06.04.2015

Charlie Hebdo

Supermarkt-Geiseln verklagen Medien

Die Live-Berichterstattung habe ihr Leben in Gefahr gebracht.

Sechs Betroffene der Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt in Paris im Januar haben französische Medien wegen ihrer Berichterstattung verklagt.

Die Kläger, die sich in einer Kühlkammer vor dem islamistischen Angreifer versteckt hatten, werfen unter anderem dem Nachrichtensender BFMTV vor, ihr Leben gefährdet zu haben.

BFMTV hatte während der Geiselnahme am 9. Januar berichtet, dass sich mehrere Menschen vor dem Islamisten Amédy Coulibaly in einer Kühlkammer des Supermarkts Hypercacher im Osten von Paris versteckt hielten.

Der Anwalt der Kläger sagte, das Leben seiner Mandanten wäre gefährdet gewesen, "wenn Coulibaly in Echtzeit von der von BFMTV verbreiteten Nachricht erfahren hätte".

Das Leben eines Menschen in Gefahr zu bringen kann in Frankreich mit einem Jahr Haft und 15'000 Euro Geldstrafe geahndet werden.

Nach Angaben aus Justizkreisen vom Freitag leitete die Pariser Staatsanwaltschaft am Mittwoch erste Ermittlungen ein.

Coulibaly hatte den jüdischen Supermarkt zwei Tage nach dem tödlichen Angriff auf die Satirezeitung "Charlie Hebdo" attackiert. Der Islamist, der die "Charlie Hebdo"-Angreifer kannte, tötete in dem Supermarkt vier Juden.

Bereits am Tag vor der Geiselnahme hatte er eine Polizistin erschossen. (sda)


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