11.08.2010

Radio Basel - Aufstand einiger Minderheitsaktionäre

Die Minderheitsaktionäre von Radio Basel haben sich in einem Verein zusammengefunden, um Einsicht in den Geschäftsverlauf des Basler Lokalradios zu erhalten. Trotz positiver Hörerzahlen hat die Gruppe offenbar das Gefühl, dass die kommerziellen Erträge nicht ausreichen könnten, den Sendebetrieb von Radio Basel vollständig zu finanzieren. Hauptaktionär Christian Heeb (Bild) weist auf Anfrage von "persoenlich.com" die Vorwürfe der Aktionäre zurück. Er vermutet die "Basler Zeitung" oder NRJ hinter der Aktion. Der Bericht:
Radio Basel - Aufstand einiger Minderheitsaktionäre

Ein neu gegründeter "Bund der Minderheitsaktionäre von Radio Basel trat gestern an die Öffentlichkeit und kritisierte, dass sie von den beiden Hauptaktionären Christian Heeb und der Karlheinz Kögel "bis heute keine Informationen über den wirtschaftlichen Zustand der Gesellschaft erhalten haben", wie es in einer Mitteilung heisst. Gleichzeitig fordert der Bund, der derzeit 25 Prozent Aktienanteil bei Radio Basel vertritt, Einsitz im Verwaltungsrat. Demgegenüber besässen die Hauptaktionäre Heeb und Kögel insgesamt 69 Prozent der Radio-Basel-Aktien, heisst es weiter.

Präsidiert wird der neue "Bund" vom Basler Medienanwalt Jascha Schneider, der aber nach eigenen Angaben keine Aktien bei Radio Basel hält. Schneider erklärt, dass sich bisher rund 15 der über 100 Kleinaktionäre dem Bund angeschlossen hätten, darunter auch der grösste Minderheitsaktionär, die französische Radiokette Nostalgie, die bei Radio Basel allein rund 23 Prozent hält. Weitere "Bund"-Mitglieder will Schneider noch nicht nennen. Gemeinsam sei ihnen aber die "Sorge, dass die kommerziellen Erträge nicht ausreichen könnten, den Sendebetrieb von Radio Basel vollständig zu finanzieren", sagt Schneider.

Insbesondere bestünden Zweifel darüber, dass die für die Redaktion budgetierten 5 Millionen Franken nicht durch Werbeeinnahmen gedeckt werden könnten und deshalb ein weiteres Darlehen nötig würde. Wenn aber Kleinaktionäre in einem solchen Fall nicht mitziehen wollen oder können, bestehe die Gefahr, dass sie mittels Kapitalerhöhung aus einer Gesellschaft hinausgedrängt würden. "Es darf aber nicht sein, dass zwei Aktionäre die Firma allein kontrollieren", mahnt Schneider. Im weiteren stellen die nun organisierten Minderheitsaktionäre eine Reihe von Fragen über das Geschäftsmodell von Radio Basel, warum genau sich Radio Basel im Mai vom Vermarkter Publicitas Radiotele getrennt habe, und wie hoch die Investitionen des Senders in DAB+, Internetradio und App’s seien und was dies an Umsatz bringe.

Schneider ist in Basel kein Unbekannter. Zum einen moderiert er auf "TeleBasel" jeweils die sonntägliche Talksendung "Salon Bâle". Vor allem aber ist er, wie er selber offen legt, Partner in der Anwaltskanzlei von BaZ-Chef Martin Wagner. Drittens kennt man Schneider als Konzernanwalt der Basler Zeitung Medien (BZM), die ihrerseits das zweite Basler Radio, Radio Basilisk, vermarktet. Schneider ist in der Vergangenheit sowohl im Auftrag der BZM als auch von Basilisk schon mehrmals juristisch gegen Heebs Radio Basel vorgegangen. Diese Mandate führe er aber seit etwa Juni 2010 nicht mehr, betont Schneider. Er wolle Interessenkollisionen vermeiden.

Auf Anfrage weist Christian Heeb insbesondere den Vorwurf, die Kleinaktionäre mangelhaft zu informieren, klar zurück. So habe Radio Basel schon im Frühjahr eine ausserordentliche Generalversammlung durchgeführt, diese sei aber nicht von allen Minderheitsaktionären besucht worden. "Nostalgie war zum Beispiel nicht vertreten", sagt Heeb. Die nächste GV, die erste ordentliche nach der Übernahme des Senders durch Heeb, sei im Herbst vorgesehen, aber noch nicht terminiert. "Selbstverständlich schauen wir auf das Recht jedes Aktionärs", sagt Heeb weiter, "Jascha Schneider ist aber keiner von ihnen."

Im weiteren moniert Heeb, dass Schneider als "Strohmann" operiere. "Er soll doch erst einmal seine Interessenverflechtungen offen legen", sagt der Basler Radiopionier. Zwei mögliche Verflechtungen nennt Heeb gleich selber: Schneider sei offizieller BZM-Konzernanwalt. "Davon, dass er das BZM-Mandat abgelegt haben soll, weiss ich jedenfalls nichts." Zweitens habe sich Schneider offenbar vom französischen Medienkonzern NRJ einspannen lassen, der auch Nostalgie besitzt. NRJ, das zusammen mit Ringier bereits die Jugendradios Energy Zürich und Energy Bern führe, hege schon lange die Absicht, in Basel ein drittes Radio im selben Stil zu betreiben. Entsprechend habe NRJ bereits mehrmals versucht, an Radio Basel heranzukommen. Kurz: Heeb betrachtet den "Bund der Minderheitsaktionäre von Radio Basel" als NRJ-gesteuert. "Ich will aber kein DJ-Radio machen, sondern einen anspruchsvollen Sender", sagt er. Ganz abgesehen davon, dass ein Konzept à la NRJ gemäss geltender Konzession auch gar nicht möglich wäre.

Nachtrag, der Vollständigkeit halber: Gemäss Handelsregister heisst der aktuelle BZM-Konzernanwalt tatsächlich Pascal Berger, nicht Jascha Schneider. Allerdings sind Berger und Schneider beide in Martin Wagners Anwaltkanzlei tätig. Es bestehen also weiterhin enge Kontakte.

(Text: Markus Knöpfli)


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