17.08.2010

Pakistan

Tödliches Desinteresse der Medien

Fehlende Bilder der Katastrophe verzögern den Spendenfluss

Die Medien tragen Mitschuld daran, dass es sogar drei Wochen nach Beginn der Überflutungen in Pakistan noch kaum nennenswerte Spendenflüsse gibt. Denn allzu lange haben sie es verabsäumt, um Spenden für die Menschen in Not zu bitten. Das betonen die Organisationen, die vor Ort Nothilfe leisten. "Die Medien liessen lange auf sich warten. Hilfsorganisationen schrien lange um Hilfe, doch erst vergangenes Wochenende kamen erste Bilder im Fernsehen und Print", so Michael Opriesnig vom österreichischen Roten Kreuz..

Schon in der letzten Juliwoche legten Überflutungen durch heftige Regenfälle Pakistan lahm, machten bis zu 20 Millionen Menschen obdachlos und forderten bisher 1'300 Todesopfer. Sie zerstörten Ernten und Lebensmittel und setzten eine Fläche der Grösse Italiens unter Wasser. Als "genauso folgenschwer wie das Erdbeben in Haiti" bezeichnete UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon die Not des Landes. Doch nicht nur die Berichterstattung, sondern sogar die sonst schnellen sozialen Medien wie Twitter, Facebook und Co. haben das Thema bisher kaum wahrgenommen. Tragisch ist das deshalb, da das Internet längst die Spendenbereitschaft mitbestimmt.

Für die Menschen in Katastrophengebieten ist weltweite Aufmerksamkeit eine Überlebensfrage, für Hilfsorganisationen eine Grundvoraussetzung der Arbeit. "Eine Katastrophe, die Medienkriterien nicht erfüllt, ist eine vergessene Katastrophe", schreibt Richard Munz, ein jüngst in Haiti verstorbener Rotkreuz-Notarzt, im Buch "Im Zentrum der Katastrophe". Bei derartigen Ereignissen wolle man dringend Hilfseinsätze durchführen, es fehle aber an Spenden für alle nötigen Hilfsoperationen.

Die ersten Meldungen der Katastrophe und ihre dramaturgischen Steigerungen an den Folgetagen sind ganz wesentlich für die Spenden, kommt Munz zum Schluss. "Zwangsläufig müssen die Meldungen sich immer weiter übertreffen, damit die Berichterstattung nicht wegen drohender Langeweile eingestellt wird", analysiert der Katastrophenhelfer. Dadurch werde eine Katastrophe, die es in die Medien geschafft habe, allmählich immer mehr übertrieben und überzeichnet, wobei Korrekturen der Zahlen Monate später niemand mehr interessieren.

Für die Hilfsorganisationen ist nun jedenfalls "die Medien wachrütteln" oberste Devise für die nächsten Tage. "Wir werden persönliche Berichte aus dem Gebiet liefern, damit Pakistan emotional näher rückt", so Rüther. Gleiches kündet auch Opriesnig an. "Journalisten waren in Pakistan nicht wie in Haiti gleich vor Ort. Das müssen wir nun nachholen. Es geht darum, durch Bilder und Personen betroffen zu machen und den Menschen zu erlauben, dass sie sich in die Lage der Opfer hineinversetzen." (pte)


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