Als erster Türke erhält der Schriftsteller und Gesellschaftskritiker Orhan Pamuk in diesem Jahr den Nobelpreis für Literatur. Dies gab die Königlich-Schwedische Akademie in Stockholm am Donnerstag bekannt. Sie begründete ihren Entscheid damit, dass Pamuk "auf der Suche nach der melancholischen Seele seiner Heimatstadt Istanbul neue Sinnbilder für Streit und Verflechtung der Kulturen gefunden hat."
Die Akademie hob auch Pamuks Rolle als "Gesellschaftskritiker" in der Türkei heraus. So habe er als erster Autor der muslimischen Welt die Fatwa gegen seinen Kollegen Salman Rushdie verurteilt. Pamuk habe auch für seinen Landsmann Yasar Kemal Stellung genommen, als dieser 1995 vor Gericht gestellt worden war.
Der 54-Jährige gilt als leidenschaftlicher Verfechter der EU- Integration der Türkei, hat aber zugleich stets kritische Distanz zum Westen bewahrt. In seiner Heimat sieht sich Pamuk politischen Anfeindungen nationalistischer Kreise ausgesetzt. In einem Interview mit dem Magazin des "Tages-Anzeigers" hatte er gesagt, in der Türkei seien "eine Million Armenier und 30'000 Kurden umgebracht" worden.

