05.06.2019

Tamedia

Roger Schawinski findet Kritik «verletzend»

Einen Meinungsbeitrag von Tagi-Inlandredaktorin Claudia Blumer bezeichnet Schawinski als faktenfreien «Totalverriss». In einem Punkt stimmt Blumer der Replik zu, wie sie auf Anfrage von persoenlich.com sagt.
Tamedia: Roger Schawinski findet Kritik «verletzend»
Roger Schawinski reagierte mit einer Replik im «Tages-Anzeiger» ausführlich auf einen Meinungsbeitrag von Inlandredaktorin Claudia Blumer. (Bild: persoenlich.com)

TV-Moderator Roger Schawinski hat in seiner SRF-Talksendung mit der deutschen Prostituierten Salomé Balthus nach Auffassung des Ombudsmanns Roger Blum deren Menschenwürde verletzt (persoenlich.com berichtete). Nachdem Blums Schlussbericht veröffentlicht wurde, erschien im «Tages-Anzeiger» vom letzten Freitag ein Meinungsbeitrag von Inlandredaktorin Claudia Blumer. Unter dem Titel «Der Pitbull hat ausgedient» kommt sie zum Schluss, dass der aggressive Fragestil von Schawinski überholt sei. «Er lässt seine Gäste kaum je einen Gedanken zu Ende formulieren, irritiert sie ständig mit Einschüben; er lacht spöttisch, um zu zeigen, dass er eine Antwort für unglaubwürdig hält und führt das Gespräch in einem despektierlichen, zuweilen verächtlichen Tonfall», so Blumer.

Prominent platziert auf Seite zwei erschien in der Tagi-Ausgabe vom Mittwoch eine (gekürzte) Replik von Schawinski. «Der Totalverriss von Frau Blumer beruht auf null Prozent Recherche und hundert Prozent Verunglimpfung», schreibt der «Schawinski»-Moderator. Verräterisch sei die Metapher, die Blumer verwende, nämlich die des geifernden, alles zerfleischenden Pitbulls. «In der heute heftig geführten Genderdiskussion ist also kein Vergleich zu extrem, um einen ‹privilegierten› Mann verbal zu verunglimpfen. Umgekehrt würde ein Mann, der eine Frau in ähnlicher Weise beschriebe, zu Recht in der Luft zerrissen», so Schawinski. Er empfinde die Tagi-Kritik als «verletzend und faktenfrei».

«Übervoll mit Feelgood-Talks»

Weiter schrieb Schawinski, dass «kritische, hart geführte Interviews vor laufender Kamera» wichtig seien. «Die TV-Welt ist übervoll mit weichgespülten, banalisierenden Feelgood-Talks, präsentiert von kantenlosen, dauergrinsenden Moderatoren. Harte, gut recherchierte Gespräche bilden die Ausnahme.»

Auf Anfrage von persoenlich.com wollte sich Blumer nicht ausführlich zur Replik äussern. Nur soviel: «In einem Punkt gebe ich Roger Schawinski recht: Es braucht harte Interviews. Bloss: Man sollte eine kritische Haltung nicht mit Schnoddrigkeit verwechseln.» (cbe)



Hier lesen Sie Roger Schawinskis Replik in der ungekürzten Version.

 



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Kommentare

  • Luciano Gloor, 06.06.2019 12:51 Uhr
    In einem harten Gespräch und in einem kritische interview haben Unterstellungen und Suggestivfragen nichts zu suchen, eines der Lieblings-Tools von Herrn Sch. «Er lässt seine Gäste kaum je einen Gedanken zu Ende formulieren, irritiert sie ständig mit Einschüben; er lacht spöttisch, um zu zeigen, dass er eine Antwort für unglaubwürdig hält und führt das Gespräch in einem despektierlichen, zuweilen verächtlichen Tonfall», so Blumer. Im Dutzend von mir beobachtet, aber tatsächlich nicht in jedem Gespräch. Sch. hat positive wie negative Präferenzen.

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