Markus Somm, Sie sind seit wenigen Tagen nicht mehr nur Chefredaktor, sondern auch Mitbesitzer der "Basler Zeitung". Hat sich für Sie dadurch etwas geändert?
Auf jeden Fall – auch wenn ich mich natürlich nicht erst seit gestern mit meiner neuen Position beschäftigt habe. Mein Mindset ist ein völlig anderes: Man denkt unternehmerischer und stellt alles in Frage. Ich begrüsse das. Von meiner Überzeugung her bin ich ein Liberaler und predige die Vorzüge der Marktwirtschaft, wo immer ich kann. So ist es nur recht und billig, dass ich jetzt beweisen muss, dass auch ich in dieser Marktwirtschaft bestehen kann. Wir – Christoph Blocher, Rolf Bollmann und ich – sind der Überzeugung, dass eine Zeitung nur überleben kann, wenn sie auch rentiert. Es gehört zu den Aufgaben eines Verlegers, die entsprechenden Voraussetzungen zu schaffen.
Konkret, was bedeutet dies? Sie haben in der Vergangenheit immer wieder Journalisten eingestellt. Ist dies nun vorbei?
Überhaupt nicht. Gute Journalisten geben einer Zeitung auch das Profil. Ich bin der Ansicht, dass jede Zeitung sechs bis acht hervorragende Autoren benötigt, damit sie den Leser auf Dauer binden kann. An diesem Konzept wollen wir festhalten. Dabei spielt es auch keine Rolle, aus welchem politischen Lager unsere Redaktoren stammen.
Ist dies wirklich so? Ihr Miteigentümer ist SVP-Überfigur Christoph Blocher...
Christoph Blocher hat inhaltlich noch nie Einfluss auf unsere Berichterstattung genommen, noch je auf meine Personalpolitik. Ich habe immer gesagt und sage es gerne von neuem: So frei wie jetzt war ich noch nie in meiner Laufbahn als Journalist. Es gibt wohl kaum eine andere Zeitung in der Schweiz, die den internen Pluralismus in ihrer Redaktion derart pflegt – bei uns schreiben Linke und Mittellinke, Rechte und Konservative, Liberale und Radikalliberale. Einziges Kriterium: Es muss interessant sein. Im Zweifelsfall sind wir bürgerlich, was mit mir als bürgerlichem Chefredaktor zu tun hat.
Trotzdem hat gerade gestern die "NZZ am Sonntag" behauptet, dass die "Basler Zeitung" zu den "parteinahen Zeitungen" gehört.
Dieser Vorwurf entbehrt nicht der unfreiwilligen Komik. Die NZZ ist – nordkoreanische Zeitungen vielleicht ausgenommen – das einzige Pressehaus der Welt, wo die Aktionäre beweisen müssen, dass sie einer Partei, der FDP, angehören oder ihr nahe stehen. Dies ist bei der BaZ nicht der Fall: Christoph Blocher gehört bekanntlich der SVP an, Rolf Bollmann ist parteilos und kommt von der Tamedia, die eher links von der Mitte angesiedelt ist, während ich Mitglied der FDP bin. Immerhin wäre ich also berechtigt, eine NZZ-Aktie zu kaufen.
Haben Sie dies schon getan?
(lacht) Noch nicht. Aber es wird langsam Zeit.
Aber stören Sie diese "Unterstellungen"?
Warum denn? Im Gegenteil, das sind doch versteckte Komplimente. Es zeigt, dass die "NZZ am Sonntag" merkt, dass wir für eine Haltung stehen. Wer keinen Standpunkt hat, wird auch nie angegriffen. So gesehen muss eine allerseits beliebte Zeitung ein sehr schlechtes Blatt sein. Im übrigen: Wer die BaZ auch nur einen Tag liest, weiss, dass von einem Parteiorgan keine Rede sein kann. Jede Partei, ob SVP oder SP oder FDP oder CVP, wird bei uns kritisiert, ab und zu heftig. Nur ein kleines Beispiel: Niemand hat so vehement gegen den Gripen aus dem VBS des einzigen SVP-Bundesrates geschrieben wie die BaZ, obwohl ich, der Chefredaktor, zu den Befürwortern dieses Kampfjets gehörte. Ebenso habe ich mich in einem Leitartikel für die Masseneinwanderungsinitiative eingesetzt, während mein Kollege und BaZ-Bundeshaus-Chef Dominik Feusi dagegen anschrieb: Welches Blatt in der Schweiz hält solche Gegensätze intern aus?
Die "NZZ am Sonntag" behauptet, dass Sie aufgrund der angeblichen SVP-Nähe sehr viele Leser verloren haben.
Alle Tageszeitungen haben Leser verloren. Auch wir. Aber es ist klar, die ganzen Diskussionen um die Besitzverhältnisse der BaZ haben uns geschadet. Rückblickend würde man vieles anders machen und auch von Anfang an transparenter kommunizieren. Diesen Vorwurf muss ich auf mich nehmen, obwohl ich bei vielen Entscheidungen gar nicht involviert war. Doch jetzt sind die Besitzverhältnisse offengelegt, was man bei vielen andern Medienhäusern nicht behaupten kann. Diejenigen Abonnenten, die uns in den letzten Jahren die Stange gehalten haben, werden uns auch in Zukunft treu bleiben. Dies ist sehr positiv. Momentan hat der Wind gekehrt und wir konnten die Auflage stabilisieren.
Nochmals: Wie würden Sie die BaZ umschreiben?
Wir machen eine Zeitung für Basel, die alles beschreibt, was diese Region bewegt, begeistert oder bedrückt. Wir sind das Gedächtnis von Basel und wir sind ein Stück gedruckte Heimat. Wir stehen für besten Journalismus, der nur möglich wird, wenn man für unterschiedliche Perspektiven offen ist. Das zeigt sich nicht bloss in den Kommentaren, sondern beginnt schon bei der Recherche. Wir sind eine Tageszeitung mit starken Meinungen, mit linken und rechten Positionen, die sich auch widersprechen dürfen. Wir sind mutig und scheuen uns nicht, anzuecken. Im Zweifelsfall aber sind wir bürgerlich.
Für eine linke Stadt wie Basel eine denkbar schlechte Voraussetzung...
(lacht) Ja, das haben wir auch gespürt. Die Linke, die sonst vorgibt, sich um die Sicherheit von Arbeitsplätzen zu kümmern, hat in den vergangenen Jahren eine regelrechte Kampagne gegen die BaZ angezettelt. Einen solchen Sturm hätten die meisten Zeitungen wohl nicht überlebt. Glücklicherweise waren sie erfolglos – und Basel hat nach wie vor eine eigene Zeitung mit einer grossen, überaus fähigen Redaktion, die jeden Tag in Basel eine vollständige Zeitung produziert. Wenn über das angeblich tiefrote Basel gesprochen wird, übersieht man immer, dass Basel-Stadt auch starke bürgerliche Kräfte hat. Diese schätzen es sehr, dass die BaZ wieder ausgewogener geworden ist. Überdies haben wir genauso viele Abonnenten im Kanton Basel-Land, der klar bürgerlich orientiert ist.
Aber warum dieser Kampf in Basel gegen die BaZ?
Zunächst muss man festhalten: Es war eine kleine Minderheit, die sich dermassen gegen uns engagierte. Und die Lage hat sich eindeutig beruhigt. An der letzten Veranstaltung, die diese Gruppe von BaZ-Gegnern organisiert hatte, kamen 20 bis 80 Leute. Kein allzu beeindruckender Aufmarsch. Beliebt war die BaZ ohnehin nie, auch lange vor mir nicht: Die BaZ war ein Fusionsprodukt zweier bürgerlicher Zeitungen. Im Laufe der Zeit, so erzählen mir viele bürgerlichen Basler, wurde sie immer linker, was viele Leser zwar vor den Kopf stiess, aber nolens volens blieben sie dem Blatt treu. Für die Linke dagegen war es eine schöne Situation: Ohne dass sie auch nur einen Franken investiert hätte, hatte sie eine Zeitung, die meistens auf ihrer Seite stand. Das hat sich nun geändert – die BaZ ist bürgerlicher und wirtschaftsfreundlicher geworden. Dass dies der Linken nicht nur Freude machen kann, ist klar.
Stört es Sie, dass die BaZ nach wie vor als Regionalzeitung jenseits des Jura wahrgenommen wird? Drängt es Sie nicht in die Medienhauptstadt Zürich?
Es ist immer schwer, die eigene Wirkung zu beurteilen. Doch grundsätzlich bin ich überzeugt: Qualität setzt sich durch. Die BaZ ist gut unterwegs, wir haben zahlreiche hervorragende Autoren, so dass es bloss eine Frage der Zeit ist, bis wir in Bern, St. Gallen oder Zürich beachtet werden.
Wie haben Ihre Journalistenkollegen Ihren "Aufstieg" kommentiert?
Meist positiv. Aber dies ist sicherlich nicht repräsentativ.
Interview: Matthias Ackeret//Bild: Keystone

