07.10.2004

Kurt W. Zimmermann

Schweizer Journis "von Virus befallen"

Berufskrankheit kommt aus Italien.

Die Berichterstattung über den bundesrätlichen Zwist von Pascal Couchepin und Christoph Blocher in der Schweizer Presse -- der Blick titelte "Statskrise!" -- erinnert Kurt W. Zimmermann an das italienische Mediensystem. Die Funktionalität habe sich stark angenähert, schreibt "Zimmi" in seiner aktuellen Weltwoche-Kolumne. So würden das italienische wie auch das Schweizerische System auf die Skandalisierung der Politik und ihre üblichen, kleineren wie grösseren Konflikte fokussieren, was in Italien "Polemiche" genannt werde.

Dass es bei uns in der Politik dermassen in die Richtung von Polemik und Geschrei gehe, könne kein Zufall sein. Als Couchepin seinen Amtskollegen Blocher quasi zum Totengräber der Nation hochstilisiert habe, sei der Reflex der Presse ganz à l'italienne gewesen, tadelt Zimmermann. Anstatt sich zu fragen ob Couchepin "allenfalls nicht mehr alle Tassen im Schrank haben könnte", sei gleich die fröhliche Grundsatzdebatte über Volk und direkte Demokratie und Kollegialitätsprinzip und Systemwechsel, bis hin zur Staatskrise losgegangen.

Der Zeitungsleser könne nebst Staatskunde eine Wesensart der "Polemiche" lernen: Kritisieren Couchepin einen Kollegen, wie aktuell Blocher, ist er ein medialer Held. Wenn Blocher einen Kollegen kritisiere, wie bei der Rücktrittsforderung im Falle Leuenberger, dann sei er ein medialer Schuft.

Dies führt Zimmermann zum Parallelbeispiel Silvio Berlusconi. Der Kolumnist glaubt, dass es in beiden Länder viel mit dem Buchstaben B. zu tun hat. So hätten Italiens Medien, seit Berlusconi an der Macht sei, eine merkwürdige Obsession zu diesem B. aufgebaut. Angriffe gegen B. hätten Sonderstatus, politische Vorstösse würden fast ausschliesslich daran gemessen, ob sie gegen B. zielen oder ob B. diesen gewogen sei Andere Politiker würden sich oft nur noch dadurch positionieren, wie sich ihr Verhältnis zu B. gestaltet und Parlamentarier und Minister seien nicht mehr sie selber, sondern nur noch Freund oder Feind von B. Vielleicht sei das unausweichlich, denn B. sei a) nicht integrationsfähig und b) Premierminister.

Unser B. sei wie Berlusconi a) nicht integrationsfähig, aber b) nicht Premierminister, führt Zimmermann weiter aus. Die CH-Medien würden Blocher aber immer weniger wie einen Departementvorsteher behandeln, die Wahrnehmung der Medien nähere sich jener eines Premierministers. Die Medien hätten eine merkwürdige Obsession zu B. aufgebaut. Angriffe gegen B. hätten Sonderstatus, politische Vorstösse würden sich fast nur noch daran messen, ob sie gegen B. zielen oder diesem gewogen seien. Auch bei der Positionierung der Politiker sieht Zimmermann Parallelen.


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