11.11.2018

Trump und die Medien

Video wurde offenbar gezielt manipuliert

Ein «Fake Video» aus dem Weissen Haus: Bei der von Trump-Sprecherin Sarah Sanders verbreiteten Filmsequenz soll es sich laut Experten um eine veränderte Version handeln. Dieser Vorwurf hielt Trump nicht davon ab, am Freitag erneut Journalisten verbal anzugreifen.
Trump und die Medien: Video wurde offenbar gezielt manipuliert
Die strittige Szene: Acosta hält das Mikrofon, während die Praktikantin dieses entwenden will. (Bild: Keystone/EPA/Erik S. Lesser)

Das Weisse Haus ist in seiner Kontroverse mit einem Grossteil der US-Medien in den Verdacht geraten, ein offenbar gezielt manipuliertes Video von dem CNN-Journalisten Jim Acosta veröffentlicht zu haben.

Experten und Journalisten äusserten am Donnerstag die Vermutung, dass die Sequenz aus der jüngsten tumultartigen Pressekonferenz von Präsident Donald Trump beschleunigt worden sei. Dadurch werde ein Schlag Acostas auf den Arm einer Praktikantin suggeriert.

Das Weisse Haus hatte Acosta nach der Pressekonferenz vom Mittwoch die Akkreditierung entzogen. Trumps Sprecherin Sarah Sanders begründete dies damit, dass der Journalist die Praktikantin des Weissen Hauses angefasst habe. Acosta und CNN wiesen dies zurück (persoenlich.com berichtete).

In dem von Sanders veröffentlichen Video sieht es so aus, als würde Acosta der jungen Frau, die ihm vergeblich das Mikrofon abnehmen will, rasch mit der Hand auf den Arm schlagen. Originalaufnahmen der Szenen zeigen jedoch, dass Acosta eher sacht den Arm der Praktikantin berührt und sich auch sofort bei ihr entschuldigt – die Entschuldigung ist in dem von der Trump-Sprecherin verbreiteten Video weggelassen.

US-Medienberichten zufolge war die mutmasslich manipulierte Version zuerst von einem Mitarbeiter der auf Verschwörungstheorien spezialisierten Website «Infowars» verbreitet worden.

«Offenkundige» Lüge

Der Journalistik-Professor Dan Kennedy von der Northeastern University bezeichnete das von Sanders verbreitete Video als entlarvend für das Weisse Haus. «Ich denke, wir haben eine neue Linie überschritten», sagte er. Das Weisse Haus lüge «offenkundig» und erwarte, dass Trumps Anhänger auch noch daran glauben.

CNN und US-Journalistenverbände haben scharf gegen den Entzug von Acostas Akkreditierung protestiert. Der Sender warnte vor einer «Bedrohung unserer Demokratie». Die Vereinigung der Korrespondenten beim Weissen Haus prangerte die Massnahme als «unverhältnismässig» an. Es war das erste Mal seit der Gründung dieser Vereinigung im Jahr 1914, dass einem der Weisse-Haus-Reporter die Akkreditierung entzogen wurde.

Trump drohte am Freitag bei einer weiteren Begegnung mit Journalisten, dass noch weiteren von ihnen die Akkreditierung entzogen werden könnte: «Es könnten auch andere sein», sagte er.

Weitere Beschimpfungen

Seine persönlichen Angriffe auf einzelne Medienvertreter setzte er bei diesem Anlass fort. Der Journalistin Abby Phillip, die ebenfalls für CNN arbeitet, hielt er vor, eine «dumme Frage» gestellt zu haben. «Sie stellen viele dumme Fragen», sagte er.

Phillip hatte gefragt, ob der Präsident nach dem Rauswurf von Justizminister Jeff Sessions mit Hilfe von dessen vorläufigem Nachfolger Matthew Whitaker die Ermittlungen zu möglichen illegalen Kontakten des Trump-Teams nach Moskau im Wahlkampf 2016 bremsen wolle.

Bei seiner kurzen Pressebegegnung am Freitag beschimpfte Trump auch die Radioreporterin April Ryan als «Loserin» und «sehr fies». Von den Journalisten forderte er, das Weisse Haus mit «Respekt» zu behandeln, es sei ein «sehr heiliger Ort».

Der US-Präsident attackiert regelmässig kritisch über ihn berichtende Medien als Verbreiter von «Falschnachrichten» und bezeichnet sie als «Volksfeinde». Auch bei seinen Auftritten im jüngsten Wahlkampf hatte er eine feindselige Stimmung gegenüber den sogenannten Mainstream-Medien unter seinen Anhängern geschürt. (sda/afp/as)



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