13.08.2010

Google

Street View als Kuriositäten-Kabinett

Skurriler Wettbewerb in Grossbritannien.

Ist Google Street View in manchen Ländern wegen des Datenschutzes umstritten, scheinen die Briten sich an die Abildungen gewöhnt zu haben. Es ist sogar eine Art Wettbewerb über die skurillsten Alltagszenen in Gang gekommen. Wer ist der Mann mit dem Pferdekopf, der im schottischen Aberdeen so relaxed an einer Mauer steht - als wäre nichts dabei, als halbes Pferd herumzulaufen? Was ist mit dem kleinen Mädchen passiert, das leblos auf einer Strasse in Worcester liegt? Und ist Wendy Southgate aus Suffolk tatsächlich die Frau, die am häufigsten auf Google Street View auftaucht - weil die Kamera ihr zufällig genau auf ihrer Route hinterherfuhr, als sie grade mit ihrem Hund Trixie Gassi ging?

In Grossbritannien hat das digitale Welt-Abbild in dem Google-Dienst seit seiner Einführung vor mehr als einem Jahr jede Menge moderner Mythen produziert. Gab es am Anfang wie anderswo vor allem Kritik, haben sich die Briten mittlerweile mehr oder weniger an den Dienst gewöhnt. Unter seinen Anhängern scheint sogar so etwas wie ein Wettbewerb ausgebrochen zu sein, die kuriosesten Szenen zu entdecken. Fast wöchentlich kommt etwas Neues ans Tageslicht. Das "tote Mädchen" zum Beispiel stellte sich als die zehn Jahre alte Azura heraus, die hingefallen war. Um ihren Spielkameraden zu ärgern, tat sie so, als ob sie tot wäre - durch Zufall gerade, als die Google-Kamera Klick machte. Kommentar der Mutter: "Ich wünschte, sie wäre immer so ruhig."

Wer sich hinter dem Pferdekopf in Aberdeen versteckt, ist bis heute nicht endgültig geklärt. Nach dem Auftauchen des schrägen Fotos allerdings brachen im Internet heftige Diskussionen aus. Menschen aus der ganzen Welt behaupteten, den mysteriösen "Horse Boy" schon bei sich in der Nähe gesehen zu haben. Am Anfang stand allerdings auch auf der Insel der Protest gegen die Fotos von Häusern, Strassen, Autos und natürlich Menschen, die im Internet für jeden zugänglich sind. In der Stadt Milton Keynes musste im Frühjahr 2009 sogar die Polizei anrücken, weil wütende Anwohner das Auto blockierten, mit dem Google die Fotos für den Internetdienst machte. "Das ist sowas von penetrant", beschwerte sich damals eine Frau. "Nicht alle neuen Ideen und Technologien sind auch gleichzeitig gut", sagte ein anderer Nachbar.

Gleich, nachdem der Dienst freigeschaltet war, musste Google einige Bilder sperren. Zwar kam nie ans Tageslicht, welche das waren, aber Zeitungen waren sich einig: Ein Mann, der in London in einen Sex Shop ging; ein anderer, der sich auf der Strasse übergeben musste; jemand, der verhaftet wurde - und noch einige weitere Szenen, bei denen sich die Beteiligten lieber nicht vom ganzen Land beobachten lassen wollten. Jeder, der sich über ein Bild beschweren will, kann das gleich über die britische Google-Website tun. Dann werden die Fotos herausgenommen. Gesichter und Nummernschilder werden laut Google ohnehin nur verwischt gezeigt. (sda)


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