17.02.2020

Blick TV geht live

So ging es beim Start von Blick TV zu und her

Nach monatelanger Vorbereitung ging der digitale TV-Sender von Ringier am Montag live. Vor der ersten Sendung um 6 Uhr war die Stimmung angespannt, aber freudig. Ein «historischer Tag», so Chefredaktor Dorer. Ein Augenschein bei der Geburtsstunde von Blick TV.
Blick TV geht live: So ging es beim Start von Blick TV zu und her
Erleichtert nach gelungener Premiere: Blick-TV-Chefredaktor Jonas Projer im Blick-Newsroom. (Bild: zVg.)
von Michèle Widmer

«Noch 1 Minute und 50 Sekunden bis zur Sendung. Lasst uns Geschichte schreiben», ertönt es kurz vor dem Start von Blick TV aus der Regie. Im virtuellen Studio steht zur Premiere um 6 Uhr das Moderationsduo Reto Scherrer und Simone Stern. Zusammen mit ihren Kolleginnen und Kollegen haben die beiden in der Stunde zuvor die erste Blick-TV-Sendung überhaupt vorbereitet. Auch Chefredaktor Jonas Projer ist früh aufgestanden. Und nun kommt Blick-Superchefredaktor Christian Dorer ins Studio. «Guten Morgen an diesem historischen Tag», sagt er zur Begrüssung. Auch viele andere sind vor Ort, um die Premiere live an der Dufourstrasse mitzuerleben.

Das Projekt Blick TV wurde in den vergangenen Monaten medial stark verfolgt. Der ehemalige Arena-Moderator Pojer konnte 48 Vollzeitstellen neu besetzen, dafür hat er verschiedene VJs von privaten Radio- und TV-Sendern abgeworben. Ringier-CEO Marc Walder bezeichnete das Projekt immer wieder als «Herzensangelegenheit». Zum Start am Montagmorgen früh ist er aber nicht erschienen.

Applaus nach gelungener Premiere

«Noch zehn Sekunden bis zur Sendung», heisst es aus der Regie im Blick-TV-Studio. Simone Stern räuspert sich noch ein letztes Mal, Reto Scherrer lacht und reisst einen Spruch («Geht’s dir gut Simone?» oder «Und das müssen wir jetzt jede Stunde machen?»). Es ist 6 Uhr, das Lämpchen «On Air» leuchtet auf und es geht los. Die restliche Crew im Studio fiebert angespannt mit. Nach 15 Minuten ist die Premiere vorbei. Es wird geklatscht. Chefredaktor Projer springt zu seinen Moderatoren: «Super gemacht», sagt er, die beiden umarmend. Er strahlt und ist sichtlich erleichtert.

«Ich war sehr nervös», sagt Stern wenige Sekunden nach der Sendung im Gespräch und zeigt auf ihre noch immer zitternde Hand. Die 26-Jährige hat zuvor als wissenschaftliche Mitarbeiterin bei der Schweizer Armee, als Yogalehrerin sowie als Schauspielerin in Los Angeles gearbeitet. «Ich habe mir vorgestellt, ich erzähle alles meiner Grossmutter», sagt sie. So könne sie die Nervosität in Schach halten.

Der ehemalige SRF-Moderator Reto Scherrer sitzt bereits wieder am Arbeitsplatz und wirkt gelassen: «Wichtig ist für mich nicht unbedingt der heutige Tag, sondern wie unser Produkt in drei Monaten aussieht und wie es ankommt», sagt er. Für die Moderatoren ist die Premiere noch nicht ganz vorbei. Bereits um 7 Uhr müssen sie wieder ins Studio. Denn Blick TV wird von 6 bis 23 Uhr stündlich eine 15-minütige News-Sendung liefern.

«Ein Privileg in meinem Berufsleben»

Nun rufen Dorer und Projer die Anwesenden für eine kurze Ansprache im Newsroom zusammen. «Vor nicht mal elf Monaten gab uns der Ringier-Verwaltungsrat grünes Licht für die Umsetzung von Blick TV. Jetzt sind wir gestartet», sagt Dorer und fügt an: «Herzlichen Dank für eure Unterstützung und für das frühe Aufstehen für diesen historischen Start von Blick TV.» Und Projer sagt sichtlich gerührt: «Danke, dass so viele Leute gekommen sind. Ich sehe diesen Tag als Privileg in meinem Berufsleben.»

Im Gespräch etwas abseits betont Projer nochmals, wie zufrieden er mit dem Start ist. «Der Druck vor einer solchen Sendung ist sehr hoch», sagt er. Er sei aus diesem Grund während der ersten Sendung nicht im Regieraum, sondern im Newsroom geblieben. «Die waren auch ohne den Blick vom Chef über die Schulter genug nervös», ergänzt er. 

Aussenreporter bei der Post

Trotz Nervosität – das Moderationsduo kam vor der Kamera professionell rüber. Das Aufmacherthema am ersten Tag war der Sicherheitsskandal bei der Schweizerischen Post. Dafür hat Blick TV bereits um 6 Uhr einen Aussenreporter vor der Sihlpost am Zürcher Bahnhof stationiert. Noch kann er wenig Mehrwert liefern – die Post ist geschlossen und noch wenige Menschen unterwegs. Im Weiteren berichtet Blick TV heute über einen Mieterskandal in Bergingen (SH), den Hoolingan-Prozess in Basel oder über eine alte Frau, die in Grossbritannien Kondome anstatt Tee gekauft hat.

Für Projer ist klar: «Wir müssen auch eine Art Frühstücksfernsehen sein». So gaben die Moderatoren verschiedene Anekdoten aus ihrem Privaleben preis. Stern erzählte in der Sendung von ihrem Hund und Scherrer erwähnte seine Kinder. Das Ziel: Die Moderatoren sollen die Zuschauerinnen und Zuschauern in den Morgenstunden zum Lachen bringen. In der ersten Sendung tanzen dafür Blick-TV-Mitarbeiter mit Gipfeli.

Auch künftig werden die Sendungen am Morgen im Duo präsentiert. «Als Alleinmoderator hätte man gar keine Zeit zu denken, weil man immer spricht», sagt Projer dazu. Am Nachmittag sei dann aus ressourcengründen nur eine Moderatorin oder ein Moderator eingeteilt – dann hole man aber Expertinnen und Experten ins Studio. 

Fragen der Community aufnehmen

Am Nachmittag steht Projer dann erstmals selbst für Blick TV vor der Kamera – wenn auch nicht für die News-Sendung. Zusammen mit der Crew will er auf Inputs der Community eingehen und Fragen beantworten. Später, so Projer, werde er aber auch für die Live-Sendung vor die Kamera treten. «Nur so merke ich als Chef, wo es vielleicht noch mehr Ressourcen braucht und wo alles rund läuft», sagt er.

Nach der Premiere feiern die Verantwortlichen also den reibungslosen Start von Blick TV. Fraglich ist nun, wie das neue Produkt bei den Nutzerinnen und Nutzern sowie dem Werbemarkt ankommt. Zu beidem zeigt sich Ringier verschlossen. «Es gibt gute Resonanz und grosses Interesse», sagt Riniger-Sprecherin Alina Bolz, angesprochen auf konkrete Partner.


Wie reagiert die Branche auf Blick TV? Lesen Sie dazu die Umfrage bei verschiedenen Vertreterinnen und Vertretern oder den Blog-Post von persönlich-Chefredaktor Matthias Ackeret.



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