In einer Zuschrift an die NZZ fordert Medienanwalt Matthias Schwaibold, der die Ringier-Redaktionen vertritt, den Presserat dazu auf, sich über seine Öffentlichkeitsarbeit Gedanken zu machen. Im Jahr 2015 hätte es das Gremium auf 60 Stellungnahmen gebracht. «also arithmetisch auf weniger als 3 pro Jahr und pro Kopf», rechnet Schwaibold vor. Im laufenden Jahr seien es bisher 7 Stellungnahmen.
Dabei verzichte der Presserat jeweils auf Beweiserhebungen und die Stellungnahmen seien selten länger als zwei Seiten. Wer sich in medienethischen Belangen aber Gehör verschaffen wolle, der müsse auch inhaltlich etwas sagen. Dem könnte etwa entgegen gewirkt werden, indem der Presserat von sich aus Themen, wie etwa die Panama Papers, aufgreife, schlägt Schwaibold vor.
Der Lehrbeauftragte für Medienrecht und Medienethik an der Universität St. Gallen verteidigt zudem die Redaktion, die sich häufig weigern, Stellungnahmen des Presserats abzudrucken. «Trifft das wenige, das man als Beschwerdeführer oder betroffene Redaktion vom Presserat erhält, erst nach Jahr und Tag ein, ist schon zufolge Zeitablaufs mangelndes Interesse programmiert», schreibt er in der NZZ. (rar)

