25.11.2025

Tamedia

Weniger Umfang für Winterthurer Umland

Der Verband der Gemeindepräsidien im Bezirk Winterthur kritisiert die redaktionellen Einschnitte beim Landboten und den reduzierten Raum für Umlandthemen. Tamedia verweist auf die regionale Verankerung und den Medienwandel.
Tamedia: Weniger Umfang für Winterthurer Umland
«Politische, gesellschaftliche und kulturelle Themen» bleiben vom Landboten unbeachtet, so der Verband der Gemeindepräsidien Bezirk Winterthur. (Archivbild von 2013: Keystone/Christian Beutler)

Mit einer Protestnote beklagt der Verband der Gemeindepräsidien Bezirk Winterthur die fortschreitende Schwächung der Medienlandschaft in Stadt und Region Winterthur. Besonders «der drastische Abbau der redaktionellen Kapazitäten beim Landboten» habe zu einem deutlichen Rückgang der Berichterstattung über kommunale Themen geführt.

Im September 2024 kündigte Tamedia die Integration der Winterthurer Redaktion in die Zentralredaktion des Tages-Anzeigers an (persoenlich.com berichtete). Die sechstgrösste Stadt der Schweiz wird heute in der gedruckten Zeitung mit Zürich zu einer gemeinsamen «Region» zusammengefasst. Für die 19 Gemeinden des Bezirks Winterthur-Land bleibt im Print durchschnittlich nur noch eine halbe Seite übrig, heisst es. Auch die eigenständige Online-Präsenz landbote.ch ist verschwunden – regionale Informationen gibt es nur noch auf tagesanzeiger.ch/winterthur

«Ohne kritische, unabhängige und kontinuierliche Medienberichterstattung fehlt der demokratische Resonanzraum, der für eine lebendige Zivilgesellschaft unerlässlich ist», schreibt der Verband weiter. Für ihn ist Medienvielfalt «kein Luxus, sondern ein Grundpfeiler der Demokratie».

Tamedia will «erste Adresse» sein

Jigme Garne, Ressortleiter Winterthur bei Tamedia, betont gegenüber persoenlich.com die Fortsetzung des lokalen und regionalen Fokus. Die Redaktion bleibe in Winterthur verankert und decke die bedeutenden politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Themen vor Ort ab. «Unser Anspruch ist es, die erste Adresse für alle Leserinnen und Leser zu sein, die sich einen ausgewogenen, faktenbasierten und fairen Journalismus über das lokale Geschehen wünschen», so Garne. Entscheidungen der Redaktion könnten naturgemäss von den Erwartungen der Gemeindebehörden abweichen.

Eine Tamedia-Sprecherin sagt, man nehme das Schreiben ernst, sei aber überrascht, dass der gemeinsame Austausch vom 7. November in Rickenbach mit publizistischer Leitung und Lokalchef nicht erwähnt werde. Dort habe man nicht nur die Bedeutung regionaler Berichterstattung erörtert, sondern auch den Medienwandel mit schwindenden Werbeeinnahmen und veränderten Lesegewohnheiten.

Vor diesem Hintergrund erhalten regionale Inhalte auf App und Website des Tages-Anzeigers einen prominenten Platz. Nutzerinnen und Nutzer können Winterthur als bevorzugte Region einstellen. Die gedruckte Ausgabe des Landboten erscheint wie bisher von Montag bis Samstag. «Damit stellen wir sicher, dass regionale Anliegen sichtbar bleiben und ein breites Publikum erreichen», so die Sprecherin.


Kommentar wird gesendet...

KOMMENTARE

Kommentarfunktion wurde geschlossen