04.04.2019

The Market

«Wir denken den Wirtschaftsjournalismus neu»

Die neue Finanzmarktplattform will weder News noch Tageslärm verbreiten. Entsprechend unaufgeregt ist die Webseite gestaltet, die am Donnerstag online ging. Chefredaktor Mark Dittli über Herdenverhalten, Lärmvervielfältiger und den konservativen Businessplan.
The Market: «Wir denken den Wirtschaftsjournalismus neu»
«Wir unterscheiden uns, indem wir keine Newsplattform sind und keine Berichterstattung machen», sagt Mark Dittli, Mitgründer und Chefredaktor von «The Market». (Bilder: Laurent Burst)
von Christian Beck

Herr Dittli, «The Market» ist am Donnerstag gestartet. Wie gross ist die Erleichterung?
Wir sind sehr froh, dass wir nach einer mehrmonatigen Projektphase endlich loslegen können. Jetzt stehen wir in der Öffentlichkeit, man kann uns lesen und sich ein Bild über das redaktionelle Konzept von «The Market» machen. Jetzt liegt es an uns, uns im Markt zu beweisen. Das Aufbauprojekt hat aber grossen Spass gemacht. Wir waren ein kleines, sehr agiles Team, bestehend aus den Gründern und einigen Mitarbeitern der IT- und Produktentwicklung der NZZ-Gruppe. Wir haben das Projekt sowohl im Kosten- als auch im Zeitrahmen umgesetzt.

«Drei bis fünf» Artikel gebe es pro Tag, «keine News, keinen Tageslärm», heisst es in der Mitteilung (persoenlich.com berichtete). Klingt nach «Republik»-Konzept. Haben Sie sich inspirieren lassen?
Na ja, ich habe ein gutes Jahr für die «Republik» gearbeitet, eine gewisse Inspiration lässt sich nicht absprechen. Das Projekt «The Market» trage ich aber auch schon länger in meinem Kopf. Während Jahren haben sich Onlinemedien nach dem Motto «immer schneller, immer mehr» entwickelt. Das hat dazu geführt, dass viele Newsportale bloss noch Maschinen zur Lärmvervielfältigung sind. Das gilt auch für unser Spezialgebiet, Wirtschaft und Finanzmärkte. News- und Lärmquellen gibt es viele. Wir möchten den Lärm filtern, die relevanten Themen identifizieren und sie mit analytischer Präzision beleuchten. Dieses Leistungsversprechen transportieren wir auch visuell: themarket.ch ist sehr ruhig und unaufgeregt gestaltet.

«Wir möchten jeden Tag eine Horizonterweiterung bieten»

Die Abonnenten dürften jeden Tag etwas erwarten, das sie sonst nirgends finden, heisst es. Was unterscheidet «The Market» von anderen Wirtschafts- und Finanzmedien?
Wir unterscheiden uns, indem wir keine Newsplattform sind und keine Berichterstattung machen. Unsere Leserinnen und Leser dürfen von uns erwarten, dass wir ihnen spannende Anlagethemen identifizieren, das grosse Bild der Weltwirtschaft zeichnen, klare Meinungen vertreten und vermeintliche Wahrheiten hinterfragen. Kurz: Wir möchten ihnen jeden Tag eine Horizonterweiterung bieten.

Ein Grossteil der Journalisten kommt von «Finanz und Wirtschaft». Gibt das nicht einfach eine «Finanz und Wirtschaft 2.0»?
Nein. Es stimmt, wir haben viele Jahre miteinander gearbeitet. Doch uns verbindet der Wunsch, etwas Neues aufzubauen, auch den Wirtschaftsjournalismus in der Schweiz neu zu denken.

«Die Marktteilnehmer verhalten sich wie eine Herde»

Und wie konkret sieht dieser neue Wirtschaftsjournalismus aus?
Indem er nicht in die Breite, sondern in die Tiefe geht. Wir entscheiden bewusst, viele News-Themen nicht abzudecken, weil wir wissen, dass wir keinen Mehrwert bringen können. Stattdessen identifizieren wir Themen, die in unseren Augen zu wenig beleuchtet werden oder von denen wir denken, dass sie den Beginn wichtiger neuer Trends darstellen. Die Finanzmärkte sind in enormem Ausmass gleichgeschaltet, die Marktteilnehmer verhalten sich wie eine Herde. Da ist es wichtig, konträre Positionen zu identifizieren und besonders dort genau hinzuschauen, wo die Herde nicht ist.

Ursprünglich hiess es, das Team bestehe aus sechs Finanzjournalisten. Nun ist von sieben die Rede. Konnten Sie ausbauen?
Nein, noch können wir nicht ausbauen. Wir sind sieben Journalisten, die sich sechs Vollzeitstellen teilen. Konkret arbeiten Daniel Zulauf und Andreas Kälin je mit einem reduzierten Pensum. Zusammen erreichen sie ein 100-Prozent-Pensum.

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Und wie finanziert sich «The Market»? Eher durch Abos oder durch Werbung?
Unsere Haupt-Einnahmequelle sind Abonnemente. Das Jahresabo kostet 348 Franken, also rund einen Franken pro Tag. Abonnenten der NZZ, unserem Kooperationspartner, erhalten einen Kombirabatt. Wir bieten auch Werbung an, aber nur sehr wenige, ausgewählte Werbeplätze. Wir möchten das Lesevergnügen unserer Abonnentinnen und Abonnenten nicht mit allerlei lärmiger, blinkender Werbung beeinträchtigen.

Wie viele Abos müssen Sie verkaufen, damit Sie schwarze Zahlen schreiben?
Über Einzelheiten unseres Businessplans kann ich Ihnen leider keine Informationen geben.

Aber wie lange geben Sie sich dafür Zeit, um die Ziele des Businessplans zu erreichen?
Auch dazu kann ich keine Einzelheiten sagen. Nur soviel: Unser Businessplan ist sehr konservativ und langfristig gerechnet. Wir haben uns für mehrere Jahre finanziert.

 



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Kommentare

  • Gret Heer, 08.04.2019 14:34 Uhr
    Gruppenbild ohne Damen. Schreiben wir das Jahr 1919 oder 2019?

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