Online-Journalisten müssen mit sehr viel weniger auskommen als ihre Kollegen bei Print- und audiovisuellen Medien. Das ist das Ergebnis einer Umfrage von pressetext.de in den letzten Wochen. Während sich etablierte Medien noch an der Reputation des jeweiligen Redakteurs und an Zeilen- sowie Seitenhonoraren im Printbereich orientieren, müssen Redakteure bei weniger bekannten Online-Medien zufrieden sein, wenn sie stundenweise oder auch tageweise abrechnen können. Kenner der Branche sprechen bereits von Journalisten als Tagelöhnern, entsprechend der allgemein schlechten Finanzsituation bei Online-Medien.
Wie die Umfrage von pressetext.de, an der viele Medien nicht teilnehmen wollten, ergab, bewegen sich die Honorare in einer sehr grossen Spannweite. Im Allgemeinen gilt, dass die Vergütungen Verhandlungssache sind und eng an Textqualität und Berufserfahrung geknüpft werden. Das bestätigte unter anderem Christian Persson, Chefredaktor von heise online.
Journalistische Anfänger können dort für einen Text mit ca. 5000 Zeichen mit etwa 220 Euro rechnen. Profis werden bis zu 350 Euro für dieselbe Textlänge geboten. Beim Onlineticker werden die Honorare mit der Begründung halbiert, dass es sich dabei um "schnellen Journalismus" handle, der nicht so tiefgehend sei.
Bei der dpa beläuft sich das Zeilenhonorar (62 Anschläge) auf 1.03 Euro. Wenn die für einen Bericht benötigte Zeit aber nicht mit einem Zeilenhonorar in Übereinstimmung gebracht werden kann, erhalten Freie einen Tagessatz. "Und der richtet sich sehr nach Aufwand und Qualität des Mitarbeiters", erklärte dpa-Pressesprecher Justus Demmer.
Nachrichtenagenturmitbewerber ddp vergütet kurze Meldungen von Freien mit etwa 15 Euro. Für längere Beiträge steigt das Honorar laut Chefredaktor und geschäftsführendem Gesellschafter Lutz Schumacher auf bis zu 70 Euro. Netzeitung-Chefredaktor Michael Maier entlohnt Beiträge freier Autoren für seine Internet-Tageszeitung mit 50 bis 130 Euro.
Viele Online-Redaktionen entlohnen die freien Journalisten mit Stunden- oder Tagessätzen. Die Süddeutsche Zeitung bezahlt im Schnitt 13 Euro brutto pro Stunde. Freie eigens für den Onlinebereich gibt es dort nicht. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) zahlt einen Tagessatz von 150 bis 200 Euro. Das Zeilenhonorar beträgt nach Auskunft von Isabell Arnold, geschäftsführende Redaktorin bei der FAZ, 1.28 Euro, die Textpauschalen liegen zwischen 200 und 250 Euro.
Jürgen Marks, Chefredaktor von FOCUS Online, liess wissen, dass sich die "Online-Honorare für freie Journalisten an die Erlöslage im Internet angepasst haben". Aufgrund der "wirtschaftlich schwierigen Situation" sei das Budget für freie Mitarbeiter gekürzt worden. Freie würden nur auf Basis von Tagessätzen beschäftigt, die frei ausgehandelt werden und sich an "den Fähigkeiten der Kollegen" orientieren. Nähere Angaben wollte Marks nicht machen.
In dieses Fahrwasser schlägt auch Matthias Grossmann, Verlagsleiter für Capital und Impulse der Gruner + Jahr-Gruppe. "Für Qualität zahlen wir unverändert gute, faire und angemessene Honorare", erklärte er kurz. Mehr liess er aber nicht raus.
Der Nachrichtensender n-tv, die Verlagsgruppe Handelsblatt, stern und stern online wollten keine Auskünfte über die Honorare erteilen. Auch bei Spiegel und Welt waren trotz mehrmaliger Anfrage keine Informationen erhältlich. Das Magazin Cash hat sich nach Angaben von Chefredaktor Markus Deselaers von Beiträgen freier Journalisten vollständig verabschiedet.
Auch in der Schweiz können sich freie Journalisten keine goldene Nase mehr verdienen. Zwar sind die Honorare für sich betrachtet verhältnismässig hoch, aber die Lebenshaltungskosten liegen deutlich über denen in Deutschland oder Österreich.
Die Werbewoche entlohnt ihre Freelancer mit einem Tagessatz von umgerechnet 290 bis 325 Euro. "Reine Online-Journalisten beschäftigen wir keine", erklärte Chefredaktor Pierre C. Meier auf Anfrage. Das Branchenmagazin persönlich mit seinem Online-Portal der Schweizer Kommunikationswirtschaft "persoenlich.com" vergütet Texte mit rund 390 bis 3300 Euro -- "je nach Umfang der Arbeit", sagt Verleger und Chefredaktor Oliver Prange, ohne näher auf Print und Online einzugehen.
In Österreich ist die Lage für Online-Redaktoreb nicht besser. Grundsätzlich scheint die Tendenz vorzuherrschen, dass die neuen Medien auf billige Arbeitskräfte, meist Berufseinsteiger setzen, um sich über Wasser zu halten. "Der grosse Andrang von journalistischen Volontären in den neuen wie alten Medien hält unverändert an, wieso sollte man also mehr als nötig zahlen", so ein Chefredaktor, der nicht genannt werden will. Die Gehaltsspannen liegen für freie wie fixe Mitarbeiter bei 1400 bis 2000 Euro monatlich. Wer mehr verdient, hat schon mal gut verhandelt.
Klare Verhältnisse herrschen auch beim Manstein Verlag in Wien. Die Freien erhalten laut Chefredaktor Maximilian Mondel für eine Magazinseite 150 Euro. Für den Online-Bereich sind keine freien Mitarbeiter beschäftigt, er wird von den angestellten Redaktoren mitbetreut. Beim Medianet Verlag ist die Bandbreite grösser: Tagesaktuelle Texte werden durchschnittlich mit rund 120 Euro vergütet, für Magazinstorys winken den Freelancern mehr. "Da kann eine Story dann schon mal ein, zwei tausend Euro kosten", so Herausgeber Chris Radda im Gespräch mit pressetext.

