Die Berner Medienunternehmung Espace Media Groupe will ihre "traditionelle Angriffslust beibehalten" und weiter wachsen -- ohne neue Kooperationen oder Übernahmen im Auge zu haben. Dies sagte VR-Präsident Charles von Graffenried am Dienstag in Bern. Der -- wie er selbst sagte -- eher medienscheue von Graffenried nahm die Jahresmedienkonferenz der Espace Media Groupe zum Anlass für einen persönlichen Blick in die Zukunft: "Die grosse Trumpf-Karte der Zeitung ist ihre hohe Glaubwürdigkeit. Und das muss unter allen Umständen so bleiben."
Die Espace Media Groupe wolle in Zukunft ihren strategischen Spielraum nutzen und "innerhalb vernüftiger Proportionen angriffslustig bleiben". Ziel sei es im Spannungsfeld von "Öffentlichkeit und Werbemarkt" eine gesunde und nachhaltige Rentabilität zu erzielen. Von Graffenried zeigte sich erfreut, dass die Espace Media Groupe am Ende von fünf Rezessionsjahren auf ein durchschnittliches Konzernergebnis von rund 20 Mio. Franken pro Jahr zurückblicken könne. Das zeuge von einer hohen Stabilität.
Im Jahr 2005 belief sich das Konzernergebnis auf 18.8 (Vorjahr 21.5) Mio. Franken. Der leichte Rückgang sei auf einmalige Sonderkosten (2 Mio. Franken) sowie höheren Abschreibungen (3.8 Mio. Franken) im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme des neuen 118 Mio. Franken teuren Druckzentrums zurückzuführen.
Das vergangene Jahr war überdies von der Übernahme und Sanierung von Radio Canal 3 in Biel, den Neulancierungen von Radio Capital FM und Automobil Revue geprägt sowie von einem "ausgezeichneten Geschäftsjahr" beim Schweizer Bauren, wie Albert P. Stäheli, Vorsitzender der Konzernleitung, sagte. Weniger erfreulich war der Verlust des Anzeiger Region Bern bei der Bund Verlag AG, womit der Verlust von 17 Arbeitsplätze in der Druckvorstufe einhergingen.
Die dadurch entstanden Sozialplankosten hätten das erneute Defizit von 2 (0.7) Mio. Franken beim "Bund" mitverursacht. Stäheli gab sich aber zuversichtlich, dass der "Bund" noch dieses Jahr auf Kurs gebracht werden könne. Ärgerlich sei auch, dass die Wettbewerbskommission "dem Vernehmen nach" den Entscheid in Sachen Beteilung der Espace Media Groupe an "20 Minuten" ans Bundesgericht ziehen wolle, so Stäheli.
Voraussichtlich ab 2009 möchte die Espace Media Groupe am Dammweg in Bern ein Multimediahaus nach dänischem Vorbild betreiben. Idee ist, dass Print-, Radio-, TV- und online-Redaktionen viel enger zusammen arbeiten, führte Stäheli aus.

