Mit dem Swiss Radio Pool (SRP), dem 12 Deutschschweizer und zwei Westschweizer Radios angehören, herrscht in der Schweizer Radioszene seit bald vier Jahren relative Ruhe. Mit der Kündigung des SRP per Ende Jahr und der Ankündigung eines neuen Pools aus den Radios 24, Energy Zürich und Bern, Capital FM, Basel und Basilisk wirds in der Branche aber wieder unruhig zumal der Sechserclub noch nicht alle Konditionen offen legte. Am RadioDay äusserten sich andere Branchenvertreter entsprechend abwartend bis ablehnend. Hier die Statements:
Roger Schawinski, Inhaber Radio 1

Wenn die zwei grössten Verlage nun im Radiomarkt ein Kartell bilden, dann fördern sie doch alle echten Befürchtungen, die es im Markt der Medien ohnehin schon gibt. Weshalb machen die das überhaupt? Ist dies der Anfang von noch etwas Grösserem? Allerdings glaube ich, dass Pools generell überbewertet werden. Letztlich zählt doch vor allem die Leistung und die Entwicklung der einzelnen Sender, und da sind wir mit einem Wachstum von 32 Prozent hervorragend unterwegs. Zusätzlich offerieren wir wie bereits früher angekündigt mit Radio Zürisee einen sinnvollen Pool mit kohärenter Hörerschaft. Damit wird bei uns der Streuverlust kleiner sein. Aber wichtiger ist, dass wir uns auf die ständige Entwicklung unseres Programms und unseres Marketingauftritts konzentrieren.
Urs Lorenz, Geschäftsleiter Radio Zürisee Werbe AG

Es wird nun als positiv verkauft, dass sich die Erzrivalen Radio 24 und Energy Zürich zusammentun. Doch der Pool wird von zwei Grossverlagen gesteuert. Jetzt ist bei allen andern Sender die grosse Angst da, was rund herum passieren soll. Was wir zudem bedauern: Beim Swiss Radio Pool (SRP) konnte der Kunde bisher wählen, ob er Radio Energy Zürich oder Radio Zürisee zum SRP-Grundmodul mit Radio 24 andocken will. Beim neuen Pool geht diese Angebotsflexibilität nun verloren. Diesen Mangel für die Kunden versuchen wir nun einerseits mit dem Pool Zürisee-Radio1 wett zu machen. Andererseits bleibt Zürisee eine Zusatzvariante zu allen Zürcher Sendern. Im Oberland, am linken und rechten Zürichseeufer und in der Oberseeregion ist der Seesender mit Riesenabstand die Nr 1.
Giuseppe Scaglione, Inhaber Radio 105

Wir haben den neuen Pool zur Kenntnis genommen. Da wir bisher noch nie einem Pool angehörten, trifft uns die neue Konstellation nicht. Kommt dazu, dass wir die Vermarktung von Radiospots ja an Radio Energy Zürich ausgelagert haben. Dass Energy Zürich nun ohne uns dem neuen Pool beigetreten ist, mag merkwürdig aussehen. Aber fragen Sie Energy Zürich zu den Gründen. Die Crew dort ist punkto Spot-Vermarktung von 105 frei zu beurteilen, was wo Sinn macht.
Jürg Bachmann, Präsident Verband Schweizer Privatradios

Falls der Pool andere Stationen ausschliesst, wäre er zweifellos nicht sehr nachhaltig, weil sich die Aussenstehenden rasch solidarisieren würden, was wieder Unruhe in den Markt bringt. Ich glaube nicht, dass es heute noch Pools gibt, die für alle Werbekunden interessant sind. Darum bin ich ein Verfechter eines modulartigen Systems, bei dem Kunde frei jene Sender wählt, die er will. Je mehr Stationen er bucht, desto mehr Rabatt erhält er.
Markus Ruoss, Inhaber Radio Sunshine

Positiv ist, dass der neue Pool Bewegung in die Szene bringt. Erstaunt hat mich aber, dass sich ausgerechnet die Sender in Zürich, Basel und Bern, also jene im Goldenen Dreieck, organisieren, von denen es doch heisst, dass sie ohnehin gebucht werden.
Bruno Oetterli, Inhaber des Onlinevermarkters A-Tension, Ex-Inhaber Radiotele

Bei diesem Pool sind doch lauter Sender dabei, die man eh bucht. Warum bietet man sie nun noch in einem günstigen Paket an? Ein Pool sollte im Interesse der Kunden und der Sender sein. Doch dieser Pool ist höchstens für die Kunden interessant. Der Branche bringt er nichts.
Hans-Ueli Zürcher, Inhaber The Cover Media AG

Der neue Pool ist dank den wirtschaftlich starken Gebieten, die er abdeckt, interessant. Grundsätzlich wird man nicht ihn herum herumkommen. Ein anderes Thema ist die unterschiedliche Ausrichtung der Sender punkto Zielpublikum: Es beisst sich zum Beispiel Radio Basel mit den Radios Energy Zürich und Bern. Dieses Problem bestand bisher beim City-Modul des Swiss Radio Pool (SRP) nicht, da dort nur Radio 24, nicht aber Energy Zürich drin war. Eine weitere Frage stellt sich: Was machen die andern Sender?
Martin Muerner, Sendeleiter Radio BeO

Der neue Pool ist im Prinzip ein geografischer Stationenrabatt. Offen ist, ob er einem Kundenbedürfnis entspricht, da die Zielpublika beispielsweise eines Radios Energy Zürich und eines Radio Basel doch sehr unterschiedlich sind. Den beteiligten sechs Stationen wünsche ich jedenfalls viel Glück. Auf Radio BeO hat der Pool kaum Auswirkungen, da es sich national weiterhin zu den beiden Berner Radios hinzu buchen lässt.
Sébastien Chapuis, Verkaufsleiter BNJ FM (Radio Jura Bernois, RTN (Neuchâtel), Frequence Jura)

Wir haben derzeit widersprüchliche Informationen darüber, ob auch die Sender in Genf und Lausanne dem neuen Sechser-Pool in der Deutschschweiz angehängt werden sollen. Solange wir das nicht sicher wissen, können wir nicht Stellung nehmen. Sicher ist: Der bisherige Pool Jura-Plateau-Alpes mit den Radios Rhône, Chablais, Fribourg sowie mit den Programmen im Jurabogen bleibt weiter bestehen.
(Zusammengetragen von: Markus Knöpfli)

