28.06.2026

SRF

Sprechtrainer Knall auf Fall entlassen

Das SRG-Sparprogramm «Enavant» trifft die Sprechausbildung: SRF entlässt seine festangestellten Sprech- und Auftrittstrainer. Die Dienstleistung soll künftig extern und nach Bedarf bezogen werden. Im Haus stösst der Schritt auf Unverständnis.
SRF: Sprechtrainer Knall auf Fall entlassen
Korrekte und saubere Aussprache am Mikrofon will geübt sein. (Bild: Keystone/Christian Beutler)

Schweizer Radio und Fernsehen SRF trennt sich von seinen Sprechausbildnerinnen und Sprechausbildnern. Vier Sprech- und Auftrittstrainerinnen und -trainer wurden nach Informationen von persoenlich.com am Dienstag überraschend freigestellt. Sie waren teils über 30 Jahre für SRF tätig und mussten nun von heute auf morgen ihr Pult räumen. Ein ungewöhnliches Vorgehen bei langjährigen Angestellten.

Die SRF-Medienstelle bestätigt auf Anfrage von persoenlich.com Sparmassnahmen, ohne auf die Umstände der Entlassung einzugehen. «Im Rahmen von Enavant sind auch Sparmassnahmen im Bereich Sprech- und Auftrittstraining bei SRF vorgesehen», teilt sie mit. Die Leistungen blieben aber «im Sinne der Qualitätssicherung» bestehen und könnten künftig je nach Bedarf intern oder extern bezogen werden. Seit Januar 2026 ist die Weiterbildung bei der SRG überregional organisiert. Spezialisierte Trainings werden neu zentral gesteuert.

Intern wird der Schritt nach Informationen von persoenlich.com mit einer Angleichung an die Praxis bei RTS in der Westschweiz und RSI im Tessin begründet. Dort gibt es keine festangestellten Sprechtrainerinnen und Auftrittscoaches. Entsprechende Leistungen will künftig auch SRF extern einkaufen.

Gegen die Kündigungen formiert sich Widerstand. Die in der Mediengewerkschaft SSM organisierten SRF-Angestellten haben SRG-Generaldirektorin Susanne Wille einen Protestbrief geschickt. Darin fordern sie die Rücknahme der Kündigungen.

«Externe sind nicht billiger», heisst es dort – zumal die Sprechausbildung laut SRF weiterhin angeboten werden soll. Ausserdem gebe es für Sprechausbildung «keinen funktionierenden Markt in der Schweiz», die SRG habe «faktisch eine Monopolstellung». Die Betroffenen, teils kurz vor der Pensionierung, fänden kaum eine Folgeanstellung, heisst es weiter.

Zudem sei die Situation bei SRF innerhalb der SRG einzigartig: Anders als bei RTS und RSI «treten viele von uns nicht in ihrer Muttersprache ans Mikrofon, sondern in Hochdeutsch.» Sprech- und Auftrittskompetenz bleibe für die Arbeit am Mikrofon und vor der Kamera zentral, gerade in den neuen, digitalen Formaten.

Scharf kritisiert die Gewerkschaft schliesslich die Art der Freistellung. Diese zeige «eine unmenschliche Seite von Enavant».

Im Rahmen des Transformations- und Sparprogramms «Enavant» will die SRG bis 2029 rund 270 Millionen Franken einsparen und muss dazu etwa 900 Vollzeitstellen abbauen.


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KOMMENTARE

Daniela Kimmich
06.07.2026 14:39 Uhr
Also gerade bei der Sprachschulung hat SRF noch grossen Nachholbedarf. Ich erwarte im Schweizer Fernsehen kein Bühnendeutsch, aber doch immerhin ein weniger Zürischnurre geprägtes Hochdeutsch. Es ist ein Graus! Gerade die Tagesschau, doch eines der wichtigsten Gefässe des Senders, ist für mich ein negatives Beispiel, sei es bei gewissen Moderatorinnen (nicht alle!), aber auch Korrespondentinnen (auch hier nur einzelne).
Melchior Brunner
29.06.2026 13:47 Uhr
Besonders bitter ist die Art und Weise, wie gekündigt wurde: Freistellung noch in der selben Woche! Und das bei MA, die 30 Jahre im Betrieb waren. Das ist nichts anderes als eine Schande! Zumal dieser Schritt völlig unbegründet ist. MA können / dürfen sich nicht einmal anständig verabschieden. Und auch besonders stossend: das Ganze Vorgehen basiert u.a. auf Lügen bzw. Behauptungen. Im Schreiben wird erwähnt, dass die Arbeit in gleichbleibender Qualität weitergeführt werden soll. Dies ist mit dem bewusst in Kauf genommenen Verlust von so viel Know-How (auf betrieblicher, technischer und zwischenmenschlicher / kollegialer Ebene) schlicht und einfach nicht möglich. Aber eben - zumindest das Menschliche scheint komplett ignoriert zu werden...
Claudio Pellegrinelli
29.06.2026 09:13 Uhr
Es überrascht kaum, dass der SRG an allen Ecken und Enden das Geld fehlt, wenn SVP-Bundesrat Rösti ihr kontinuierlich Mittel entzieht. Die unnötige Senkung der Serafe-Gebühren auf 300 Franken hat zwangsläufig Konsequenzen. Nicht die SRG trägt die Verantwortung, sondern der zuständige Bundesrat.
jutta mosimann
29.06.2026 08:43 Uhr
Dass ein Unternehme, dass hauptsächlich vom Volk gezahlt wird, so mit seinen langjährigen Mitiarbeiter*innen umgeht, ist eine Schande und zeigt letztendlich Misswirtschaft. Da gibt es sicherlich a ndere Lösungen, die mit dem Menschen gehen und das Betriebsklima schonen und sich schlussendlich nachhaltig aiuf das Betriebsklima und die Wirtschaftlichkeit auswirken. Gegen sowas muss sich gewehrt wetden. Da kann jede/r als nächstes gnadenlos abgesägt werden.
Gertrud Heini
28.06.2026 11:17 Uhr
Dieses Vorgehen ist unmenschlich und zeigt wieder deutlich, dass die Unternehmenskultur den Bach runter geht. Nur noch Rentabilität zählt. Der Mensch zählt nicht mehr, nur die Leistung muss optimiert werden. Wann stehen wir arbeitendes Volk zusammen auf und sagen: STOP! So geht das nicht mehr weiter.
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