Der Bundesrat warnt die Medien davor, die Grenzen zwischen Information und Werbung zu missachten oder grundsätzlich in Frage zu stellen. Damit liefen die Medien Gefahr, ihre Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit zu verlieren.
SP-Ständerätin Géraldine Savary (VD) hatte sich erkundigt, ob die Unabhängigkeit der Medien bedroht sei. Sie bezog sich auf Äusserungen von Verlegern. Diese hätten zugegeben, dass journalistische Beiträge möglicherweise von Inserenten beeinflusst worden seien.
Der Bundesrat schreibt in seiner am Donnerstag veröffentlichten Antwort, unabhängige Medien seien eine unverzichtbare Voraussetzung für die freie Meinungsbildung. Das gelte insbesondere für ein Land mit direkter Demokratie. Die Medien könnten ihre Funktion nur dann wirksam wahrnehmen, wenn sie unabhängig und glaubwürdig seien.
Glaubwürdigkeit gefährdet
Der Bundesrat verweist auf die berufsethischen Normen, die sich die Branche gegeben habe. Es müsse das Bestreben der ganzen Branche sein, diesen Nachachtung zu verschaffen, um die Glaubwürdigkeit nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.
Der Schweizerische Presserat habe sich unmissverständlich zur Problematik geäussert. Der Presserat hatte mit Unverständnis und Missbilligung auf Äusserungen von Baz-Chefredaktor Markus Somm und Verleger-Präsident Hanspeter Lebrument reagiert.
Deal mit den Kunden
Markus Somm hatte im April auf Radio 1 gesagt: «Ich kann nicht erwarten, dass ein Inserent ein Inserat schaltet, wenn ihm die ganze Zeit auf der Nase herumgetanzt wird.» Das sei der Deal mit seinen Kunden. «Es gibt ein Mass von Kritik, das richtig ist und es gibt eine Art von Einseitigkeit, die nicht mehr geht.»
Hanspeter Lebrument wurde im April in der «NZZ am Sonntag» mit dem Satz zitiert: «Eine saubere Trennung zwischen dem Werbemarkt und dem redaktionellen Teil einer Zeitung ist viel schwieriger geworden als vor zwanzig Jahren, als es die finanzielle Lage erlaubte, die redaktionelle Unabhängigkeit über alles zu stellen.» (sda)

