01.10.2006

SF

Weniger Werbung wegen schlechtem Programm?

Walpen glaubt an strukturelle Probleme.

Das Schweizer Fernsehen hat in diesem Jahr bisher erheblich weniger Werbegelder eingenommen. Seit Anfang Jahr ist laut SonntagsZeitung das Werbeeinkommen im Vergleich zur Vorjahresperiode um rund 9 Prozent gesunken, wie die Zahlen des Forschungsdienstes Media Focus belegen würden.

Bei SF 1 für sich allein genommen, macht der Rückgang sogar rund 17 Prozent aus, wie Lukas Zihlmann, Geschäftsführer Media Focus, gegenüber der SonntagsZeitung erklärt. SF 2 habe dafür dank Olympia und Fussball-WM rund einen Drittel zulegen können. Dies könne aber die Einbussen von SF 1 nicht wettmachen. Gegenüber dem Vorjahr würden insgesamt rund 16 Millionen Franken fehlen.

Als Ursache nennen SRG-Fachleute laut SonntagsZeitung die Streichung zweier Coop-Werbesendungen, geringere Budgets im Konsumgüterbereich sowie den starken Preisdruck im TV-Werbemarkt. "Unser Fernsehbudget ist praktisch unverändert. An der Stelle der gestrichenen Coop-Studios und Telescoop schalten wir heute mehrere zielgruppenspezifische Spots", erklärt Coop-Sprecherin Liselotte Dolder in der SonntagsZeitung.

Andy Lehmann, Direktor der Agentur Aegis Media, sieht den Grund für den Rückgang der Werbung beim Schweizer Fernsehen in der Qualität des Programms: "Die ganz erfolgreichen Sendungen fehlen zurzeit." Werbekunden seien wegen vieler Wechsel im Unterhaltungsprogramm verunsichert. "Das Grundvertrauen ist nach den Einstellungen von Sendungen wie 'Roter Teppich' und 'Black'n'Blond' etwas erschüttert", so Lehmann.

Armin Walpen glaubt nicht, dass die sinkenden Werbegelder mit der Programmqualität zusammenhängen. "Wäre dies so, könnte SF die Marktanteile nicht so erfolgreich gegenüber der ausländischen Konkurrenz behaupten", so der SRG-Generaldirektor gegenüber der SonntagsZeitung. Laut Walpen liegt eher ein strukturelles Problem vor.

Der Werbefranken fliesse zunehmend in andere Werbeträger, namentlich in Werbefenster von ausländischen Sendern und in neue Werbeformen. Die SRG ist zurzeit an der Umsetzung eines 80-Millionen Sparprogramms. Walpen will nicht ausschliessen, dass es aufgrund der Entwicklung der Einnahmen und Ausgaben zu einer weiteren Sparrunde kommen könnte.


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