17.01.2020

Presserat

Relotius-Vergleich war nicht belegt

Rüge für die Branchenzeitschrift Schweizer Journalist: Die Kritik an einer Reportagenserie der Republik war im Hauptpunkt unzulässig. «Insbesondere der sehr schwere Vorwurf im angedeuteten Vergleich mit ‹Relotius› wurde nicht hinreichend belegt», urteilt der Presserat.
Presserat: Relotius-Vergleich war nicht belegt
Der Presserat heisst eine Beschwerde des Onlinemagazins Republik gegen die Zeitschrift Schweizer Journalist im zentralen Punkt gut. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Der Presserat hat entschieden, dass die Kritik der Branchenzeitschrift Schweizer Journalist an einer Reportageserie des Onlinemagazins Republik zwar in einzelnen Punkten berechtigt war, im Hauptpunkt aber unzulässig, heisst es in einer Mitteilung vom Freitag.

Die Republik hatte im Januar 2018 eine Serie von fünf Reportagen aus dem Süden der USA veröffentlicht. Es ging um die Veränderungen in der amerikanischen Gesellschaft und die Hintergründe der breiten Unterstützung für Donald Trump. Schweizer-Journalist-Autor Beni Frenkel publizierte dazu im Februar und im April 2019 zwei äusserst kritische Rezensionen, dies im Nachgang zum breit diskutierten Fall des deutschen Fälscher-Journalisten Claas Relotius.

Die beiden Kritiken zogen unter den Titeln «Ein Hauch von Relotius» und «Meisterhaft komponiert» Parallelen zu jenem Fall. Zur Begründung listete der Autor am Beispiel einer der fünf Reportagen eine ganze Reihe journalistischer Fehler auf. Daraus schloss er, das Stück enthalte Übertreibungen und Manipulationen, es halte einem seriösen Faktencheck nicht stand.

Der Artikel «Ein Hauch von Relotius» verstosse in 20 Punkten gegen den Schweizer Journalistenkodex, hiess es im Mai 2019 bei der Republik. Reporterin Anja Conzett reichte Beschwerde beim Presserat ein (persoenlich.com berichtete).

Der Schweizer Presserat kam nach gründlicher Prüfung der Eingaben zum Schluss, dass die Reportage in der Tat eine Anzahl von Ungenauigkeiten und journalistischen Fehlern enthielt. Er hielt aber dafür, die Schlussfolgerung, hier sei bewusst manipuliert und gefälscht worden, sei durch die Fakten nicht gestützt. Der Presserat schreibt in seiner Beurteilung: «Insbesondere der sehr schwere Vorwurf im angedeuteten Vergleich mit dem Skandal ‹Relotius› wurde nicht hinreichend belegt.» (pd/cbe)

 

 



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