Schweizer Radio und Fernsehen SRF trennt sich von seinen Sprechausbildnerinnen und Sprechausbildnern. Vier Sprech- und Auftrittstrainerinnen und -trainer wurden nach Informationen von persoenlich.com am Dienstag überraschend freigestellt. Sie waren teils über 30 Jahre für SRF tätig und mussten nun von heute auf morgen ihr Pult räumen. Ein ungewöhnliches Vorgehen bei langjährigen Angestellten.
Die SRF-Medienstelle bestätigt auf Anfrage von persoenlich.com Sparmassnahmen, ohne auf die Umstände der Entlassung einzugehen. «Im Rahmen von Enavant sind auch Sparmassnahmen im Bereich Sprech- und Auftrittstraining bei SRF vorgesehen», teilt sie mit. Die Leistungen blieben aber «im Sinne der Qualitätssicherung» bestehen und könnten künftig je nach Bedarf intern oder extern bezogen werden. Seit Januar 2026 ist die Weiterbildung bei der SRG überregional organisiert. Spezialisierte Trainings werden neu zentral gesteuert.
Intern wird der Schritt nach Informationen von persoenlich.com mit einer Angleichung an die Praxis bei RTS in der Westschweiz und RSI im Tessin begründet. Dort gibt es keine festangestellten Sprechtrainerinnen und Auftrittscoaches. Entsprechende Leistungen will künftig auch SRF extern einkaufen.
Gegen die Kündigungen formiert sich Widerstand. Die in der Mediengewerkschaft SSM organisierten SRF-Angestellten haben SRG-Generaldirektorin Susanne Wille einen Protestbrief geschickt. Darin fordern sie die Rücknahme der Kündigungen.
«Externe sind nicht billiger», heisst es dort – zumal die Sprechausbildung laut SRF weiterhin angeboten werden soll. Ausserdem gebe es für Sprechausbildung «keinen funktionierenden Markt in der Schweiz», die SRG habe «faktisch eine Monopolstellung». Die Betroffenen, teils kurz vor der Pensionierung, fänden kaum eine Folgeanstellung, heisst es weiter.
Zudem sei die Situation bei SRF innerhalb der SRG einzigartig: Anders als bei RTS und RSI «treten viele von uns nicht in ihrer Muttersprache ans Mikrofon, sondern in Hochdeutsch.» Sprech- und Auftrittskompetenz bleibe für die Arbeit am Mikrofon und vor der Kamera zentral, gerade in den neuen, digitalen Formaten.
Scharf kritisiert die Gewerkschaft schliesslich die Art der Freistellung. Diese zeige «eine unmenschliche Seite von Enavant».
Im Rahmen des Transformations- und Sparprogramms «Enavant» will die SRG bis 2029 rund 270 Millionen Franken einsparen und muss dazu etwa 900 Vollzeitstellen abbauen.
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