Die Schweizer Presse will vor dem Hintergrund sinkender Einnahmen ihre Glaubwürdigkeit stärken. Sie setzt dabei auf die Karte Qualität. Sinkende Einnahmen gefährdeten die Unabhängigkeit der Presse. Dieser Trend müsse gestoppt werden. Das Vertrauen sei das Kapital der Medien, sagte Bundesrat Samuel Schmid am Freitag vor rund gut 400 Verlegern anlässlich des Jahreskongresses des Verbandes Schweizer Presse in St. Moritz. Statistiken zeigten, dass dieses Vertrauen gelitten habe.
Schmid ist besorgt
Die Medien lägen auf den hinteren Plätzen in dieser Rangliste. Das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Medien sei auf den tiefsten Stand seit zehn Jahren gefallen. "Ich verfolge diese Entwicklung als Bundesrat und Bürger mit Besorgnis", sagte Schmid. Der Medienkonsument wolle ernst genommen werden. Die Medien hätten eine wichtige Aufgabe jenseits der Spassgesellschaft zu erfüllen. Nicht nur die Marktschreier, auch die stillen Schaffer sollten zu Wort kommen. Sie seien das Fundament der Gesellschaft.
Schmid mahnte die Medien ferner, ihre Verantwortung für Staat und Gesellschaft wahrzunehmen. Es sei verheerend, wenn die Medien jedes Thema zuspitzten und personalisierten. Schliesslich rief der Bundesrat die Medien dazu auf, die Qualität ins Zentrum zu rücken. "Ist die Verpackung wichtiger als die Qualität?", fragte Schmid die versammelten Verleger. Gut ausgebildete und gut bezahlte Redaktorinnen und Redaktoren seien die Garanten für hohe Qualität. Dazu gehöre auch eine hohe ethische Berufsauffassung.
Hohe Einnahmenverluste
Ins gleiche Horn stiess Verlegerpräsident Hanspeter Lebrument. Die Medien hätten in den letzten fünf Jahren Einnahmen aus Abonnements, Einzelverkäufen und Anzeigen von 700 Millionen Franken verloren. Das entspreche einem Rückgang von 14.7 Prozent. Die Verleger wollen mit diversen Massnahmen Gegensteuer geben. Die neuen Mindeststandards, die sich an den Gesamtarbeitsvertrag anlehnten, förderten die Qualität, sagte Lebrument. Auch ein Eintritt der Verleger in den Presserat würde die Glaubwürdigkeit der Presse stärken. Gespräche finden Mitte Oktober statt.

