Als Reaktion auf einen entsprechenden offenen Brief der Filmschaffenden in der Zeitung Libération sagte der Chef des Senders, Maxime Saada, während der Filmfestspiele in Cannes, dass er nicht mehr möchte, dass sein Sender mit den Unterzeichnern zusammenarbeitet.
Wenn diese Androhung tatsächlich umgesetzt wird, würde das bedeuten, dass etwa Regisseur Arthur Harari oder die Schauspielerin Juliette Binoche nicht mehr für Produktionen von Canal+ verpflichtet würden.
Der Sender ist eine der tragenden Säulen des französischen Films. Jedes Jahr investiert der Konzern 170 Millionen Euro in die Produktion von Spielfilmen und koproduziert die Hälfte der Filme, die in die Kinos kommen.
Bei einem Ausschluss der Filmschaffenden würde Canal+ sich aber auch ins eigene Fleisch schneiden, weil ihm dann namhafte Schauspielerinnen und Schauspieler für seine Filme fehlen.
Milliardär Bolloré will Kinokette übernehmen
Der Milliardär Bolloré hält einen Anteil von rund 30 Prozent an Canal+ und möchte nun die Kinokette UGC erwerben.
In ihrem offenen Brief kritisieren die Filmschaffenden, dass Bolloré damit in der Lage wäre, die gesamte Filmproduktionskette zu kontrollieren, von der Finanzierung bis zur Ausstrahlung im Fernsehen und im Kino.
Der konservative Milliardär und Medienunternehmer Bolloré ist in Frankreich umstritten. Teils wird von einer «Bollorisation» der von ihm übernommenen Medien gesprochen. Damit wird eine Verschiebung der redaktionellen Linie nach rechts und rechtsaussen gemeint.
Autoren verlassen Verlag
Gegen Bolloré gab es bereits Proteste in der Verlagsbranche, angeführt von rund 200 Autorinnen und Autoren des Verlagshauses Grasset.
Bolloré ist unter anderem französischer Medienmogul, der beispielsweise 2022 die Präsidentschaftskandidatur des rechtsextremen Eric Zemmour ermöglicht hat; im Wahlkampf 2024 untersagte er den von ihm kontrollierten Medien, den Rassemblement National als rechtsextrem zu bezeichnen. Er baut seine finanziellen Engagements in den Bereichen Verlag und Film zusehends aus
«Der Kulturkampf, von dem überall die Rede ist, bezeichnet nicht bloss eine Auseinandersetzung zwischen Ideen», schrieben die Filmschaffenden in ihrem Aufruf. «Indem wir das französische Kino in die Hände eines rechtsextremen Unternehmers geben, riskieren wir nicht nur eine Vereinheitlichung der Filme, sondern auch eine faschistische Vereinnahmung der kollektiven Vorstellungswelt.» (sda/dpa/spo)

