Roger Willemsen hat sich in einem Interview im Facts Sorgen um die Unabhängigkeit des "Literaturclubs" des Schweizer Fernsehens gemacht. In Gefahr gerate die Unabhängigkeit, wenn die beteiligten Kritiker nicht mehr ein Buch ihrer Leidenschaft vorstellen könnten, wie es stets zu den Statuten der Sendungen gehörte. Sondern wenn man gebeten werde, ein Buch zu besprechen, an dem alle gern vorbeigegangen wären.
Er sprach dabei den Roman "Melnitz" von Charles Lewinsky an, der im Literaturclub besprochen wurde, obwohl die Literaturkritiker das Buch nach Angaben von Willemsen nicht mochten (persoenlich.com berichtete). Nun hat sich SF-Chefredaktor Ueli Haldimann in seinem CR-Weblog als "Einflüsterer" geoutet. "Tatsächlich habe ich mich als Chefredaktor dieses Hauses erfrecht, den Wunsch auszusprechen, dass der Literaturclub den Roman 'Melnitz' bespricht, was ursprünglich nicht geplant war."
Redaktionsleiter Ueli Heiniger habe seine Meinung von Anfang an geteilt. Haldimann weiter: "Ich gab überhaupt nicht den Auftrag, das Buch positiv zu besprechen. Die Runde kann jedes Buch auch verreissen, selbstverständlich! Es war mir einfach ein Anliegen, dass das Buch dran kommt." Die Kritikerrunde habe den Wunsch murrend entgegengenommen. Gabriele von Arnim stellte das Buch in der April-Sendung kritisch-lobend vor. "In der Diskussion war dann eine igitt-igitt-Haltung deutlich spürbar", so Haldimann.
Willemsen sagte im Facts Interview weiter, er sei gedrängt worden, das Buch zu besprechen, weil der Autors früher für das Schweizer Fernsehen Comedies geschrieben habe. Melnitz sei ein "künstlich gemachter Bestseller". Der Verlag habe bei der Angabe der Startauflage geschwindelt, und er habe Teil dieser Kampagne werden sollen.

