30.11.2025

SRG

Schawinski schreibt offenen Brief an Susanne Wille

Der Medienpionier gibt der SRG-Generaldirektorin Tipps, um die Abstimmung nicht zu verlieren.

Heisse Wochen für die SRG. Letzte Woche gab Generaldirektorin Susanne Wille den Abbau von 900 Stellen bekannt und am 9. Dezember will der Ständerat entscheiden, ob das UKW-Netz wirklich Ende 2026 abgeschaltet werden soll, wie die Privatsender und die SRG ursprünglich vereinbarten. Aufgrund der befürchteten massiven Hörerverluste bei einer UKW-Abstellung haben die Privatsender ihre Meinung geändert (persoenlich.com berichtete). Am 8. März wird zudem über die «200 Franken sind genug»-Vorlage der SVP abgestimmt.

Arbeitsplatzabbau verpuffe

In einem offenen Brief an Susanne Wille, der heute im SonntagsBlick abgedruckt wird, schreibt Radiopionier Roger Schawinski, dass die Ausgangslage «prekär» sei, die «epochale» Abstimmung vom 8. März zu verlieren. Schawinski ist die treibende Kraft gegen die UKW-Abstellung. «Du wirst jene nicht überzeugen, die der SRG seit Jahren Linkslastigkeit vorwerfen. Ihre Meinungen sind gemacht. Dasselbe gilt für diejenigen, die Zwangsgebühren für Medien ablehnen, da sie dem Zeitgeist nicht mehr entsprechen. Und auch nicht jene, die der Ansicht sind, Medien müssen generell gratis sein, weil man sie im Internet seit Jahrzehnten in diesem Sinn erzogen hat. Und vor allem jene nicht, die zurzeit bei jeder Abstimmung allein darauf schauen, wie sie persönlich finanziell profitieren können», so sein Fazit. Der angekündigte Stellenabbau verfange nicht, zudem habe man die zusätzlichen 40'000 Haushalte, die der SRG Einnahmen in Millionenhöhe bescheren werden, bewusst weggelassen.

Schawinski ruft Wille zudem auf, sich gegen ein flächendeckendes UKW-Verbot zu stellen. Bei einem Verbot, so die Argumentation, würden die frustrierten ehemaligen Hörerinnen und Hörer ein Ja zur Initiative einlegen. Sein Fazit: «Eine deutliche Ansage von Dir ist deshalb jetzt nötig. Damit würdest Du für die Schweiz, die SRG und auch für Dich das Richtige tun.»

Cleverer Schachzug

Anderer Meinung ist SonntagsBlick-Redaktorin Rebecca Wyss, die bezüglich des angekündigten Stellenabbaus schreibt: «Was für ein cleverer Schachzug von Wille.» Susanne Wille als erste Frau an der SRG-Spitze gehe damit in die Offensive und treibe als erste Generaldirektorin den Umbau der Institution wirklich ernsthaft voran. Ihre Vorgänger, so Wyss, hätten ihn verbummelt, obwohl die SRG schon lange in der Kritik stehe. Einig sind sich aber die beiden SonntagsBlick-Kommentaren, dass es für die SRG am 8. März 2026 sehr eng werden könne und viel auf dem Spiel stehe. (ma)


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KOMMENTARE

roger schawinski
01.12.2025 10:07 Uhr
Grossartige Entgegnung, Mark Balsiger. Wie wäre es aber, wenn Du auf mein Argument eingehen würdest? Schaffst du das? Ich bin gespannt. Roger Schawinski
Victor Brunner
01.12.2025 09:44 Uhr
Mark Balsiger, mehr Haushaltungen bedeutet mehr Geld für Medien. Am meisten profitiert SRG SSR.
Ueli Custer
01.12.2025 09:35 Uhr
Wenn Roger einmal etwas behauptet hat das nachweislich falsch ist, macht er es wie Trump. Er behauptet einfach weiter, dass es richtig sei.
Mark Balsiger
01.12.2025 09:17 Uhr
Was Roger Schawinski hier in der Kommentarspalte schreibt, bedarf einer Richtigstellung: 1. Ich bin kein bezahlter Lobbyist der SRG. Die Allianz Pro Medienvielfalt ist unabhängig; sie finanziert ihre Arbeit seit ihrem Start von bald vier Jahren mit Spenden. 2. Mein Name schreibt sich Balsiger, nicht Baldiger - das ist schon seit Geburt so und wird vermutlich bis zum jüngsten Tag so bleiben.
roger Schawinski
01.12.2025 08:33 Uhr
Schade, dass der SRG-PR-Mann Mark Baldiger nicht auf Basis von Fakten argumentiert. Der Gebührendeckel von 1,2 Milliarden wird durch die geplante Senkung der Gebühren auf 300 Franken klar unterschritten. Die SRG erhält in Zukunft viel weniger Geld, muss deshalb massiv sparen und viele Leute abbauen. Deshalb wird sie - anders als Balsiger behauptet -die Gebühren durch zusätzliche Gebührenzahler behalten können. Die Glaubwürdigkeit des bezahlten Lobbyisten Balsiger ist also durch seine unsinnige Argumentation weiter zerstört worden.
Mark Balsiger
30.11.2025 10:32 Uhr
Schade, dass Roger Schawinski nicht auf Basis von Fakten argumentiert. Natürlich wächst die Anzahl Haushaltungen in der Schweiz jedes Jahr. Das bedeutet aber nicht, dass es automatisch mehr Geld gibt für die SRG. Seit der Ära von Bundesrätin Doris Leuthard gilt ein Gebührendeckel. Das wissen Medienjournalisten, auf der SoBli-Redaktion hat man es womöglich übersehen. Es würde die Glaubwürdigkeit der Branche stärken, wenn die Falschaussage wenigstens in diesem Text korrigiert würde. Disclaimer: Der Autor dieses Kommentars ist Geschäftsführer der Allianz Pro Medienvielfalt.