sind allein die ausländischen Vermarkter, die ebenfalls offerierten, ausgeschieden, wie Belcom-Chef Andreas Meili, der die Vergabe des Swiss Radio Pools leitet, gegenüber "persoenlich.com" erklärt. "Die besten drei Offerten erhielten wir von Radiotele, der IP Multimedia und von Publisuisse." SRP will nun die drei Konzepte in den kommenden Tagen und Wochen gründlich analysieren, bevor eine Entscheidung gefällt wird. Die grössten Chancen jedoch hat die Publisuisse: "Ihr Konzept konnte uns bisher am meisten überzeugen", so Meili. Auch IP und Radiotele hätten jedoch interessante Vorschläge unterbreitet.
Wie auch immer sich SRP entscheidet, seine Wahl wird einschneidende Folgen haben: Denn wie Meili gegenüber "persoenlich.com" bestätigt, will Swiss Radio Pool die Vermarktung dem Gewinner des Ausschreibeverfahrens exklusiv verpachten. Für die beiden Verlierer des Pitches heisst dies, dass sie sich künftig in der Radiovermarktung mit einer Nebenrolle begnügen müssen. Denn der SRP ist der reichweitenstärkste und einzige nationale Radiopool. Er versammelt praktisch sämtliche Radiostation der Verleger, seit im vergangenen Herbst auch Radio BE1 und Basel 1 ihren Anschluss an den Pool bekannt gaben. Wie sehr der Pitch ans Eingemachte geht, lässt sich an der Reaktion von Radiotele auf eine Anfrage von "persoenlich.com" herauslesen: Man wolle die Vergabe des Swiss Radio Pools nicht kommentieren, es gehe schlicht um zuviel. Hat Radiotele das Nachsehen, könnte dies für die Publigroupe-Tochter, die derzeit schweizweit Privatstationen vermarktet, existenzielle Folgen haben. Ebenfalls will sich IP Multimedia nicht zum "laufenden Verfahren" äussern.
Die Vormachtstellung der Publisuisse in der Vermarktung elektronischer Medien, die bereits das Schweizer Fernsehen, das DRS-Radiosponsoring und halbexklusiv auch die Vermittlung des TeleNews-Combis umfasst, würde dank dem Einstieg in die Vermarktung der Privatradios weiter wachsen. Für Andreas Meili stellt dies kein Problem dar: "Publisuisse ist bereits in der Vermarktung des Telenewscombi aktiv. Dabei gab es keine Konflikte." Er glaubt, dass ein neuer Akteur in der Vermarktung der Radiolandschaft gar zusätzlichen Wettbewerb bringen würde. Der Vorteil von Publisuisse gegenüber ihrer Konkurrenz: Als grösste TV-Vermarkterin der Schweiz stehen ihr bei den Werbeauftraggebern praktisch alle Türen offen. Davon könnten auch die Privatradios profitieren.
Da die Publisuisse für die Radios der SRG aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen keine Radiowerbung, sondern bloss Sponsoringplätze für die Sendegefässe verkaufen darf, gibt es auch kaum Raum für Interessenkonflikte. "Ich sehe kein Problem, falls wir die Vermarktung von Swiss Radio Pool übernehmen können", sagt deshalb Martin Schneider, Geschäftsführer von Publisuisse gegenüber "persoenlich.com".
Trotzdem reiben sich einige Branchenkenner erstaunt die Augen darüber, dass die Verleger offenbar kaum Berührungsängste haben, die Vermarktung ihrer Privatradiostationen der SRG zu überlassen. Als die SRG eine Ausweitung ihrer Online-Aktivitäten ankündigte, war die Empörung der Verleger gross. Sie forderten ein umfassendes Werbeverbot für die SRG im Internet und ein Einschreiten des Gesetzgebers. In der Radiovermarktung dagegen stört man sich offenbar kaum über den ständig wachsenden Einfluss der SRG im Bereich der elektronischen Medien.

