13.01.2020

SRF/YouNews

Schüler filmen den «Club» mit Smartphones

Im Zusammenhang mit YouNews zeichneten Barbara Lüthi und ihr Team den «Club» ausnahmsweise in einer Oberstufe im Aargau auf. Die Jugendlichen gaben sich diskussionsfreudig. Gefilmt wurde ausschliesslich mit Smartphones. Ein Augenschein vor Ort.
SRF/YouNews: Schüler filmen den «Club» mit Smartphones
Vollen Einsatz: Die Schüler der Sek 3 A in Klingau AG bedienten zwei der vier Handykameras während der Aufzeichnung des «Clubs». (Bilder: SRF)
von Loric Lehmann

Der neuste «Club» wurde nicht wie gewohnt im Zürcher Leutschenbach gedreht, sondern fast an der deutschen Grenze im Unteren Aaretal. Von Zürich aus folgt man mit dem Zug zuerst dem Lauf der Limmat bis sie mit der Aare zusammenfliesst und kurz bevor diese schliesslich in den Rhein mündet, liegt das beschauliche Örtchen Klingnau. In der Ferne lässt sich die Dampfwolke aus dem Kühlturm des Kernkraftwerks Leibstadt erspähen. Die örtliche Oberstufe Unteres Aaretal, in die Schüler aus drei umliegenden Gemeinden pendeln, weist einen relativ hohen Ausländeranteil auf. In der Klasse Sek 3 A von Lehrerin Yvonne Hügli haben die meisten Schüler zwei Pässe, jemand sogar drei.

Einige Schüler kommen dazu noch aus zerrütteten Familien. Sucht, Armut und kriegsbedingte Traumata stellen die Eltern, aber noch mehr deren Kinder, vor grosse Herausforderungen. Und so war die Hoffnung klein, als Frau Hügli der Klasse vor einige Monaten angekündigt hat, dass sie sich im Rahmen der Jugendaktionswoche YouNews beim SRF «Club» beworben hat. «Ich wollte den Schülern zeigen, dass man etwas erreichen kann, wenn man nur will», sagt die engagierte 52-jährige nach dem Dreh des «Clubs» im Gespräch mit persoenlich.com.

Denn, dass sie etwas nicht könnten, das hörten sie laut Frau Hügli bereits genug. «Die Leistungsgesellschaft stellt meine Schüler sehr unter Druck.» Auch gebe es nicht so viele Lehrstellen in der Region. «Ich wollte etwas ausserhalb des Schulstoffes machen. Wir waren schon mal auf Führungen bei Medienhäusern, aber als ich auf das Projekt gestossen bin, wusste ich gleich, das ist es.» Denn wenn ihre Klasse etwas könne, dann sei es diskutieren, so Frau Hügli.

Berührende Schicksale

Dies sah auch Barbara Lüthi so, die Moderatorin des «Clubs», und wählte zusammen mit der Crew die Klasse aus zahlreichen Bewerbungen aus: «Uns hat vor allem die Schicksale der Jugendlichen berührt. Und wie offen diese darüber mit uns gesprochen haben. Ausserdem wollten wir den Schülern der Klasse von Frau Hügli unbedingt eine Stimme geben, um mit ihnen über ihre Probleme zu sprechen.»

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Die Schüler waren aber auch an weiteren Schritten im Produktionsprozess involviert: Themenwahl, Kameraführung, Barbara Lüthi schminken, Einspieler moderieren, filmen und produzieren.

Dies hat laut Frau Hügli einiges an Aufwand gebraucht. So viel, dass sie sogar einmal an einem freien Tag das Skifahren absagen musste. «Aber das war es allemal Wert». Frau Hügli wollte, dass die Klasse im Mittelpunkt steht. Deshalb wollte sie anfangs auch nicht vor die Kamera. Aber nachdem sie die «Club»-Crew überredet hatte, hat sie sich doch einverstanden erklärt.

«Ich war schon sehr nervös»

Auch die Schüler zeigten sich begeistert nach dem Dreh. Qendresa, 16 Jahre alt, mit zwei kosovarischen Eltern und C-Ausweis, sagt: «Ich war am Anfang schon sehr nervös, weil ich befürchtete, ich könnte mich blamieren. Das war aber unbegründet. Ich fand es richtig cool, mit Frau Lüthi zu diskutieren.»

Der 15-jährige Kilian sprach ebenfalls mit Lüthi auf dem Sofa: «Ich spiele Theater, daher bin ich es mir gewohnt, vor vielen Leuten zu sprechen. Im Fernsehen war ich aber noch nie.» Er hätte sich extra nicht zu stark vorbereitet, da er nicht wollte, dass es zu gestellt wirkt. «Ich wollte so authentisch wie möglich sein», so der grossgewachsene Junge.

Auf ihn sei Frau Hügli besonders stolz: «Wenn mir jemand vor zwei Jahren erzählt hätte, dass Kilian einmal vor der Kamera diskutieren wird, hätte ich das nicht geglaubt.» Er habe am Anfang keinen graden Satz herausgebracht. Nun sei er richtig gut im Diskutieren.

Gefilmt wurde nur mit Smartphones

Was ausserdem speziell an dieser «Club»-Produktion war, dass keine grossen Kameras verwendet wurden, sondern nur Smartphones. Dies war ein Novum – und wurde auch so gehandhabt, da die Jugendlichen geübt im Umgang mit Smartphones sind. Denn zwei der vier Kameras wurden – abwechslungsweise – von einigen Schülern bedient. Dem fünfzehnjährigen David hat das grossen Spass gemacht. «Da wir über die Kopfhörer mit der Regie verbunden waren, wusste ich auch immer, was machen und wo hinstehen, um zu filmen.» Er könne sich vorstellen, wenn die Technologie noch besser werde, dass man irgendwann nur noch mit dem Smartphone filmt.

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SRF-Live-Kameramann Daniel Gruber hingegen freut sich schon darauf, wieder eine «richtige» Kamera zu brauchen. Er sei schon skeptisch gewesen am Anfang mit Smartphones zu filmen. Denn: «Man ist schon recht eingeschränkt mit einem Handy. Die fixe Brennweite ist umständlich, der automatische Weissabgleich stimmt nicht immer, und man muss sich viel mehr bewegen, weil man nicht so stark zoomen kann.» Gruber sei aber positiv überrascht gewesen, wie gut die Schüler das konnten. «Sie haben sich gut integriert und hatten die Bildsprache ziemlich im Griff.»

Ob die Schüler bei all den Schulstunden, die für diesen «Club» gebraucht wurden, nun nicht ein Defizit hätten? Frau Hügli winkt ab: «An dieses Ereignis werden sie sich sicher in zwanzig Jahren noch erinnern. An das passé composé – wahrscheinlich nicht.»

SRF «Club»: Dienstag, 14. Januar 2020, 22.25 Uhr, SRF 1



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