26.04.2010

M6

Werbefenster deckt wieder ganze Westschweiz ab

Vermarkter IP Multimedia schweigt zu allfälligen Tarifänderungen.

Seit Kurzem steht fest, dass das Werbefenster des französischen TV-Senders M6 zumindest bis Ende 2010 in der ganzen Westschweiz weiter geführt und von IP Multimedia vermarktet werden kann. "Wir haben tatsächlich Ende März einen neuen Vertrag mit M6 unterzeichnet", schreibt Michel Mattacchini, Verwaltungsratspräsident des Genfer Kabelnetzbetreibers Naxoo, auf Anfrage von "persoenlich.com". Naxoo, dem 150 000 Westschweizer Haushalte angeschlossen sind, hatte den Vertrag mit M6 per Ende Januar 2010 gekündigt, unter anderem, um höhere Abgaben für das Einspeisen des M6-Signals auszuhandeln("persoenlich.com" berichtete).

Muss nun M6 tatsächlich mehr bezahlen? Bei Naxoo gibt man sich wortkarg. "Das Geschäftsgeheimnis erlaubt mir nicht, Ihnen die Vertragskonditionen zu nennen", beschied Mattacchini bloss. Ähnlich zurückhaltend zeigt man sich in der Stadt Lausanne, wo der Kabelnetzbetreiber Citycable das M6-Werbefenster nicht nur kündigte, sondern Anfang Januar vorübergehend sogar aus dem Netz kippte. Nach zähen Verhandlungen und einem neuen Vertrag schaltete Citycable das Werbefenster per 1. März dann wieder auf. Auch dort standen höhere Abgaben zumindest ein Thema.

Beide Netze sind nicht verpflichtet, das Signal des M6-Werbefensters zu verbreiten. Das Bundesgericht hatte am 12. Januar 2010 lediglich festgestellt, dass M6 sein Werbefenster in der Romandie verbreiten darf. Das brachte die beiden Kabelnetze in eine stärkere Verhandlungsposition, die diese zweifellos auch nutzten. Es ist deshalb anzunehmen, dass M6 nun deutlich mehr bezahlen muss. Gemäss Brancheninsidern bezahlte M6 den Netzen bisher 60 Rappen pro angeschlossenem Haushalt und Jahr. Dem Vernehmen nach verlangte zumindest Naxoo nun einen fünfmal höheren Betrag, also gegen eine halbe Million Franken pro Jahr. Was die Kabelnetze in ihrer Forderung bestärkte, ist die Tatsache, dass das M6-Werbefenster 2009 erstmals brutto mehr als 50 Millionen Franken erwirtschaftete (netto sind es laut diversen Schätzungen zwischen 9 und 15 Millionen Franken).

Würde es zutreffen, dass M6 nun höhere Abgaben bezahlen muss, dann hätte dies zweifellos auch Auswirkungen auf die Tarife des M6-Werbefensters. Doch TV-Vermarkterin IP Multimedia hat noch nicht einmal bestätigt, dass das M6-Werbefenster wieder vollständig ist, noch hat die Tochter von Goldbach Media zum allenfalls neuen Tarifgefüge Stellung genommen. Statt dessen verwies man an M6 in Paris oder liess Anfragen von "persoenlich.com" während Tagen unbeantwortet. Zu hoffen ist, dass zumindest die Werbekunden etwas ausführlicheren Bescheid erhalten. Schon bald stehen M6 übrigens neue Verhandlungen um das Werbefenster ins Haus: Denn Ende Jahr läuft der Vertrag mit Cablecom, dem grössten Westschweizer Kabelnetz (235 000 Haushalte) aus.

(Text: Markus Knöpfli)


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